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Predigt:

Der Schmerz des Abschieds und der Trost des Heiligen Geistes

6. Sonntag der Osterzeit A (10.05.2026)

L1: Apg 8,5-8.14-17; L2: 1 Petr 3,15-18; Ev: Joh 14,15-21


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Von einem lieben Menschen für längere Zeit oder gar für immer Abschied zu nehmen, fällt schwer. In einem solchen Moment wird einem die tiefe Verbundenheit bewusst und zugleich der Ernst des Loslassen-Müssens. Besonders nahe geht dies den Müttern, wenn ihre Kinder groß geworden sind und irgendwann den Eltern erklären, sie werden jetzt ausziehen und das gemeinsame Elternhaus verlassen.

Noch mehr fällt es ins Gewicht, wenn wir angesichts des Todes eines lieben Menschen sagen müssen, dass wir sie oder ihn hier auf Erden nicht mehr wiedersehen werden. Trauer erfüllt dann das Herz, wenn beispielsweise eine gute Mutter oder Oma stirbt und zu Gott heimgeht. Gewiss: Der Glaube an Gott tröstet uns, und wir besitzen eine letztlich unzerstörbare Hoffnung darauf, dass wir im Himmelreich mit allen unseren Lieben wieder vereint sein werden, denn Gott ist gut und will unser Heil. Aber die menschliche Trauer lässt sich doch nicht überspielen oder leugnen; es zeigt, wie sehr wir jemanden geschätzt haben und mit diesem Menschen verbunden waren, wenn wir den Schmerz des Abschieds tief im Herzen erleben.

All dies und noch mehr können wir an diesem Muttertag bedenken, denn Mutter zu sein ist mehr als eine soziale Rolle und übernommene Aufgabe. Mutter zu sein geht über das Biologische, rein Körperliche hinaus; es ist vor allem eine innere Haltung, die unsere Mütter auszeichnet. Sie haben vorbehaltlos Ja zum Leben gesagt und sie sagen Ja zu Dir und Mir, also zu einer jeden einzelnen Person, zu allen Kindern – seien sie klein oder schon groß –, die einer Mutter und zugleich dem Vater anvertraut sind.

Im Evangelium kündet Jesus seinen Jüngern den bevorstehenden Abschied an. Er geht durch sein Leiden und Sterben und seine Auferstehung und Himmelfahrt heim zum Vater im Himmel. So ist auch das Herz der Apostel und Jünger vorübergehend von Trauer erfüllt, da sie seine sichtbare Gegenwart entbehren müssen. Jesus tröstet sie und verheißt den Beistand, den Heiligen Geist. Er wird sie an alles erinnern, was er selbst gesagt hat, und sie stärken und trösten.

Anlässlich des Muttertages dürfen wir uns auch dessen bewusst werden, dass uns Jesus seine eigene Mutter anvertraut und geschenkt hat. Dies galt damals, als Maria nach dem Tod und der Auferstehung Jesu noch auf Erden lebte und inmitten der christlichen Gemeinde durch das Beispiel ihres Glaubens und ihrer Liebe allen in mütterlicher Weise beistand.

Dies gilt aber auch zu allen Zeiten in der Geschichte der Kirche, denn Maria ist ja nach Vollendung ihres Lebens mit Leib und Seele in die Herrlichkeit des Himmels aufgenommen worden. Sie übt dort einen mütterlichen Dienst zum Heil aller Menschen aus, und sie kennt und liebt einen jeden von uns. Ihr dürfen wir uns in liebevoller Hingabe ganz anvertrauen. Ihr empfehlen wir alle Menschen, mit denen wir besonders verbunden sind, so vor allem unsere Frauen und Mütter. Gott der Herr lohne den Dienst unserer Mütter und schenke ihnen einst die ewige Freude.

Uns aber, die wir noch auf Erden leben, möge jener Friede zuteilwerden, den Jesus den Aposteln und Jüngern verheißen hat. Wer im Einklang mit Gottes Willen lebt, braucht nichts zu fürchten – nicht einmal den Tod. Unser Gott ist ein Gott des Lebens. Er stärkt alle, die auf ihn vertrauen; er lässt sie nicht zugrunde gehen, sondern rettet sie und schenkt ihnen ewiges Leben. Amen.