Predigt:
Die Perspektive des ewigen Lebens bei Gott
32. Sonntag im Jahreskreis A (08.11.2026)
L1: Weish 6,12-16; L2: 1 Thess 4,13-18; Ev: Mt 25,1-13
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Zu allen Zeiten und in allen Völkern und Kulturen hat es Menschen gegeben, die auf der Suche nach Weisheit waren. Philosophie ist wörtlich die Liebe zur Weisheit.
In der ersten Lesung begegnet uns die Weisheit in Gestalt einer Frau. Gemeint ist nicht bloß menschliche Weisheit, sondern jene Weisheit, die von Gott kommt und die Gott uns schenkt. Sie bezieht sich auf das Wesentliche des Lebens; wer sie sucht und findet, erlangt das ewige Glück in der Gemeinschaft mit Gott im Himmel.
Auch wir sind eingeladen, im Gebet und in der Stille sowie im Hören und Betrachten des Wortes Gottes die Weisheit Gottes zu suchen und zu finden. Sie drängt sich uns nicht auf, aber sie lädt uns ein, dass wir sie im Herzen aufnehmen.
In der Lesung aus dem zweiten Brief an die Thessalonicher spricht der Apostel Paulus von jener großen Hoffnung, die uns als Christen erfüllt und trägt. Denn wenn Jesus Christus gestorben und auferstanden ist, so wird er alle, die zu ihm gehören, zum ewigen Leben erwecken. Diese ermutigenden Gedanken sind ein guter Abschluss für die Woche nach Allerheiligen und Allerseelen, in der wir besonders der Verstorbenen gedenken. Sie dürfen bei Gott leben, wenn sie in seinem Frieden aus dieser Welt geschieden sind. Auch wir sollen allezeit bereit sein für die Begegnung mit dem Herrn, denn niemand kennt den Tag und die Stunde, wann er kommt.
Genau dies möchte uns das Evangelium nach Matthäus verdeutlichen. Im Gleichnis von den fünf klugen und den fünf törichten Jungfrauen geht es um die wahre Weisheit und die rechte Klugheit. Auf große und wichtige Dinge bereiten wir uns im Leben gut vor. Und wenn Jesus Christus angekündigt hat, er werde uns zum ewigen Hochzeitsmahl im Himmel einladen, dann gilt es wachsam und bereit zu sein. Gewiss werden wir in diesem Leben oft abgelenkt durch kleine und auch durch große Dinge. Der Blick auf die Ewigkeit hilft uns die rechten Maßstäbe zu finden.
So hat auch der heilige Hubertus, dessen wir in dieser Messe für die Jägerschaft besonders gedenken, sein Leben auf Gott hin geordnet:
Er war zuerst verheiratet; und als seine Frau starb, zog er sich – wie die Legende berichtet – in den Wald zurück. Er suchte die Einsamkeit, um seine Trauer bewältigen zu können. Und dann kam es zu jenem Ereignis, das als sein Bekehrungserlebnis bezeichnet werden kann: Auf der Jagd in den Ardennen verfolgte er einen prächtigen Hirsch. Als er diesen Hirsch endlich stellen konnte und bereits zum Bogenschuss ansetzte, erschien ihm zwischen den Geweihstangen des Hirsches ein leuchtendes Kreuz. Dieses deutete er als göttliches Zeichen dafür, dass er sein künftiges Leben ganz dem Dienste Gottes weihen sollte.
Hubert lebte dann als Einsiedler und war dem Gebet hingegeben. Bald aber erkannte er, dass es seine Berufung war, den Menschen den Glauben an Christus zu verkünden. Er wurde Priester, und schließlich wurde Hubertus sogar zum Bischof geweiht und nahm diese Verantwortung als guter Hirte vieler Menschen war, so vor allem in der Stadt Lüttich. Er starb am 30. Mai 727. Bereits am 3. November 743 wurde er heiliggesprochen.
Ja, auch in der Natur können wir Gott finden und begegnen! Vor allem aber ist uns der Herr nahe in seinem Wort und in den Sakramenten. Wir rufen die Heiligen des Himmels an und bitten sie um ihre Fürsprache bei Gott, sodass wir in wacher Bereitschaft den Herrn empfangen und aufnehmen, wenn er anklopft in unserem Herzen und uns einst zu sich ruft. Amen.
