www. St Josef.at
Die katholische Informationsseite der Gemeinschaft v. hl. Josef
Navigation
Word-Dokument

Predigt:

Komm herab, o Heiliger Geist!

7. Sonntag der Osterzeit A (17.05.2026)

L1: Apg 1,12-14; L2: 1 Petr 4,13-16; Ev: Joh 17,1-11a


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

In der Lesung aus der Apostelgeschichte haben wir gehört, was nach der Himmelfahrt Jesu geschehen ist. Jesus hatte den Jüngern aufgetragen, sie sollten so lange in Jerusalem bleiben, bis sie die Gabe von oben – den Heiligen Geist – empfangen würden.

Und so versammelten sich die ersten Christen, also die Urgemeinde in jenem Obergemach, das als der Abendmahlssaal gilt. Dort hatte Jesus mit seinen Aposteln das Letzte Abendmahl gefeiert, und in dieser Feier sowohl die Eucharistie als auch das Priestertum eingesetzt. Hier waren sie nun alle versammelt: diesmal nicht bloß die Apostel, die in der Apostelgeschichte namentlich aufgezählt werden, sondern auch viele andere Jünger und ausdrücklich auch die Frauen, wobei Maria, die Mutter Jesu, mit besonderer Ehrfurcht und Liebe erwähnt wird.

Der eigentliche Inhalt ihres Zusammenseins war das gemeinsame Gebet um die Gaben des Heiligen Geistes, den der auferstandene Herr als einen Tröster und Beistand verheißen hatte. Ihn werde er vom Vater her senden, und auf diese Weise werde er selbst immer bei ihnen sein. Am zehnten Tag nach Christi Himmelfahrt – also zu Pfingsten – ging dann dies alles in Erfüllung, als der versammelten Schar der Gläubigen unter Feuerzungen und mit Sturmesbrausen der Heilige Geist geschenkt wurde.

Auch wir haben den Heiligen Geist bereits empfangen: grundlegend in der Heiligen Taufe und dann bestärkend und bekräftigend im Sakrament der Firmung. So sind wir von Gott her mit allem Nötigen ausgestattet worden zum christlichen Zeugnis. Der Herr ist bei uns; er stärkt uns. Er geleitet auch die Kirche in unseren Tagen inmitten aller Stürme und Widrigkeiten durch die Kraft und Macht des Heiligen Geistes.

Wenn wir auf das Beispiel der ersten Christen blicken, dann lernen wir daraus: Wir sollten die Kraft des Gebetes nicht unterschätzen! Beten ist etwas, das gläubige Menschen grundsätzlich auszeichnet. Für uns Christen ist es lebensnotwendig, denn das Gebet ist sozusagen der „Atem der Seele“. Damit unsere Gottesbeziehung aufrecht bleibt und sich vertiefen kann, braucht es das Gebet. Nicht bloße äußere Formeln sind es, die wir aufsagen, damit der Pflicht Genüge getan ist. Es geht vielmehr um eine Herzensangelegenheit, so wie es der große ehemals anglikanische Kirchenlehrer und Heilige John Henry Newman formuliert hat: „Cor ad cor loquitur.“ – „Das Herz spricht zum Herzen.“

Haben wir denn Gott nichts Persönliches zu sagen? Oja, sehr viel sogar! Unser ganzes Leben, unser Dasein bringen wir vor Gott zur Sprache: zuerst im anbetenden Lobpreis und im Dank, dann auch in der Bitte für uns selber und in der Fürbitte für andere, im flehentlichen Gebet in allen Nöten und Heimsuchungen und in der Freude der Erhörung beim Empfang so großer und vieler Wohltaten, die uns täglich zuteilwerden. In all dem wirkt der Heilige Geist, und eigentlich beten wir nur darum, dass er bei uns immer mehr ankomme. Auf diese Weise verherrlicht Gott der Vater seinen auferstandenen Sohn Jesus Christus. Er ist heimgegangen in die himmlische Herrlichkeit, und er bleibt doch unsichtbar bei uns und möchte uns einst in seiner Liebe für immer vollenden. Dass uns all dies geschenkt wird und dass möglichst viele Menschen die Liebe Gottes erfahren, darum bitten wir Gott den Herrn, und wir vertrauen uns dabei der Fürbitte der Gottesmutter Maria an. Sie war damals zugegen inmitten der Apostel und Jünger; sie ist auch bei uns und führt uns hin zu ihrem Sohn, unserem Herrn Jesus Christus. Amen.