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Predigt:

Die Sehnsucht nach Glück ist uns ins Herz gelegt

4. Sonntag im Jahreskreis A (01.02.2026)

L1: Zef 2,3;3,12-13; L2: 1 Kor 1,26-31; Ev: Mt 5,1-12a


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

In der Bergpredigt verheißt Jesus seinen Jüngern etwas Besonderes. Nicht Reichtum und Ansehen werden sie erhalten, auch nicht um Macht und Einfluss geht es, sondern um die Verheißung der Seligkeit.

Ja, alle Menschen sehnen sich nach dem Glück, und je mehr sie sich darum bemühen, glücklich zu werden, desto unglücklicher werden sie oft, wie es scheint. Kann man sich das Glück denn irgendwie verschaffen? Worin besteht eigentlich das wahre Glück?

Auf all diese Fragen gibt uns der Erlöser eine Antwort. Jesus Christus, der menschgewordene Sohn Gottes, kennt wie kein anderer das menschliche Herz. Und hier gilt: Gott selbst hat das Verlangen nach dem wahren Glück in unser Herz gelegt, und Gott will tatsächlich das Heil und die Glückseligkeit von uns Menschen.

Wenn Jesus also in den Seligpreisungen der Bergpredigt Wege zum Glück aufzeigt, dann dürfen wir ihn ernst nehmen. Hören wir genau hin und lesen wir die Worte der Heiligen Schrift aufmerksam! Dann werden wir vielleicht fürs erste überrascht oder gar verwundert sein darüber, was uns Jesus vorschlägt. Denn die Wege zum Glück, die Wege zur Seligkeit sind oft anders, als wir Menschen uns dies vorstellen!

So preist Jesus jene selig, die vor Gott arm sind, denn ihnen gehört das Himmelreich. Armut ist normalerweise nichts, was wir uns und anderen wünschen. Umgekehrt wollen viele reich an materiellen Gütern sein. Doch der Reichtum legt auch viele Fesseln auf, verschafft Ruhelosigkeit und bereitet viele Sorgen. Wer hingegen vor Gott arm ist, besitzt eine innere Haltung des Verzichtens und des Loslassen-Könnens. Dies macht ihn frei und froh. So ist dieser Mensch bereit für die Schätze des Himmelreiches!

Selig die Trauernden, sagt Jesus, denn sie werden getröstet werden! Wir halten auch die Trauer nicht für einen angenehmen Zustand, und doch wissen wir, dass es manchmal so etwas wie Trauerarbeit braucht. Es gilt die Trauer zuzulassen, wenn zum Beispiel ein guter Freund oder jemand aus der eigenen Familie verstorben ist oder ein großes Unglück geschehen ist. Die Trauer aber ist nicht das Letzte, sagt Jesus. Wenn sie in der Einheit und Verbundenheit mit Jesus Christus getragen wird, verwandelt sie sich irgendwann in Freude. Denn Gott selbst wird die Seinen trösten und ihnen beistehen in aller Not und Gefahr, in allem Leid und in aller Bedrängnis, ja selbst im Tod.

Dann preist Jesus jene selig, die keine Gewalt anwenden, die also sanftmütig sind, denn ausgerechnet sie werden das Land erben, wie es heißt. Durch Gewaltverzicht erreicht man also mehr als durch einen Krieg oder Konflikt. Wer nachzugeben lernt, kann mitunter mehr gewinnen als der Unnachgiebige, der seine Vorteile überschätzt und zu keinen Kompromissen bereit ist. Die Sanftmut als Tugend ist nicht bloß menschlichen Ursprungs. Sie ist auch ein Geschenk Gottes, und wir wollen diese Haltung des Herzens von Gott erbitten.

Der Hunger und Durst nach Gerechtigkeit ist für Jesus ebenfalls ein Anlass zur Seligpreisung jener Menschen, die sich hier bemühen und einsetzen; ihnen wird verheißen, dass sie gesättigt werden. Dies gilt deshalb, weil der gerechte Gott ein Anwalt der Schwachen und Benachteiligten ist. Dort, wo menschliche Gerechtigkeit versagt, dürfen wir dennoch auf die göttliche Gerechtigkeit hoffen. Diese wird sich in vollkommener Weise zeigen am Ende aller Tage, wenn Jesus Christus als Richter und Herr wiederkommt in Herrlichkeit.

Selig die Barmherzigen, denn sie werden nach den Worten Jesu Erbarmen finden. Die Barmherzigkeit triumphiert über das Gericht. Wir alle sind darauf angewiesen, dass andere mit uns barmherzig sind und vor allem, dass Gott uns sein Erbarmen schenkt. Wie sollten wir dann unseren Mitmenschen das Erbarmen verweigern? Dies alles hat auch mit unserer Vergebungsbereitschaft zu tun. Wenn wir einander vergeben, vergibt Gott auch uns.

Selig gepriesen werden jene, die ein reines Herz haben. Ihnen wir die Anschauung Gottes verheißen. Denn Gott selbst ist ganz rein und heilig. Auch wir sollen im Herzen die Haltung der Lauterkeit kultivieren. Dort, wo kein Falsch ist, gedeihen Vertrauen und beständige Beziehungen der Freundschaft und Liebe.

Jesus preist sodann die Friedensstifter selig. Sie werden Söhne und Töchter Gottes genannt werden. Der Friede ist ein hohes Gut. Ihn kann man weder kaufen noch durch Gewalt herbeizwingen. Er gründet auf Gerechtigkeit und setzt Vertrauen voraus. Um den Frieden sollen wir beten und uns aktiv dafür einsetzen. Darin zeigt sich die Zugehörigkeit zum Himmelreich als Söhne und Töchter Gottes.

Zuletzt spricht Jesus die Situation all jener an, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden. Er verheißt ihnen das Himmelreich. Auch jene, die um Jesu willen beschimpft, verfolgt und verleumdet werden, sind selig zu preisen. Ihr Lohn im Himmel wird groß sein. Hier wiederholt sich das Schicksal der Propheten.

Aufs Ganze gesehen und auch in den Einzelheiten sind die Seligpreisungen Jesu wirklich eine frohe Botschaft, eben ein Evangelium. Sie treffen uns Menschen dort, wo wir in unserer Sehnsucht nach dem Wahren, Gute und Schönen ansprechbar sind. Letztlich kann nur Gott selbst unser Glücksverlangen erfüllen. Dass er dies tun kann und tun will, wollen wir ihm zutrauen. In der Einheit mit Jesus Christus gehen wir unseren Weg; er ist selbst der Weg, die Wahrheit und das Leben. Er schenke uns einst die ewige Seligkeit im Himmel. Amen.