Predigt:
Die Taufe Jesu als Offenbarungsgeschehen
Fest der Taufe des Herrn A (11.01.2026)
L1: Jes 42,5a.1-4.6-7; L2: Apg 10,34-38; Ev: Mt 3,13-17
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Jesus zeigt und offenbart sich bei seiner Taufe im Jordan durch Johannes als der von Gott gesandte Messias. Endlich ist jener gekommen, auf den die Frommen aller Zeiten gewartet haben und den die Propheten des Alten Bundes immer wieder verheißen hatten!
Und doch gab es Leute, die durch das Auftreten Johannes des Täufers verunsichert waren. Dieser rief die Menschen mit eindringlichen Worten zu Umkehr und Buße auf, denn das Himmelreich sei nahe. Viele Menschen hörten auf ihn und bekehrten sich. Sollte nicht vielleicht doch Johannes selbst der verheißene Messias sein?
Weil Johannes aber wirklich ein Prophet Gottes war, deshalb maßte er sich auch nicht etwas an, was ihm nicht zustand. Keineswegs behauptete er von sich selber, dass er der erwartete Gesalbte des Herrn war. Nein, er sollte sein Vorläufer sein, sein Herold, sein Bote!
Und dann kam plötzlich Jesus an den Jordan und wollte sich von Johannes taufen lassen. „Das darf nicht geschehen“, meinte Johannes, denn er erkannte seinen Herrn. Wie sollte Jesus, der als das Lamm Gottes die Sünde der Welt hinwegnehmen würde, es nötig haben, die Taufe der Umkehr und der Buße durch Johannes zu empfangen? Und doch: Jesus beharrte darauf, damit sich die Gerechtigkeit Gottes – also sein Heilswille – ganz erfülle.
Und dann ereignete sich etwas, was niemand vorhergesehen hatte: Der Himmel öffnete sich über Jesus, der Heilige Geist kam in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und die Stimme des himmlischen Vaters offenbarte ihn als seinen geliebten Sohn. Durch diese Gotteserscheinung wird dem Täufer Johannes voll und ganz bewusst, wer Jesus wirklich ist. Vor ihm steht der Gesalbte des Herrn, der Messias! Er ist der vom Heiligen Geist Erfüllte, denn er besitzt diesen Heiligen Geist kraft seiner Einheit mit dem himmlischen Vater, und er wird der Spender des Geistes sein für alle Menschen, die umkehren und an den Sohn Gottes glauben. Die christliche Taufe ist dann eine Taufe im Heiligen Geist, und alle, die sie empfangen, werden gleichsam neu geboren aus Gott; sie werden zu Söhnen und Töchtern Gottes. Denn Jesus Christus, der Sohn Gottes, nimmt uns auf in seine eigene Sohnschaft, in sein eigenes Kind-Verhältnis zum himmlischen Vater. So wagen auch wir zu beten, wie es Jesus dann später seine Jünger lehrt: „Vater unser …“
Am Fest der Taufe Jesu sind wir eingeladen, dankbar die eigene Taufe zu würdigen. Sie ist das erste und grundlegende Sakrament, also ein Zeichen des Heiles, das Jesus Christus selbst eingesetzt hat und das uns mit Gott verbindet. In der Taufe wurden wir von der Erbschuld befreit und mit heiligmachender Gnade erfüllt. Wir sollen aus dieser Gnade auch leben, damit das uns geschenkte göttliche Leben Frucht bringt für Zeit und Ewigkeit.
Wer getauft ist, gehört zu Jesus Christus und ist seinem geheimnisvollen Leib eingegliedert, welcher die Kirche ist. Als Glaubende sind wir aufeinander angewiesen. Maria, die Mutter Christi, ist auch unsere Mutter; sie wird als Mutter der Kirche verehrt. Jene Gnaden, die wir von Gott erbitten, werden uns durch ihre mütterliche Fürbitte zuteil. In besonderer Weise möge der Heilige Geist, welcher auf Jesus herabgekommen ist, auch unsere Herzen erleuchten und mit der Liebe zu Gott und den Menschen erfüllen.
So gehören wir durch die heilige Taufe bereits einer neuen Wirklichkeit an; das Reich Gottes ist bereits in unserem Herzen anwesend, und es soll sich einst vollenden in der Herrlichkeit des Himmels. Das Fest der Taufe Jesu im Jordan lässt uns staunen über die Herablassung Gottes und schenkt uns ein großes Vertrauen in die göttliche Vorsehung und Gnadenführung. Auch in unserem Herzen wohnt der dreifaltige Gott, denn durch die heilige Taufe sind wir mit ihm in inniger Weise verbunden. Amen.
