Predigt: 16. Sonntag im Jahreskreis B 2018 (Dr. Josef Spindelböck)
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Predigt:

Sich von Gott auch im Urlaub finden lassen

16. Sonntag im Jahreskreis B (22.07.2018)

L1: Jer 23,1-6; L2: Eph 2,13-18; Ev: Mk 6,30-34


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Für viele Menschen bieten die Sommermonate eine gute Gelegenheit zur Erholung. Je nachdem, wie das Wetter ist und welche Interessen die Erholungssuchenden in ihrem Urlaub verfolgen, können sie diese Tage und Wochen gestalten. Viele Familien wissen diese gemeinsame Zeit zu schätzen, sei es, dass von zu Hause aus gemeinsam etwas unternommen wird oder dass die Familie eine Urlaubsreise unternimmt, soweit dies leistbar und möglich ist.

„Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus!“ (Mk 6,31). Mit diesen Worten lädt Jesus die zwölf Apostel ein, nach den anstrengenden Tagen etwas innezuhalten und neue Kraft zu sammeln. Ja, wir alle brauchen dies, damit wir unsere innere Spannkraft nicht verlieren und uns nachher mit neuer Freude und Hingabe den Aufgaben des Alltags widmen können!

Urlaub ist eine Chance, neu zu sich selbst zu finden. Urlaub ist eine großartige Möglichkeit, den Mitmenschen zu begegnen – in besonderer Weise in der Familie und im Freundeskreis, aber auch bei Reisen in fremde Länder und im Kennenlernen anderer Kulturen. Der Urlaub kann und soll aber auch eine Gnadenzeit für uns werden, indem wir uns neu auf die Suche nach Gott machen! Besser gesagt: wir lassen uns erneut von ihm finden, denn er ist immer auf der Suche nach uns, wie ein guter Hirte sich um die Herde seiner Weide kümmert.

Diese Menschenfreundlichkeit Gottes hat uns Jesus aufgezeigt und verkündet. Alle, die ihn sahen und hörten, konnten erkennen: Hier ist einer, der für all jene da ist, die nach dem Wort Gottes hungern und dürsten. Jesus Christus ließ sich beanspruchen von der Not der Menschen, und er setzte seine Kräfte ein bis zum Äußersten. Denn kurz nachdem er seinen Aposteln etwas Ruhe verschafft hatte, spürten ihn die Menschen schon wieder auf. Sie waren, wie es im Evangelium heißt „wie Schaffe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange.“ (Mk 6,34).

In allem ging es Jesus um die Verkündigung des Reiches Gottes. Dieses ist uns nahe gekommen in seiner Person, und wer sich als Glaubender zu ihm bekennt und danach handelt, wird selig sein! Freude und Hoffnung kehren ein in die Herzen, denn Gott schenkt uns die Vergebung der Sünden durch das kostbare Blut seines Sohnes Jesus Christus, der sein Leben hingibt am Kreuz. In der Gemeinschaft mit ihm haben auch wir Anteil am göttlichen Leben. Wir tragen einen Schatz im Herzen, der uns nicht mehr genommen werden kann, wenn wir darauf achten, mit Gott in Verbindung zu bleiben. Denn seine Gnade erfüllt und begleitet uns!

Wie können wir im Urlaub und dann auch im Alltag mit Gott auf lebendige Weise verbunden sein? Wir sollten uns bewusst sein, dass Gott viel größer ist als alles, was lebt und existiert, und dass er sich doch zugleich dem Kleinsten und Geringsten zuwendet. Er ist überall gegenwärtig, und er möchte auch in unserem Herzen wohnen. Ursprünglich und zuallererst hat der dreieinige Gott bei uns in der heiligen Taufe Wohnung genommen. Wenn wir diesen himmlischen Gast nicht vertreiben, bleibt er bei uns. Sollte es geschehen, dass ein Mensch für längere Zeit nichts mehr mit Gott zu tun haben will, dann ist dennoch eine neue Hinwendung zu Gott möglich. Gottes Gnade lädt uns ein zur Umkehr! Dann kann auch die Gottesbeziehung erneuert werden.

Pflegen wir die Zeiten der Stille und der Besinnung; entschließen wir uns zum regelmäßigen, ja täglichen Gebet! Gerade in der christlichen Familie sollte kein Tag vorübergehen, wo die einzelnen Familienmitglieder nicht beten: sei es allein, aber auch in Gemeinschaft. Denn wo zwei oder drei im Namen des Herrn versammelt sind, da ist er mitten unter ihnen (vgl. Mt 18,20)! Auf diese Weise zeigt sich die christliche Familie als „Hauskirche“, als lebendige Zelle des Glaubens, die ausstrahlt innerhalb der Pfarrgemeinde und von wo aus eine echte Erneuerung der Gesellschaft und des Staates im christlichen Geist stattfinden kann.

Vielleicht kann uns auch die Lesung und Betrachtung des Wortes Gottes in der Heiligen Schrift helfen, sodass wir Orientierungspunkte für unser Leben bekommen. Wenn wir wie die Jungfrau Maria das Wort Gottes aufmerksam hören, es im Herzen erwägen und dann im Leben Frucht bringen lassen, kann Gutes heranwachsen. Auf diese Weise gewinnt das Reich Gottes Gestalt!

Danken wir Gott dem Herrn für die Möglichkeit der Erholung. Öffnen wir unser Herz füreinander und für Gottes Liebe, dann wird uns einst im Himmelreich all das in Fülle zuteil, was uns von Gott verheißen ist und wir zutiefst ersehnen. Amen.