Predigt:
Der Jubel der Jünger beim Einzug Jesu
Palmsonntag A (29.03.2026)
L1: Jes 50,4-7; L2: Phil 2,6-11; Passions-Ev: Mt 26,14-27,66
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Als Jesus feierlich in Jerusalem einzog, da jubelten ihm seine Jünger zu. Sie sahen in ihm den messianischen König, und im Matthäusevangelium heißt es, dass „die ganze Stadt erbebte“ (Mt 21,10).
Der Vergleich mit einem Erdbeben legt sich hier nahe: So wie die Erde erschüttert wird, wenn ein solches Ereignis eintritt, so wurden die Herzen der Menschen bewegt, als Jesus in Jerusalem unter den Jubelrufen seiner Jünger einzog. Eine allgemeine innere Ergriffenheit und Erschütterung machten sich breit, denn so viel stand fest: Hier kündigte sich von Gott her etwas Großes an. Die Menge war davon überzeugt: Hier kommt der Prophet Jesus von Nazareth (vgl. Mt 21,11).
Freilich zeigt dieses Beispiel auch, wie leicht wir Menschen emotional, also gefühlsmäßig von etwas ergriffen werden oder uns von jemandem beeinflussen lassen. Bei Jesus ist ja dann diese anfängliche Begeisterung vieler Menschen umgeschlagen, als diese kurze Zeit später von den Führenden des Volkes gegen Jesus aufgehetzt wurden und vor Pontius Pilatus seinen Tod verlangten: „Kreuzige ihn!“ (Mt 27,22–23)
Wenn wir in den Tagen der Karwoche das Leiden und Sterben Jesu betrachten und liturgisch feiern, dann ist es einerseits sicher gut, dass wir hier auch gemütsmäßig ergriffen werden. Jesus Christus ist ja für uns alle am Kreuz gestorben, um uns mit Gott zu versöhnen. Er ist für einen jeden von uns gestorben. So dürfen wir im persönlichen Gebet sagen: Oh Jesus, du hast für mich dein Leben hingegeben, weil du mich liebst. Dies erfüllt uns mit großer Dankbarkeit und Freude. Vielleicht sind auch wir dann innerlich erschüttert wie die Bewohner Jerusalems und die Jünger Jesu.
Allerdings: Gefühle allein sind nicht ausreichend. Sie vergehen auch wieder. Wollten wir die Nachfolge Christi nur auf die gefühlsmäßige Ergriffenheit gründen, dann wären wir wahrscheinlich bald wankelmütig und untreu. Die Treue im Bekenntnis zu Jesus ist etwas, das wir von Gott erbitten sollen. Nur wer demütig ist, kann diese Gabe empfangen. Denn Gott widersteht den Stolzen und Hochmütigen.
Danken wir also dem Herrn aus ganzem Herzen dafür, dass er sich in seiner unbegreiflichen Liebe zu uns als Mensch erniedrigt hat! Er wurde dann am Kreuze erhöht und hat in seiner Auferstehung triumphiert. Er ist der König für Zeit und Ewigkeit. Amen.
