Aufruf der Erzbischöfe und Bischöfe Österreichs
zum Sonntag der Weltkirche (Weltmissionssonntag)
am 24. Oktober 1999


Liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Heute feiern wir den Sonntag der Weltkirche, den Tag des geschwisterlichen Teilens, der die Christen auf der ganzen Welt verbindet. Der Sendungsauftrag Christi und das Missionsanliegen der Kirche werden uns wieder deutlicher bewusst. "Die Kirche ist ja in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit" (Kirchenkonstitution des II. Vatikanischen Konzils, Art. 1). Christus ist seiner Kirche nahe und schenkt ihr beständiges Wachstum. Durch sie erfüllt er seine Sendung zu allen Völkern und Nationen.

Als Hirten dieser weltweiten Kirche machen wir ihre Anliegen auch zu den unseren. Mit dem Papst verbindet uns die Freude über die Lebendigkeit der Weltkirche, andererseits aber auch die Sorge um sie. Diese Freude und Sorge möchten wir mit Ihnen, liebe Schwestern und Brüder, teilen und Sie um Ihre Hilfe in konkreten Nöten bitten.

Im Apostolischen Schreiben über die Berufung und Sendung der Laien in Kirche und Welt (1988, Nr. 35) nimmt der Papst auf den fortschreitenden Prozess der Globalisierung in der heutigen Welt Bezug und folgert daraus: "Deshalb müssen sich die kirchlichen Gemeinschaften untereinander verbinden, Energien und Mittel austauschen und sich in der einen und gemeinsamen Sendung engagieren: das Evangelium zu verkünden und zu leben". Nur so können sich die sogenannten jungen Kirchen und die alten gegenseitig unterstützen. Die einen dürfen aus den geistlichen Reichtümern der anderen schöpfen und neue Begeisterung für das Zeugnis des Evangeliums holen.

Heute, am Sonntag der Weltkirche, wird unsere Aufmerksamkeit vor allem auf Mexiko gelenkt, das der Heilige Vater am Beginn dieses Jahres besucht hat. Beeindruckt von der Not, in der die Menschen dieses Landes leben, sprach der Papst von einem "zum Himmel schreienden Übel". Er wandte sich gegen die Auswirkungen eines ungerechten Wirtschaftsystems, in dem die Stärksten über die Schwächsten dominieren. Er forderte ein Ende von Gewalt, Terrorismus und Ausbeutung der Schwachen. Ebenso verurteilte er das Wettrüsten, den Raubbau an der Natur und jegliche Form von Rassismus. Der Papst ermutigte dann die Kirche von Mexiko, sich vor allem für die Immigranten, die Straßenkinder und die Indios einzusetzen, weil diese Gruppen immer mehr an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.

Wir fühlen uns durch die klaren Worte des Heiligen Vaters ermutigt, geistliches Leben und christliches Handeln als Einheit zu sehen. Als Glieder des pilgernden Volkes Gottes dürfen wir nicht um uns selber kreisen, wir müssen uns vielmehr auf den Geist Jesu einlassen, der uns Hoffnung und Zukunft gibt. Wir sollen uns nicht mit dem globalen Ist-Stand abfinden, der die reiche Minderheit privilegiert, während - vor allem in den Ländern des Südens - die Mehrheit der Menschen verarmt. Statt dessen sind wir als missionarische Christen aufgerufen, an einer neuen und gerechteren Welt aktiv mitzubauen. Tragen wir dazu bei, dass an möglichst vielen Orten das Evangelium verkündet wird! Es besitzt die Kraft, die Erde zu verwandeln. Es ist das Feuer, das Saulus vor Damaskus vom Pferd warf und Augustinus aus seiner weltlichen Karriere hob. Es ist die Liebe, die Franziskus zu den Aussätzigen gehen ließ und Bischof Oskar Romero zum Märtyrer der Armen machte. Es verkündet auch heute noch, daß die Menschen ein Recht auf Leben, Freiheit, Würde, Gerechtigkeit und Frieden haben.

Einige von uns Bischöfen haben durch Besuche selbst erlebt, wie die Kirche in den Ländern des Südens ganz entschieden für die Armen Partei ergreift. Wir wissen, dass die Christen dieser Länder mit Geldmitteln sehr sorgfältig umgehen. Es wird genau überlegt, wie die finanziellen Hilfen gut eingesetzt werden. Die Sammlung am Sonntag der Weltkirche unterstützt Diözesen in Afrika, Asien und Lateinamerika. Durch diese Sammlung kann vielen Priestern, Ordensleuten, Katechistinnen und Katecheten geholfen werden. Ihre Spende ermöglicht die Besoldung von Seelsorgern, Religionslehrerinnen und -lehrern, Pastoralassistenten und Mitarbeitern in sozialen und karitativen Berufen, sowie den Aufbau notwendiger Strukturen und baulicher Einrichtungen.

Die Feier des Sonntags der Weltkirche und die Verwaltung dieser Mittel sind Missio, den Päpstlichen Missionswerken, anvertraut. In über 100 Ländern hat dieses wichtigste Missionshilfswerk seinen Sitz und bildet so ein weltweites Netz christlicher Solidarität zwischen den Teilkirchen. Auf diese Weise wird garantiert, dass Hilfe ankommt und keine Ortskirche vergessen wird.

Dankbar für Ihre Großherzigkeit und Freigiebigkeit, die Sie immer neu bewiesen haben, bitten wir den Gott und Vater aller Menschen, dass er Sie segnen und behüten möge.

Die Erzbischöfe und Bischöfe Österreichs


SANKT JOSEF - www.stjosef.at