Schmerzen und Freuden
des heiligen Josef
Jesús Martínez
García
(aus
dem Spanischen ins Deutsche übersetzt und für stjosef.at bereitgestellt von Thomas
Mertz)
Erster Sonntag
*
Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen
waren, zeigte sich, daß sie ein Kind erwartete - durch das Wirken des Heiligen
Geistes. (Mt 1,18-20)
*
Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum
und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir
zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird
einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben. (Mt 1,20-21)
Josef hielt sich für wahrhaft glücklich,
Maria begegnet zu sein, einer Frau, die dachte wie er und Gott für das
Wertvollste im Leben erachtete. Er erkennt den Plan der göttlichen Vorsehung
und ist dafür dankbar.
Sehnsüchtig, Gott zu danken und die Gattin
zu lieben, bemerkt er jedoch zu seiner Überraschung, daß Maria ein Kind
erwartet. Was mag dies bedeuten? Maria war eine ganz besondere Frau - und nun
ahnt er, es müsse etwas Außergewöhnliches geschehen sein; eines dieser
zahlreichen göttlichen Geheimnisse, von denen die Bibel spricht.
Josef meint, er habe von der Szenerie zu
verschwinden und zuzulassen, was Gott zu tun wünscht. Doch er leidet, leidet
sehr, denn dies bedeutet, das aufzugeben, was er in der Welt am meisten liebt.
Gelegentlich versteht man nicht, was
passiert. Was ist dann zu tun? Den Blick auf Gott richten und abwarten.
Betrachtet man die Geschehnisse in der
Gegenwart Gottes, dann kann man die Sichtweise Gottes kennenlernen. Josef wird
zu verstehen gegeben, daß Maria jungfräulich empfangen hat und er sie nicht verlassen
soll. Er soll ihr Gemahl sein, damit der Heiland im Schoß einer Familie, deren
Haupt er sein würde, geboren werden kann: er soll ihm den Namen Jesus geben.
Welch gewaltige Freude, die eigene Sendung
zu erkennen: für den verheißenen Messias Sorge zu tragen. Man bittet ihn – und
um nichts weniger! – , sich nicht von Jesus und Maria zu trennen. Sein Kummer
ist überbordender Freude gewichen, und er eilt zu seiner Gattin, um ihr mitzuteilen,
was er gerade entdeckt hat: die eigene Berufung.
Zuvor hielt Josef sich für unglücklich,
aber das Verständnis der göttlichen Pläne schenkt ihm eine gewaltige Freude.
Josef blickt mit immenser Liebe auf Maria und dankt Gott, daß Er ihn auserwählt
hat, um solche göttlichen Geschehnisse betrachten zu dürfen - und an ihnen
teilzuhaben.
Reflektion
·
Verstehe ich, daß Gott Pläne mit mir hat und daß ich sie
kennenlernen sollte?
·
Begreife ich, daß Gott jeden Menschen zur Heiligkeit beruft und
daß das ganze Leben Antwort ist und mein ganzes Leben eine bejahende Antwort an
Gott sein soll?
·
Begreife ich, daß die Berufung niemals Überdruß bereiten kann,
weil sie unseren Schritten auf Erden übernatürlichen und ewigen Sinn verleiht?
·
Weiß ich, daß alle Heiligen Dunkelheit, Prüfung und Verzicht auf
persönliche Pläne durchlaufen mußten, aber daß ihnen Gott - gerade wegen ihres
totalen Sich-Überlassens - Licht, Freude und Frieden, wie die Welt sie nicht
geben kann, schenkte?
·
Gibt es etwas Größeres auf der Welt als Gott zu dienen? Bete ich
für Priesterberufungen? Was erbittet Gott von mir jetzt?
Vorsatz
In diesen Tagen für Berufungen zu beten,
besonders für die eigene.
Gebet
Heiliger Josef, Patron der Berufungen in
der Kirche, hilf mir zu entdecken, was Gott von mir erwartet, hilf mir alle
Tage meines Lebens treu zu sein bis in den Tod, besonders bei den kleinen Anrufungen,
die Gott mir im Lauf eines jeden Tages schenkt, und hilf mir, die Wichtigkeit
zu begreifen, großzügig den Plänen Gottes zu entsprechen. Amen.
Jesus, Josef und Maria,
ich schenke euch mein Herz und meine
Seele.
Jesus, Josef und Maria,
steht mir bei in meinem letzten
Todeskampf.
Jesus, Josef und Maria,
bei euch ruhe meine Seele in Frieden.
Zweiter Sonntag
*
Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. (Joh 1,11)
*
So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe
lag. (Lk 2,16)
Josef bricht auf, um sich mit seiner Frau
in Bethlehem einzuschreiben, denn beide stammen aus dem Hause Davids. Nach einigen
Tagen gelangen sie ans Ziel ihrer Reise. Als
sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft. (Lk 2,6) Die
Häuser sind voll, die Herbergen auch, es ist nichts freigeblieben, kein Eckchen,
wo das Kind geboren werden konnte.
Der Schmerz, dem Messias nicht das Beste
geben zu können, trübt Josefs Antlitz. Maria reißt ihn aus seinen Gedanken
heraus. Vom Maultier herab sagt ihr Blick: „Mach dir keine Sorgen; wir kommen
schon zurecht.“ Und außerhalb des Dorfes finden sie eine Grotte.
Manchmal läßt Gott unser Leiden und unsere
Not zu, weil sie ein geeignetes Klima sind, damit Er in unserem Herzen niederkommen
kann. Wenn ich also in meinem Leben Armut und Einsamkeit spüre, sollte ich
sagen: „Herr, ja, ich möchte dich empfangen, rechne mit mir.“
Wenn ein Kind geboren wird, vergißt man
die vorausgegangenen Leiden, denn von nun an liegt dieses menschliche Leben,
ein Geschenk des Himmels, lächelnd vor einem. Josef hatte zudem den Sohn Gottes
vor sich. Er erfuhr die Freude, Gott nahe zu haben, ganz nahe.
Es kommen einige Hirten, die auf Hinweis
eines Engels den Heiland sehen wollen. Man organisiert ein kleines Fest mit
Tamburinen y Trommeln, denn auch sie haben das Christkind gefunden. Der Gesang
tausender Engelchöre umhüllt die Stimmen der Hirten, sie zeigen an, daß das
Fest im Himmel und auf der Erde gefeiert wird.
Maria
aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber
nach.
(Lk 2,19) Josef wägt es ebenfalls und lehrt uns, daß Beten darin besteht,
Gott zu betrachten und unser Leben im Licht des Lebens Jesu zu sehen. Dann
entzündet sich das Herz und bricht in einen Freudengesang aus.
Reflektion
·
Weiß ich, daß Gott das Übel in der Welt – Ungerechtigkeiten,
Verachtungen, Demütigungen – zuläßt, weil er die menschliche Freiheit
respektiert, daß wir aber aus allem übernatürliche Gewinn ziehen können?
·
Begreife ich das Böse – vor allem die Übel, die ich tue, wenn ich
sündige –, den Schaden, den ich anderen antue, wenn ich erfahre, was andere mir
antun?
·
Versuche ich Freude in das Leben derer zu bringen, die um mich
sind, oder verschließe ich mich in meine persönlichen Problemen? Denke ich
daran, daß sich die Pforte des Glücks immer nur nach außen öffnet – wenn ich
mich verschenke – und niemals nach innen?
·
Begreife ich, daß es manchmal schwerfällt, zu lächeln, das es aber
gerade das sein mag, was jemand von mir erwartet?
·
Merke ich, daß anderen von Gott zu sprechen genau das ist, was sie
am nötigsten brauchen?
Vorsatz
Jeden Tag einige Minuten beten, um in
meinem Herzen zu erwägen, wem ich heute helfen kann.
Gebet
Glückseliger Josef, Meister des Gebetes,
laß mich Gott nahe bei mir entdecken und die Freude, die ich Ihm mache, wenn
ich mich an ihn wende. Hilf mir bei Widerwärtigkeiten zu erkennen, daß Gott auf
mich wartet, um mein inneres Leben reicher zu machen, damit ich mich selbst
vergesse und mich den anderen hingebe. Amen.
Jesus, Josef und Maria,
ich schenke euch mein Herz und meine
Seele.
Jesus, Josef und Maria,
steht mir bei in meinem letzten
Todeskampf.
Jesus, Josef und Maria,
bei euch ruhe meine Seele in Frieden.
Dritter Sonntag
*
Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm
den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner
Mutter empfangen wurde. (Lk 2,21)
*
Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird
sein Volk von seinen Sünden erlösen. (Mt 1,21)
„Daß sie ihm doch nicht wehtun!“, denkt
Josef, „er ist doch mein Sohn.“ Aber das Gesetz muß erfüllt werden. Gott hat es
so festgesetzt, damit Jesus ein Teil des auserwählten Volkes sei. Und das Kind
weint.
Wären die Sünden nicht, würden wir
Menschen nicht leiden. Am Anfang, gerade erschaffen, waren die Menschen gut,
doch sie entfernten sich von Gott und fügten einander Schaden zu, sich selbst
und anderen. Jahrhunderte später schloß Gott einen Bund, damit die Menschen,
die nach seinen Geboten lebten, wieder gut wären. Und dieser Bund wurde mit
Blut besiegelt.
Die Welt weint, und warum weint sie?
Manchmal bedeutet das Erfüllen der Gebote des Herrn ein Opfer, doch immer ist
es ein größeres Leiden, sie nicht zu befolgen. Wann lernen wir endlich, daß das
Gesetz Gottes ein Weg der Freiheit, des Glücks, der Liebe ist!
Sein Name zeigt seine Sendung auf Erden
an: Jesus, der Heiland. Doch wird dieses Kind die Übel, die die Menschheit
peinigen, nicht ausmerzen, denn solange es Sünden gibt, dient Leiden der
Läuterung und Miterlösung.
Das Blut der Beschneidung erinnert an den
Preis für unseren Loskauf. Das Blut des Neuen Bundes – dargebracht am Kreuz –
tilgt die Sünden und schenkt uns übernatürliches Leben. Jetzt wissen wir, auch
wenn es uns zu verstehen kostet, daß hinter unserem aus Liebe erfüllten Opfer
die Heiligkeit harrt.
Man hat ihm den Namen Jesus gegeben, das bedeutet „Gott heilt“. Jesu ganzes Leben wird
ein heilbringender Weg, und besonders durch Kreuz und Auferstehung werden die
Schleusen der heilenden Wasser geöffnet. Was für eine Freude zu wissen, daß
unser ganzes Leben - vereint mit Christus in den Sakramenten und am Kreuz eines
jeden Tages – einen erlösenden Sinn erhält!
Reflektion
·
Erkenne ich in den Geboten gerade die richtige Ordnung, um Gott
und die anderen Menschen zu lieben; oder erscheinen sie mir im Gegenteil bloß
als Grenze meiner Launen?
·
Weiß ich, daß sich Liebe im Opfer erweist und im Opfer die Liebe
lauterer wird?
·
Kann ich in meinem Leben Armut, Keuschheit, Ordnung, Verständnis,
Gehorsam wahrnehmen? Habe ich bereits verstanden, daß Tugend, die nichts
kostet, ein Zeichen dafür wäre, daß man sie gar nicht lebt?
·
Verstehe ich, daß ebenfalls von mir, auch ohne das Vergießen
meines Blutes, ein Martyrium erbeten wird, das heißt: durch Hingeben dessen,
was mir ganz und gar nicht leichtfällt, also zu lieben?
·
Begreife ich, daß es zu betrachten wichtig ist, dass ich mit
meinem - heute aktualisierten – Opferleben ergänze, was am Leiden Christi noch
fehlt? Bin ich bereit mit Ihm mitzuerlösen?
Vorsatz
In diesen Tagen eine kleine Abtötung
anpacken, vielleicht die Pünktlichkeit dort leben, wo sie mir für gewöhnlich
etwas schwerfällt.
Gebet
Mein Herr und mein Gott, du gewährtest dem
glückseligen Josef durch die pünktliche Erfüllung seiner Pflichten an der
Erlösung teilzuhaben. Gib, daß ich verstehe, daß die Abtötung ein Mittel ist zu
lieben und Sünden wiedergutzumachen. Gib mir die Kraft, so zu leben, wie Du
wünschst, daß ich lebe. Amen.
Jesus, Josef und Maria,
ich schenke euch mein Herz und meine
Seele.
Jesus, Josef und Maria,
steht mir bei in meinem letzten
Todeskampf.
Jesus, Josef und Maria,
bei euch ruhe meine Seele in Frieden.
Vierter Sonntag
*
Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu
bestimmt, daß in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet
werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen
die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. (Lk 2,34-35)
*
Denn meine Augen haben das Heil geschaut, das du geschaffen hast, damit alle
Völker es sehen: ein Licht, das die Heiden erleuchtet. (Lk 2,30-31)
Simeon merkt gegenüber Maria und Josef an,
was die leiden müssen, die Jesus nahe sein wollen. Sie werden um der Gerechtigkeit
willen verfolgt, da sie im Einklang mit der Wahrheit zu leben trachten. Und der
Gottesmutter sagt er voraus, daß ein Schwert der Schmerzen ihre Seele
durchstoßen werde.
Josef leidet aufgrund der Herzenshärte so
vieler, die Jesus nicht aufnehmen wollen noch die Wahrheit, die er verkündete.
Denn diese Menschen suchen ihre
Wahrheit, ihr Glück in egoistischer Manier.
Und Josef leidet auch ob der vielen, die mißhandelt werden, weil sie den
göttlichen Willen erfüllen wollen.
Gott kann zwar Wunder wirken, aber er kann nicht das Herz desjenigen ändern,
der unaufrichtig ist und die Wahrheit nicht anerkennen will. Das ist es, was
Josef schmerzt, denn er weiß, daß Glück und Heil das Tor der Aufrichtigkeit
benutzen.
Gewiß wird Jesus für die ein Zeichen des
Widerspruchs sein, die die Wahrheit nicht lieben, doch vor allem wird Er für
Millionen von Frauen und Männern in der Geschichte Licht sein.
Die Leute drängen um die Heilige Familie
und den greisen Priester, und sie sehen das Licht: Die Morgenröte, daß sich die
Worte Simeons erfüllen. Der dankt Gott, daß er den Messias vor seinem
Hinscheiden hat sehen dürfen.
Josef ist glücklich bei Jesus. Nicht sein
Vater der natürlichen Ordnung nach, ist er es aber viel mehr noch der
geistlichen und affektiven Ordnung nach. Der geistlichen Ordnung nach ist Josef
auch unser Vater, und er freut sich am Licht – Christus – in unseren Seelen.
Wahrlich, es herrscht Freude im Himmel,
wenn wir Sünder bereuen, wenn wir aufrichtig die Wahrheit Gottes anerkennen und
in unserem Verhalten der Glauben an Leben gewinnt.
Reflektion
·
Ist der Herr in meiner Lebenspraxis das Erste in meinem Tag oder
ziehe ich andere Interessen vor, so als ob diese meinem Leben Sinn verliehen?
·
Gibt es in meinem Leben etwas, das ich nicht anerkennen will –
einen praktischen Irrtum, etwas, das mich demütigt – und mich im Herzen leiden
läßt?
·
Bitte ich Gott um Licht, damit ich, was ich tun soll, erkenne, und
bitte ich um die Kraft, zu tun, was Er mir nahelegt?
·
Bin ich bereit meine Gedanken dem Priester aufzudecken und dem,
was er mir zu sagen hat, zuzuhören, um die Wahrheit in meinem Leben zu
erkennen?
·
Wende ich mich in diesen Tagen an Josef, meinen Vater?
·
Kenne ich meine Verantwortung, für die anderen durch mein Beispiel
und mein Wort Licht zu sein?
Vorsatz
Jeden Abend in der Gegenwart Gottes das
Gewissen aufrichtig erforschen und in diesen Tagen die geistliche Leitung
aufsuchen.
Gebet
Jesus, Licht der Völker, Vorbild und Maß
dessen, was der Mensch sein soll, Meister der einzigen Wahrheit, die das Heil
bringt. Mache mich demütig, so wie es der heilige Josef war, damit ich die
Glaubenswahrheiten anzuerkennen verstehe und in meinem Christsein konsequent
bin. Amen.
Jesus, Josef und Maria,
ich schenke euch mein Herz und meine
Seele.
Jesus, Josef und Maria,
steht mir bei in meinem letzten
Todeskampf.
Jesus, Josef und Maria,
bei euch ruhe meine Seele in Frieden.
Fünfter Sonntag
*
Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein
Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh
nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes
wird das Kind suchen, um es zu töten. (Mt 2,13)
*
Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der
Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.
(Mt 2,15)
Es ist noch Nacht, als die Heilige Familie
Bethlehem verlassen und ins ferne Ägypten fliehen muß. Doch Josef ist gewohnt,
Gott zu gehorchen, und er handelt rasch. Er spürt nicht den Gründen nach, die
Gott haben könnte, um diese Reise zu veranlassen, denn Gott weiß immer mehr.
Gott gehorchend, irrt der Mensch nie. Er
irrt nur dann, wenn der Fürst der Lüge die Wirklichkeit verschleiern und Dinge,
die nicht Wahrheit sind, vermeintlich klar erscheinen lassen kann.
Gesegneter Gehorsam, der die Seele
entkompliziert und den Menschen ein besonderes Vertrauen auf Gott setzen läßt.
Das Opfer, das es bedeuten mag, den göttlichen Willen zu erfüllen, bringt augenblicklich
die Freude mit sich.
Ohne daß Josef das weiß, erfüllen sich die
heiligen Schriften. Er weiß nicht, wie lange er in Ägypten bleiben muß. Im
Augenblick lebt er dort, wo Gott will, wie Gott will, mit wem Gott will, solange
Gott will. Er sorgt sich darum, Arbeit zu finden und Freundschaften zu
schließen, und heiligt, was er in dieser Zeit zu tun hat. Denn hier erwartet
ihn Gott.
Wenn man den Willen Gottes liebt, ist man
überaus glücklich. Nur die Einbildungskraft – getrieben von der Eitelkeit – mag
suggerieren, daß wir an einem anderen Ort oder mit anderen Personen glücklicher
wären. Man muß aber nicht den nächsten Morgen abwarten oder eine Änderung der
Umstände, um Gott dienen zu können. Im Jetzt ist es, wann wir seine Pläne
verwirklichen sollen.
Dann werden sich Seine Worte erfüllen und
wir werden zugleich eine menschliche Geschichte schreiben, die zugleich
heilige, Heilsgeschichte ist inmitten unseres gewöhnlichen Lebens. Wer dies
entdeckt, den erfüllt Freude und Sicherheit.
Reflektion
·
Verstehe ich, daß mir Gott das große Geschenk der Freiheit gemacht
hat, um Ihn lieben zu können, und daß ich ihn gerade dadurch liebe, daß ich ihm
folge?
·
Bemerke ich die Feinfühligkeit Gottes gegenüber den Menschen, der
niemanden zwingt, sondern seine Pläne nahelegt?
·
Versuche ich, die Dinge ins Gebet zu nehmen, im Wissen darum, daß
die eigentliche Frage bisweilen nicht im Verstehen, sondern im Lieben liegt?
·
Habe ich schon bemerkt, daß die Heiligen mehr begriffen haben,
indem sie den Willen Gottes zu erfüllen trachteten, das heißt, weil sie mehr
liebten?
·
Merke ich, daß mein Leben – meine Arbeit, meine Erholung, mein
Lieben – so wichtig ist, daß Gott darauf zählt?
·
Dient mein Leben den Plänen Gottes oder bevorzuge ich den Plan,
den ich mir für mich ausgedacht habe?
Vorsatz
Dieser Tage ruhig das Vaterunser mit dem
Wunsch beten, den göttlichen Willen zu erfüllen.
Gebet
Glückseliger Josef, der du dein Leben auf
die göttlichen Pläne abgestimmt hast, hilf uns, Gott in unserem gewöhnlichen
Leben gehorsam zu sein und so die göttliche Transzendenz zu entdecken, die alles,
was wir tun, zu unserem Wohl und dem der anderen hat. Amen.
Jesus, Josef und Maria,
ich schenke euch mein Herz und meine
Seele.
Jesus, Josef und Maria,
steht mir bei in meinem letzten
Todeskampf.
Jesus, Josef und Maria,
bei euch ruhe meine Seele in Frieden.
Sechster Sonntag
*
Da stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel. Als
er aber hörte, daß in Judäa Archelaus an Stelle seines Vaters Herodes regierte,
fürchtete er sich, dorthin zu gehen. (Mt 2,21-22)
*
Und weil er im Traum einen Befehl erhalten hatte, zog er in das Gebiet von
Galiläa und ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder. Denn es sollte sich
erfüllen, was durch die Propheten gesagt worden ist: Er wird Nazoräer genannt
werden. (Mt 2,22-23)
Um nach Hause zurückzukehren, muß Josef
abermals die Pläne ändern; er nimmt den Umweg Richtung Norden, nach Galiläa.
Jesus – bereits einige Jahre alt – begleitet ihn und Maria; aber auch wenn er
den Weg zufrieden zurücklegt, ist er besorgt um die Lösung der Probleme des täglichen
Lebens, wegen der Gefahren auf dem Weg, die es zu meistern gilt. Bis zum Ende
der Reise ruht er nicht.
Das Leben ist in gewissem Sinn eine Reise
- unser Weg hin zum Haus unseres Vaters, unserer endgültigen Wohnstätte. Jeder
Tag bedeutet einen Schritt, der uns dem Himmel näher führen kann. Und wir
wandern nicht allein, wir werden begleitet von anderen, vor allem von unserer
Familie.
Das Leben wäre sehr bequem – sehr
egoistisch –, wenn wir uns nicht um die anderen kümmerten. Wie Josef, so bittet
Gott auch uns, daß wir die spirituelle und physische Gesundheit derer, die mit
uns leben, uns zu eigen machen.
In Nazareth richtete sich Josef von neuem
eine Werkstatt ein. Er arbeitet, und immer wieder, an der Hobelbank. Auch Maria
arbeitet. Und Jesus, noch ein Kind, spielt mit Spänen und Säge, lernt sich
zwischen Nägeln und Hölzern zu bewegen - für den Augenblick der Erlösung.
Josef ist froh, daß Gott ihn zum
Handwerker bestellt hat, zu Vater und Ehemann. Denn gerade in diesen Aufgaben
ist er Jesus und der Gottesmutter nahe. Zu arbeiten befriedigt menschlich
gesehen, die Arbeit ist Mittel zum Unterhalt, sie dient dazu, die Familie voranzubringen.
Vor allem aber ist sie das Instrument, das wir haben, um Gott und den anderen
zu dienen.
Nazareth ist für alle Zeit das Vorbild
eines Zuhause geworden, der Ort, wo Gott aus Liebe und mit übernatürlicher
Freude zu arbeiten lernte. Und der heilige Patriarch wurde hier zum Patron
derjenigen, die mit solch christlichen Gespür arbeiten. Welche Freude, in so
einer Familie zu leben und zu arbeiten wie er!
Reflektion
·
Bin ich mit meiner Arbeit zufrieden, weil sie mir gefällt, weil
ich daraus Nutzen ziehe oder könnte ich dem noch eine übernatürliche Motivation
hinzufügen?
·
Versuche ich mit der Gewissenhaftigkeit eines Vaters zu arbeiten,
der seine Familie voranzubringen hat?
·
Denke ich daran, daß Gott alles sieht, was ich tue und wie ich es
tue, daß Er die Absichten kennt, die ich habe? Kann ich Ihm alles aufopfern?
Tue ich dies auch in der Tat?
·
Widme ich meiner Familie genügend Zeit? Merke ich, daß die anderen
meine Zeit, daß sie mich brauchen?
·
Kann ich zuhören? Erinnere ich mich an das, was man mir im
familiären Zusammenleben gesagt hat, auch an das, was ich noch zu
berücksichtigen habe?
·
Bete ich für meine Familie? Beten wir in Familie?
Vorsatz
Zumindest zu Beginn einer Arbeit daran
denken, daß ich sie Gott durch den heiligen Josef aufopfern kann.
Gebet
Ruhmreicher Josef, erlange mir die Gnade,
dir nacheifernd zu arbeiten: mit Ordnung, Ausdauer, Intensität und in der
Gegenwart Gottes; bei der Arbeit stets alle Seelen vor Augen zu haben, der
Rechenschaft bewußt, die ich bei meinem Arbeiten über vergeudete Zeit und eitle
Selbstgefälligkeit, die der Ehre Gottes so zuwider sind, zu geben habe. Amen.
Jesus, Josef und Maria,
ich schenke euch mein Herz und meine
Seele.
Jesus, Josef und Maria,
steht mir bei in meinem letzten
Todeskampf.
Jesus, Josef und Maria,
bei euch ruhe meine Seele in Frieden.
Siebter Sonntag
*
Dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten. Als sie ihn nicht
fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort. (Lk 2,44-45)
*
Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern,
hörte ihnen zu und stellte Fragen. (Lk 2,46)
In jenen Tagen litten Josef und Maria
sehr. Wieviel Fürsorge, wieviel Aufmerksamkeiten, wieviel Freude... und jetzt
war ihr Kind fort. Und Gott hatte ihnen doch den Auftrag gegeben, auf Seinen
Sohn zu achten - und sie haben ihn verloren!
Josef und Maria fragten hier und dort.
Keiner wußte etwas. Drei Tage lang, die außerordentlich lang wurden. Andere
ließ dieser Vorfall indifferent, die Eltern nicht. Sie litten ungemein, weil
sie zu schätzen wußten, wer Jesus war: der Gott mit uns.
Wie schade, wenn uns unsere Sünden nicht
schmerzen, denn sie trennen uns ja von Gott! Wie schade, werteten wir unsere Verfehlungen
nicht als das, was sie sind, als das Schlimmste, was uns auf Erden zustoßen
kann! Hoffentlich besitzen wir jenes Gespür der Eltern, so daß uns das Herz
bricht – Schmerz aus Liebe –, wenn wir die Sünde in uns und anderen bemerken.
Wie soll man die Freude ausdrücken, die
Maria und Josef empfanden, als sie den Knaben wiederfanden? War es nicht eine ansteckende
Freude, die die Apostel und die heiligen Frauen bei der Begegnung mit dem
Auferstandenen empfanden? Herrscht nicht Freude im Himmel, wenn ein Sünder sich
bekehrt und Buße tut? Denn da ist keine Freude der vergleichbar, bei Jesus zu
sein.
Wo war der Knabe? Im Tempel. Jesus setzte
voraus, daß ihn seine Eltern dort suchen würden, wie er heute auch von uns erwartet,
daß wir zum Hause Gottes gehen, Ihm dort begegnen in seinem Wort, uns dort nähren
mit der Eucharistie und uns mit Ihm im Sakrament der Buße aus Liebe vereinigen.
Wenn wir traurig sind, dann weil wir uns
von Gott trennen. Wenn wir glücklich sein wollen, sehr glücklich, dann kennen
wir bereits den Weg: bei Jesus sein. Daß wir immer bei diesen Dreien sind: bei
Jesus, Maria und Josef.
Reflektion
·
Kann ich in Wahrheit sagen, daß ich zufrieden bin, oder gibt es
etwas, daß mir die Freude raubt? Weiß ich Müdigkeit zu unterscheiden von dem,
was mich von Gott trennt?
·
Betrachte ich das stete Leben in der Gnade als etwas wirklich
Vitales?
·
Werte ich die läßliche Sünde oder jedweden anderen Mangel an
Entsprechung als etwas, das mich von Gott trennt?
·
Verstehe ich die Keuschheit als eine notwendige Tugend, um Gott
sehen und lieben zu können und damit Gott mich besser anschauen und lieben
kann?
·
Greife ich in all meinen Nöten und Verwirrungen auf das Gebet
zurück oder schwanke ich verloren in meine Gedanken?
·
Bitte ich Gott um Beharrlichkeit in den guten Werken bis zum Ende
meines Lebens?
Vorsatz
Vor dem Fest des heiligen Josef das
Sakrament der Buße empfangen in dem Wissen darum, daß ich Gott damit eine
Freude mache.
Gebet
Gerechter und treuer Mann, keuschester Gemahl
der allerseligsten Jungfrau Maria, mache, daß wir zu leben lernen, wie Gott es
von uns erwartet. Lehre uns auf Ihn zu vertrauen, uns in unserer Arbeit zu
heiligen, froh und dienstbereit zu sein. Hilf uns in unserer Berufung treu zu
sein, voll Fruchtbarkeit für die Kirche, und schenke allen Familien dieser Erde
die Atmosphäre deiner Heiligen Familie. Amen.
Jesus, Josef und Maria,
ich schenke euch mein Herz und meine
Seele.
Jesus, Josef und Maria,
steht mir bei in meinem letzten
Todeskampf.
Jesus, Josef und Maria,
bei euch ruhe meine Seele in Frieden.
Die Sieben Sonntage
des heiligen Josef
-
Betrachtungen -
Zusammengestellt
von Ricardo Martinez Carazo
Erster Sonntag
Die menschliche Persönlichkeit des
heiligen Josef
Matthäus und Lukas berichten uns, daß der
heilige Josef aus einem hervorragenden Geschlecht stammte: dem königlichen Geschlecht
Davids und Salomons...
Wir wissen, daß er kein reicher Mann war;
er war ein Arbeiter wie Millionen Menschen auf der ganzen Welt; er hatte den bescheidenen
und anstrengenden Beruf, den auch Gott sich wählte, als Er unser Fleisch annahm
und dreißig Jahre wie einer von uns leben wollte.
Die Heilige Schrift nennt Josef einen
Handwerker... In den Berichten des Evangeliums läßt sich die starke
Persönlichkeit Josefs erkennen. Er erscheint nie verzagt oder ängstlich; im
Gegenteil, er weiß, Probleme anzupacken, schwierige Situationen zu meistern und
Aufgaben, die ihm anvertraut werden, mit Verantwortung und Initiative zu übernehmen.
Den heiligen Josef, wie es üblich ist, als
greisen Mann darzustellen - mag man damit auch in bester Absicht die
immerwährende Jungfräulichkeit Mariens hervorheben wollen -, finde ich
unglücklich. Ich stelle ihn mir so vor: jung und stark, vielleicht etwas älter
als Unsere Liebe Frau, aber doch im besten Mannesalter und voller Lebenskraft.
Um die Tugend der Keuschheit zu leben,
braucht man nicht zu warten, bis man alt geworden ist oder die Kräfte
geschwunden sind. Die Reinheit wächst aus der Liebe, und für eine reine Liebe
sind die Kraft und die Freude der Jugend kein Hindernis. Jung war Josef an Herz
und Leib, als er Maria zur Frau nahm, als er vom Geheimnis ihrer Gottesmutterschaft
erfuhr, als er an ihrer Seite lebte und ihre Unversehrtheit achtete, die Gott
der Welt als ein weiteres Zeichen seines Kommens geben wollte. Wer eine solche
Liebe nicht zu begreifen vermag, weiß sehr wenig von wahrer Liebe und gar
nichts vom christlichen Sinn der Keuschheit.
Ein Handwerker aus Galiläa, ein Mensch wie
viele andere: das also war Josef, wie wir sagten. Was kann schon ein Mensch aus
einem so winzigen Dorf wie Nazareth vom Leben erwarten? Arbeit und immer wieder
Arbeit, Tag für Tag, immer die gleiche Mühsal; eine Behausung, ärmlich und
klein, wo man nach der Mühe des Tages neue Kräfte sammelt für den nächsten Tag...
Josef war wirklich ein gewöhnlicher
Mensch, auf den Gott vertraut hat, um Großes zu wirken. Er verstand es, sich in
jeder Situation seines Lebens so zu verhalten, wie Gott es erwartete. (Seliger
Josefmaria, Christus Begegnen, Nr. 40)
Zweiter Sonntag
Der heiliger Josef, Mariens Gemahl
Jesus wurde in den Schoß einer echten
Familie hineingeboren. Josef war nicht bloß Mariens Beschützer, sondern ihr
echter Gatte.
„Bei den Juden vollzog sich die Ehe in
zwei Etappen: Verlobung und Hochzeit. Bei der ersten feierte man bereits den
gesetzlichen Eheschluß (die richtige Ehe), wenn auch der Gatte erst nach einer
gewissen Zeit die Braut in sein Haus führte. Vor dem Zusammenleben mit Maria
war Josef daher bereits ihr „Gatte“; doch hütete Maria in ihrer Herzmitte den
Wunsch, sich Gott ausschließlich hinzugeben.
Es lohnt sich also zu fragen, wie sich
dieser Wunsch mit ihrer Ehe verträgt. Eine Antwort erhält sie allein aus der
Dynamik der Heilsgeschehnisse, das heißt, durch einen besonderen Eingriff
Gottes.
Ihre Mutterschaft durch das Wirken des
Heiligen Geistes bedeutet die Form der Hingabe, die Gott selber von der
Jungfrau, „der Josef versprochenen Braut“, erwartete. Und dazu spricht Maria
ihr fiat.“
Ambrosius zeichnet sein Bild von der
Gottesmutter folgendermaßen: „Sie war Jungfrau nicht bloß im Leib, sondern
ebenfalls in ihrer Seele; völlig befreit von jedweder Täuschung, die die
Lauterkeit ihres Geistes trüben konnte, war sie von Herzen demütig, in ihrer
Sprache ernst, in ihrem Denken klug, in Worten sparsam... Sie setzte die
Hoffnung nicht auf unsichere Reichtümer, sondern auf das Gebet des Armen. Sie
war arbeitsam, gewohnt, Gott aufzusuchen ... als Richter ihres Gewissens.
Niemanden verletzte sie, sie wünschte allen Gutes..., sie floh jeder
Zurschaustellung, folgte ihrem Verstand, liebte die Tugend... So vollkommen war
Maria, das ihr Leben allein schon Norm für uns ist.“ (De virginibus, II, 2, 6-7)
Und wer war Josef ? Das
Matthäus-Evangelium berichtet von ihm jenen Umstand, der das Zentrum seines
Lebens und seiner Berufung markiert: Josef ist der Mensch, dem auf besondere
und außergewöhnliche Weise „das große Geheimnis“ Gottes selbst anvertraut
wurde: das Geheimnis der Menschwerdung.
Sein Leben lang, und das war eine
Pilgerreise im Glauben, blieb Josef, gleich wie Maria, dem Ruf Gottes treu bis
ans Ende.
„Die Natur der Ehe analysierend, verlegen
ebenso Augustinus wie Thomas von Aquin stets ihr Wesen in die „untrennbare
geistliche Einheit“, die „Einheit der Herzen“ und die „Zustimmung“, die
Elemente, die gerade in jener Ehe auf beispielhafte Weise deutlich wurden. Der
krönende Augenblick der Heilsgeschichte, da Gott seine Liebe zur Menschheit
mittels des Geschenkes des Wortes enthüllt, ist genau die Ehe von Maria und
Josef.
An der Schwelle des Neuen Testaments, wie
bereits im Alten, gibt es ein Paar. Doch während Adam und Eva der Quellgrund
des Übels, das die Welt überschwemmt hat, wurden, bezeichnet das Paar
Josef-Maria den Scheitelpunkt, seither sich über die ganze Erde Heiligkeit
ergießt.“ (Vgl. Johannes Paul II., Redemptoris Custos, Nr. 17, 25, 18, 2, 7)
Dritter Sonntag
Die Vaterschaft des heiligen Josef (I)
Die Evangelien bezeichnen den
heiligen Josef wiederholt als Vater.
Zweifellos war dies der Name, den Jesus für gewöhnlich in der Intimität des
Zuhause von Nazareth wählte, um sich an den heiligen Patriarchen zu wenden.
Jesus wurde von denen, die ihn kannten, als Josefs
Sohn angesehen. Und in der Tat übte
Josef die Aufgabe des Vaters innerhalb der Heiligen Familie aus: bei der Namensgebung
Jesu, der Flucht nach Ägypten, der Wahl des Aufenthaltsortes nach der
Rückkehr... Und Jesus gehorchte Josef wie einem Vater: Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam..
Jesus war auf wundersame Weise
empfangen worden durch das Werk des Heiligen Geistes und Er war für Maria und
Josef jungfräulich geboren worden aufgrund eines göttlichen
Willensentschlusses. Gottvater wollte, daß Jesus in eine Familie hineingeboren
werden sollte, einem Vater und einer Mutter untertan wäre und von ihnen
versorgt würde. Ebenso wie er Maria auswählte, damit sie seine Mutter sei,
wählte er auch Josef aus, damit er sein Vater würde, jedem den Aufgabenbereich
zuweisend, der ihnen zukam.
Und Josef hegte für Jesus wahre
väterliche Gefühle; die Gnade entzündete in diesem wohl bereiten Herzen eine
glühende Liebe zum Sohn Gottes - und zu seiner Gattin -, größer, als habe es
sich um einen Sohn der Natur nach gehandelt. Josef kümmerte sich um Jesus und
liebte ihn wie seinen Sohn und betete Ihn an wie seinen Gott. (Francisco F. Carvajal, Hablar con Dios, Bd. 6, S. 182)
Freilich lehrt uns der Glaube, daß Josef
dem Fleische nach nicht der Vater Jesu war, aber es gibt nicht nur diese
Vaterschaft.
In einer Predigt des heiligen Augustinus
lesen wir: Josef steht die Anrede
“Vater" nicht nur zu, sondern er verdient sie mehr als irgendein anderer. Und
später heißt es: Wieso war er Vater? Er
war in einem um so tieferen Sinn Vater, als seine Vaterschaft keuscher war. Einige
glaubten, daß er auf gleiche Weise Vater unseres Herrn Jesus Christus geworden
sei, wie es andere Väter geworden sind, die ihre Kinder nicht nur als Frucht
ihrer geistigen Zuneigung sondern auch dem Fleisch nach hervorgebracht haben.
Deshalb sagt der heilige Lukas: Man glaubte, daß er der Vater Jesu sei. Warum
sagt er nur: Man glaubte? Weil einerseits Gedanken und Urteil der Menschen sich
auf das beziehen, was üblicherweise unter den Menschen geschieht, und andererseits
der Herr nicht aus den Lenden Josefs hervorgegangen ist. Zweifellos aber wurde
der Frömmigkeit und der tätigen Liebe Josefs aus der Jungfrau Maria ein Sohn
geboren, der Sohn Gottes war[1].
Josef liebte Jesus wie ein Vater seinen
Sohn liebt. Er gab Ihm sein Bestes. Er hat das Kind gepflegt, wie ihm
aufgetragen war, und aus Ihm einen Handwerker gemacht, er hat Ihm seinen Beruf
mitgegeben. (Seliger Josefmaria Escriva, Christus Begegnen, Nr. 55)
Die Vaterschaft des heiligen Josef (II)
Der heilige Josef schien sein
Leben lang Gott zuzurufen: „Du mein Vater“, und so erlangte er jene ganz
besondere Gnade: der Sohn Gottes hier auf Erden rief ihn Vater. Zu Gott ruft
Josef mit der ganzen Glut seines gläubigen Sinnes: „Mein Vater“. Und Jesus, der
ihm zur Seite mit den Werkzeugen eines Zimmermanns arbeitete, richtete sich an
ihn mit den Worten: „Vater“.
Ein tiefes Geheimnis: Christus,
der Gott, besaß die Erfahrung einer göttlichen Vaterschaft im Schoß der
Heiligsten Dreifaltigkeit, und Christus, der Mensch, lebte diese Erfahrung
durch die Person des heiligen Josef, seines Pflegevaters auf Erden. Josef seinerseits
verschaffte dem Kind, das im Haus von Nazareth an seiner Seite aufwuchs, die
Stütze seiner männlichen Ausgeglichenheit, seiner Klarsicht, seiner Stärke, seiner
charakteristischen Gaben eines überaus guten Vaters und schöpfte sie aus dieser
höchsten Quelle: aus der Vaterschaft, nach
dessen Namen jedes Geschlecht im Himmel und auf der Erde benannt wird. (Eph
3,15).
Die Vaterschaft ist eine große
Sendung, und nicht wenige Väter sind heutzutage versucht, sich ihrer zu entledigen,
sie wählen stattdessen die „gleichmachende“ Beziehung zu ihren Kindern, die
darin mündet, die Kinder der psychologischen und moralischen Hilfe zu berauben,
die sie benötigen, um die empfindsame Phase der Kindheit und frühen Jugend
glücklich zu durchlaufen. Daher wurde gesagt, daß wir heute die Krise einer
„vaterlosen Gesellschaft“ durchleben.
Immer klarer läßt sich die Not
wahrnehmen, auf Eltern zählen zu können, die ihre Rolle auszuüben wissen, indem
sie Zartgefühl mit Ernsthaftigkeit, Verständnis mit Stärke, Kameradschaft mit
Ausübung der Autorität in Einklang zu bringen verstehen, da Kinder nur so
harmonisch aufwachsen können, die eigenen Ängste beherrschen lernen und den Mut
erwerben, den Unbekannten des Lebens entgegenzutreten.
Woher jedoch könnt ihr die nötige
Energie gewinnen, um in den verschiedenen Umständen gerecht zu handeln, wie es
eure Kinder, auch ohne es zu wissen, von euch erwarten? Die Antwort schenkt
euch der heilige Josef: in Gott, der Quelle jeglicher Vaterschaft.“ (Johannes Paul II., Predigt, 19. März 1983)
In der lauteren Figur Josefs vermögen wir die Verbindung
einer tiefen Einheit zu betrachten, die zwischen der menschlichen und der
göttlichen Vaterschaft besteht: wie jene in dieser gründet und aus ihr ihre
wahre Würde und Größe bezieht.
Für den Menschen bedeutet das
Zeugen von Kindern vor allem, sie aus der Hand Gottes zu empfangen: es geht
darum, das Geschöpf, das sie zeugen, als Geschenk anzunehmen. Aus diesem Grund
gehören die Kinder eher Gott als den eigenen Eltern: und diese Wahrheit ist
sehr reich an Implikationen in jeder Hinsicht.
Um ein Kind auf die Welt zu
bringen, reichen einige Monate; um es jedoch aufwachsen zu lassen und zu
erziehen, genügt ein ganzes Leben nicht. Es gibt eine Welt natürlicher und
übernatürlicher Werte, die Eltern vermitteln sollen, damit ihr „das Leben
hingeben“ eine vollständig menschliche Dimension erreicht. Von dieser
Perspektive her erlangt die Figur des heiligen Josef eine außergewöhnliche
Beredsamkeit.“ (Johannes Paul II.,
Predigt, 19. März 1986)
Vierter Sonntag
Der heilige Josef, der erste christliche
Arbeiter (I)
Nur der Mensch vermag zu arbeiten:
die Tiere entfalten ihre brutalen Kräfte, die vom Menschen gelenkten Maschinen
produzieren gewisse Gegenstände; doch allein der Mensch ist fähig, mit Intelligenz
und Willen zu arbeiten - und daher aus Freiheit und Liebe. Eine solche,
wirklich menschliche Arbeit ist keine Strafe, nicht einmal ein notwendiges
Übel, sondern eine Gabe Gottes. Eine solche Arbeit versklavt nicht, sondern
macht frei und vervollkommnet den Menschen. Mehr noch: wenn man sie mit
natürlicher und übernatürlicher Vollkommenheit verwirklicht, erlangt sie sogar
göttlichen Wert.
Das war Josefs Arbeit und, weil er
der erste war, der mit Jesus und für Jesus arbeitete, verdient er der erste christliche Arbeiter genannt
zu werden.
„Die Arbeit ist eine Gabe Gottes ... die
Arbeit zeugt von der Würde des Menschen ... Sie ist ein Feld, auf dem wir
unsere Persönlichkeit entwickeln. Sie verbindet uns mit den anderen Menschen,
sie schafft die Mittel zum Unterhalt der eigenen Familie, sie läßt uns
mithelfen an der Verbesserung der gesellschaftlichen Bedingungen und am Fortschritt
der ganzen Menschheit.
Aber „diese Sicht der Arbeit wird für den
Christen noch weiter und tiefer, da für ihn die Arbeit Teilnahme am
Schöpfungswerk Gottes ist. ... Und außerdem: da Christus die Arbeit auf sich genommen
hat, erscheint sie uns als erlöste und erlösende Wirklichkeit, nicht nur als
der Lebensbereich des Menschen, sondern auch als Mittel und Weg der Heiligkeit,
als etwas, das geheiligt werden kann und selbst heiligt. (Seliger Josefmaria
Escriva, Christus Begegnen, Nr. 47)
„Der
heilige Josef, der dem Herrn nächststehende Mensch nach Maria, der
jungfräulichen Mutter Jesu, war ein Arbeiter:
kein Wissenschaftler, kein Gesetzeslehrer, keine politische Führergestalt, kein
Priester, sondern „Zimmermann“.
Dies ist kein Zufall, sondern
Wille Gottvaters. Dadurch wird ganz deutlich, wie sehr in den Augen Gottes die
menschliche Arbeit zählt, wie demütig sie auch immer sein mag, ebenso in den
Augen seines Sohnes Jesus Christus, der in einer Arbeiterfamilie geboren werden
wollte und der, wie Paulus lehrt, „reich
war, euretwegen arm wurde, um euch durch seine Armut reich zu machen.“ (2
Kor 8,9).“ (Johannes Paul II., Ansprache, 19. März 1990)
Der heilige Josef, der erste christliche
Arbeiter (II)
In welchem Sinn reich? In einem
Sinn, der das bloße materielle Faktum übersteigt und die spirituelle Dimension
des Menschen berührt, die, in der seine Personwürde gründet. Als Er zu seinem
„Pflegevater“ einen Zimmermann wählte und damit selbst zum Zimmermann wurde,
bereicherte Christus die menschliche Arbeit mit einer unvergleichlichen Würde.
Wer heute arbeitet, weiß, daß er etwas
Göttliches tut, das mit dem ursprünglichen Werk des Schöpfers in Beziehung
gesetzt werden kann.
Wir wissen ja, daß die manuelle
Arbeit in der heidnischen Welt geringgeschätzt wurde, bis zu dem Punkt, daß man
sie als ein dem freien Menschen unwürdiges Tun ansah. Das Christentum hat die
Werthaltung hier völlig umgekehrt. Seit der Sohn Gottes guthieß, sich zusammen
mit dem „Zimmermann“ Josef über die Werkbank zu beugen, hat physische Ermüdung
aufgehört, als etwas Unedles betrachtet werden zu können, vielmehr hat sie
begonnen, den Grund für einen legitimen Stolz zu bilden.
Wer jetzt bei der Erfüllung seiner
beruflichen Pflichten müde wird – einer jeden Pflicht, wenn sie denn ehrenhaft
ist – darf sich „reich“ an Würde fühlen, die der Herr jeder Arbeit und allen
Arbeitern verliehen hat.
Wir betrachten heute den heiligen
Josef, das Modell und den Prototyp dieser Würde, und erweisen in ihm jeder
Person, die für den eigenen Lebensunterhalt und für den der Familie arbeitet,
die Ehre.“ (Johannes Paul II., Predigt,
19. März 1990)
„Kehren wir zu jenem Haus in
Nazareth zurück, kehren wir zurück zu Jesus, dem Arbeiter, kehren wir zurück
zur Heiligen Familie. Der Mensch ist das Ziel der Arbeit, die Familie ist das
Ziel der Arbeit, der Frieden ist das Ziel der Arbeit. Man darf die menschliche
Arbeit nicht verbiegen noch entfremden; ich sage das, Geliebte, im Namen Jesu.“
(Johannes Paul II., Angelus,
18. März 1984)
„Wenn die Familie von Nazaret in
der Ordnung des Heils und der Heiligkeit das Beispiel und Vorbild für die
menschlichen Familien ist, so gilt das analog auch für die Arbeit Jesu an der
Seite des Zimmermanns Josef. In unserer Zeit hat die Kirche das auch mit dem
auf den ersten Mai festgesetzten liturgischen Gedächtnis Josefs des Handwerkers
unterstrichen. Die menschliche Arbeit und im besonderen die manuelle Arbeit finden
im Evangelium besonderen Nachdruck. Zusammen mit dem Menschsein des Gottessohnes
ist sie in das Geheimnis der Menschwerdung aufgenommen, so wie sie auch in
besonderer Weise erlöst wurde. Dank seiner Werkbank, an welcher er sein
Handwerk zusammen mit Jesus ausübte, brachte Josef die menschliche Arbeit in
die Nähe des Geheimnisses der Erlösung.“
(Johannes Paul II., Redemptoris Custos, Nr. 22)
Fünfter Sonntag
Die Schirmherrschaft des heiligen Josef
über die ganze Kirche
Die Schutzherrschaft des heiligen
Josef über die Kirche ist ein Fortklang der Herrschaft, die er über Jesus
Christus, das Haupt der Kirche, und über Maria, die Mutter der Kirche, ausübte.
Daher wurde er zum Schutzherrn der
universalen Kirche ernannt.
Das Haus von Nazareth, dem Josef
mit väterlicher Vollmacht vorstand, enthielt bereits die Maximen der im
Entstehen begriffenen Kirche. Daher ist es durchaus angemessen, daß Josef, so
„wie er zu anderer Zeit heiligmäßig die Familie von Nazareth in all ihren Nöten
beschirmte, jetzt auch mit himmlischer Schutzherrschaft die Kirche Christi
verteidigt und beschirmt.“ (Leo XIII., Gebet)
Auf diese Weise erstreckt sich die
Sendung des heiligen Josef in die Jahrhunderte und erreicht seine Vaterschaft
einen jeden von uns.
Ich wollte alle überzeugen, große
Verehrer dieses glorreichen Heiligen zu sein wegen meiner Erfahrung ob der
Güter, die er von Gott erlangt; ich habe keinen Menschen kennengelernt, der
Josef wahrhaft verehrt und ihm besondere Dienste erwiesen hat, bei denen ich
nicht erkennen könnte, daß sie beflissener an Tugend wurden, denn es gereicht
den Seelen in großem Maße zum Vorteil, daß sie sich Josef anempfehlen. Ich
meine, daß ich ihn seit einigen Jahren jedes Jahr an seinem Festtag um etwas
bitte, was ich es stets erfüllt sehe; war die Bitte etwas schräg, macht er sie
gerade zu meinem größeren Wohl.
Wäre ich jemand mit Autorität zu
schreiben, wohl gerne ließe ich mich darin aus, recht häufig zu wiederholen,
welche Gnaden dieser glorreiche Heilige mir und anderen Menschen erwiesen
hat... Nur bitte ich, aus Liebe zu Gott, man solle es prüfen, wer es nicht
glaubt, und er wird mit eigener Erfahrung das große Wohl erkennen, daß es
bedeutet, sich diesem glorreichen Patron anzuempfehlen und ihn zu verehren;
insbesondere Menschen des Gebetes waren Josef zu allen Zeiten sehr zugetan,
zudem ich nicht weiß, wie man der Königin der Engel gedenken kann zu der Zeit,
die sie mit dem Jesuskind verbrachte, ohne zugleich des heiligen Josef zu
gedenken für das Gute, womit er ihnen beistand.
Und mit Bezug auf die große Macht
der Fürsprache des heiligen Josef sagt die Heilige aus Avila, daß so wie es bei
anderen Heiligen scheint, Gott habe ihnen das Können verliehen, für eine bestimmte
Not Fürsprache zu leisten, so habe sie bei „diesem glorreichen Heiligen die
Erfahrung, er eile bei allem und jedem zu Hilfe, womit der Herr uns begreifen
lassen will, daß er, da Er ihm untertan war auf Erden – Josef trug den väterlichen
Namen Vater, war sein Beistand und konnte ihm befehlen –, Er folglich im Himmel
tut, worum jener Ihn bittet. (Teresa von
Avila, Leben, Nr. 6)
Sechster Sonntag
Der heilige Josef, Meister des inneren
Lebens
Der heilige Josef, unser Vater und Herr.
„Wie gewöhnlich bleibt er auch in dieser Szene der Epiphanie unbemerkt. Ich
stelle mir ihn gesammelt im betrachtenden Gebet vor, wie er liebevoll den
menschgewordenen Sohn Gottes beschützt, der seiner väterlichen Sorge anvertraut
wurde. Mit dem Feingefühl eines Menschen, der nicht für sich selbst lebt, gibt
sich der heilige Josef großzügig hin in einem gleichermaßen stillen wie
wirksamen Dienst.
Wir haben heute vom Leben des Gebetes und
vom apostolischen Eifer gesprochen. Wer wäre dafür ein besserer Meister als der
heilige Josef? Wenn ihr wollt, gebe ich euch einen Rat, den ich seit Jahren
beständig wiederhole: Ite ad Joseph[2],
wendet euch an Josef. Er wird euch konkrete Wege zeigen, zu Jesus zu kommen,
menschliche und göttliche Wege, euch Ihm zu nähern. So wie er werdet ihr es
dann auch bald wagen, das Gotteskind, das uns geboren wurde, in die Arme zu nehmen, zu küssen, zu kleiden
und zu pflegen[3].“
Im Menschlichen ist Josef der Lehrmeister
Jesu gewesen; er hat sich täglich voll Liebe um Ihn gekümmert, er sorgte für
Ihn mit freudiger Opferbereitschaft. Ist das nicht Grund genug, in diesem
gerechten Menschen, in diesem heiligen Patriarchen, der den Glauben des Alten
Bundes verkörpert, einen Lehrmeister des inneren Lebens zu sehen? Das innere
Leben ist nichts anderes als der stete, persönliche Umgang mit Christus, durch
den wir mit Ihm eins werden. Josef wird uns so vieles über Jesus sagen können.
Vernachlässigt also niemals seine Verehrung, ite ad Joseph, geht zu Josef, wie die christliche Überlieferung mit
einem Wort des Alten Testamentes sagt[4].
Ein Lehrmeister des inneren Lebens, ein
Arbeiter, der mit Verantwortung sein Werk tut, ein treuer Diener Gottes im
steten Umgang mit Jesus: das ist Josef. Ite
ad Joseph. Denn von ihm lernt der Christ, was es heißt, ganz für Gott und
ganz für die Menschen da zu sein, die Welt zu heiligen. Geht zu Josef und ihr
werdet Jesus finden. Geht zu Josef und ihr werdet Maria finden, die jene liebenswerte
Werkstatt in Nazareth mit Frieden erfüllte. (Seliger Josefmaria, Christus
Begegnen; Nr. 38, 55-56)
Siebter Sonntag
Der heilige Josef, Patron eines guten
Todes
Über den Heimgang des heiligen
Josef herrscht eine dieser großen Stillen seines Lebens: wir kennen den genauen
Augenblick, da er sich ereignete, nicht.
Das letzte Mal, das Josef zu
Lebzeiten in den Evangelien auftaucht, ist, als Jesus zwölf Jahre alt war. Zudem
scheint es sicher, daß er gestorben sein dürfte, bevor Jesus sein öffentliches
Wirken begann. Denn als Jesus nach Nazareth kam, um zu predigen, fragte sich
die Menge: Aber ist das nicht der Sohn Mariens? (Mk 6,3). Für gewöhnlich bezog
man sich bei der Rede von den Kindern nicht direkt auf die Mutter, sondern nur,
wenn das Familienoberhaupt bereits gestorben war. Als Maria nach Kanaa zur
Hochzeit eingeladen wurde, zu Beginn des öffentlichen Lebens Jesu, wird vom
heiligen Josef ebenfalls nicht gesprochen. Ebensowenig ist von ihm die Rede im
Lauf des öffentlichen Lebens Jesu, dem
Sohn des Zimmermanns, was jedenfalls darauf hinzudeuten scheint, daß noch
nicht viel Zeit seit Josefs Tod vergangen war, da man sich noch an ihn
erinnerte.
Josef steht auch nicht beim Kreuz,
als Jesus sein Leben aushauchte. Hätte er noch gelebt, hätte Jesus die Sorge um
seine Mutter nicht dem Apostel Johannes anvertraut.
So stimmen die Autoren in der
Annahme überein, daß Josefs Tod kurz vor dem öffentlichen Auftreten Jesu
gewesen ist.
Josef konnte keinen angenehmeren
Tod erfahren, als umgeben von Jesus und Maria, die ihn seelengut begleiteten.
Jesus stärkte seinen Vater mit Worten des ewigen Lebens. Maria erwies ihrem
Gatten die Fürsorge und Aufmerksamkeiten, die man einem Kranken angedeihen
läßt, den man herzlich liebt.
„Die kindliche Ergebenheit Jesu
umfing Josef in seinem Todeskampf. Jesus bemerkte zu ihm, daß die Trennung kurz
wäre und sie sich rasch wiedersehen würden. Er sprach ihm vom himmlischen
Gastmahl, zu dem sie vom ewigen Vater eingeladen wären, dessen irdische
Ermunterung lautete: Du guter und treuer Knecht, der Tag hat sich für dich
geneigt. Komm, tritt ein in das himmlische Haus, um deinen Lohn entgegenzunehmen.
Denn ich hatte Hunger und du gabst mir zu essen. Ich hatte keine Unterkunft und
du nahmst mich auf. Ich war nackt und du hast mich bekleidet.“ (M. Gasnier, Das
Schweigen Josefs, S. 179)
Es ist logisch, daß der heilige
Josef zum Patron eines guten Todes erklärt
wurde, denn niemand hat einen besseren und gelasseneren Tod erfahren dürfen als
er durch die Begleitung Jesu und Mariens. An ihn wenden wir uns, wenn wir
anderen in ihren letzten Augenblicken beistehen. Ihn bitten wir selbst um
Beistand, wenn wir unseren Abschied nehmen zum Vaterhaus. Er wird uns führen an
der Hand Jesu und Mariens. (Francisco F.
Carvajal, Hablar con Dios, Bd. 6, S. 201)
Hochfest des heiligen Josef
Die Verherrlichung des heiligen Josef
Nach Maria, der allerseligsten
Jungfrau, erfreut sich der heilige Josef der höchsten Glorie, wie es seiner
Heiligkeit auf Erden gebührt. Oder anders gesagt: „wenn Jesus im Leben Josef
mehr ehrte als alle anderen, indem Er ihn Vater
nannte, dann wohl erhöhte Er ihn auch nach seinem Tod über alle anderen
Menschen. Die Seele Josefs gelangte
zunächst in den Schoß Abrahams, wo
die Patriarchen und Gerechten der vorangegangenen Zeiten der bereits
angebrochenen Erlösung harrten.
Viele Autoren meinen, der Leib des
heiligen Josef befinde sich, vereint mit seiner Seele, glorreich im Himmel, und
er teile mit Jesus und mit Maria bereits die ewige Glückseligkeit. Sie
betrachten dabei, die vollständige Verherrlichung Josefs habe nach der
Auferstehung Jesu stattgefunden. Eine der Grundlagen, auf denen diese
Lehranschauung ruht, ist seit dem 16. Jahrhundert einhellig die Anmerkung,
die Matthäus zum Geschehen beim Tod Jesu beiträgt: viele Leiber der Heiligen, die bereits gestorben waren, standen auf
(Mt 27,52).
Kirchenlehrer und Theologen
denken, daß Jesus zur Bestätigung der eigenen Auferstehung eine Anzahl
Menschen, die er ebenfalls hatte auferstehen lassen, ausgewählt habe, darin
eingeschlossen an erster Stelle seinen Pflegevater. Wie mag diese neuerliche Begegnung
Jesu mit dem heiligen Josef gewesen sein!
„Der glorreiche Patriarch –
schreibt Franz von Sales – besitzt im Himmel einen sehr großen Kredit bei Dem,
der ihn stets so sehr begünstigt hat, ihn mit Leib und Seele in den Himmel
führte (...) Wie konnte Der ihm denn jene Gnade ausschlagen, der ihm doch ein
Leben lang gehorcht hatte? Ich glaube, daß Josef, als er Jesus sah, ihm etwa
folgendes gesagt hat: Mein Herr, denke daran, daß ich dich, als du vom Himmel
zur Erde herabstiegst, in meiner Familie und in meinem Haus aufnahm, und daß
ich dich, als du auf Erden erschienst, zärtlich mit meinen Armen umfing. Nimm
mich jetzt unter die Deinen auf, und wie ich dich während deines sterblichen
Lebens nährte und führte, trage du nun Sorge, mich zum ewigen Leben zu führen.
Und Jesus wird sich sicher überaus glücklich gefühlt haben, ihm zu Gefallen zu
sein.“
„Frommerweise
läßt sich sagen, jedoch nicht mit Sicherheit – lehrt der heilige Bernardin von
Siena – daß Jesus, der überaus fromme Sohn Gottes, seinen Nährvater mit
gleichem Privileg ehrte wie die heiligste Mutter; und daß, wie Er sie mit Leib
und Seele in den Himmel aufnahm, Er auch den heiligsten Josef am Tag der
Auferstehung mit Sich in der Glorie der Auferstehung vereinigte; damit jene
Heilige Familie – Christus, Maria und Josef –, die in einem arbeitsreichen
Leben und in liebevoller Begünstigung zusammenlebte, jetzt auch in der Glorie
mit Leib und Seele glücklich in den Himmeln herrsche.“ (Francisco F.
Carvajal, Hablar con Dios, Bd. 6, S. 203)
Die Sieben Sonntage
Gebet
für alle Sonntage
Ehrwürdiger Patron der gesamten Kirche,
sei du auch mein Schutzherr! Dein Einfluß vor Gott ist groß, und niemand
zweifelt an deiner Güte zu allen Menschen. Stärke uns also, heiliger Patriarch,
in diesem unserem Glauben und laß uns - einmal mehr - deinen liebevollen Schutz
erfahren.
So wenden wir uns an dich und weihen dir
diese sieben Sonntage, um „deine Schmerzen und Freuden“ zu betrachten. Niemand
ist hilfsbedürftiger und unwürdiger als wir. Doch sieh nicht auf das Elend
unserer Seele, sondern habe Mitleid mit uns. Wir bringen dir unser Herz dar und
bitten dich: Nimm es an und erneuere es nach dem deinem, damit alle Tage
unseres Lebens dir wohlgefällig seien und die Segnungen Jesu und Mariens verdienen.
Amen.
Schmerzen und Freuden
des Heiligen
Josef
Das
traditionelle Gebet der Sieben Schmerzen und Freuden - nach den
Evangelientexten – stammt vom ehrwürdigen P. Jenaro Sarnelli (+1744), einem
Schüler des heiligen Alfons Maria von Liguori, der diese fromme Übung zum
heiligen Josef begann. Für den vollkommenen Ablaß gilt das Gebet an den sieben
Sonntagen vor dem Fest des heiligen Josef unter den gewöhnlichen Bedingungen.
Erster
Schmerz und erste Freude
(Sonntag zwischen dem 29. Januar und 4.
Februar)
Mt 1,18-25: Mit der Geburt
Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor
sie zusammengekommen waren, zeigte sich, daß sie ein Kind erwartete - durch das
Wirken des Heiligen Geistes. Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht
bloßstellen wollte, beschloß, sich in aller Stille von ihr zu trennen.
Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des
Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als
deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen
Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn
er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen. Dies alles ist geschehen, damit
sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Seht, die Jungfrau
wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den
Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns. Als Josef
erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine
Frau zu sich. Er erkannte sie aber nicht, bis sie ihren Sohn gebar. Und er gab
ihm den Namen Jesus.
Ruhmreicher heiliger Joseph, du reinster
Bräutigam der seligen Jungfrau Maria! Groß war dein Kummer und deine Sorge, als
du glaubtest, deine unberührte Braut entlassen zu müssen. Unsagbar groß war
dann deine Freude, als der Engel dir das hohe Geheimnis der Menschwerdung des
Gottessohnes offenbarte. Um dieses Kummers und dieser Freude willen bitten wir
dich: schenke uns jetzt und in unsrer letzten Not die Freude eines
gottgefälligen Lebens und eines seligen Sterbens, wie es dir in Jesu und Marias
Mitte beschieden war.
Vater unser. Gegrüßet seist du, Maria.
Ehre sei dem Vater.
Zweiter
Schmerz und zweite Freude
(Sonntag zwischen dem 5. Februar und 11.
Februar)
Lk 2,1-7: In jenen Tagen
erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten
einzutragen. Dies geschah zum erstenmal; damals war Quirinius Statthalter von
Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. So zog auch
Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids,
die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte
sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. Als
sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren
Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine
Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.
Ruhmreicher heiliger Joseph, du
glücklicher Nährvater, du wurdest auserwählt zum Pflegevater des
menschgewordenen Wortes. Dein Herz war traurig, als du sahst, wie das Kind
Jesus in solcher Armut geboren wurde. Doch deine Traurigkeit wandte sich rasch
in himmlische Freude, als du den Lobgesang der Engel hörtest und die
Herrlichkeit jener strahlenden Nacht wahrnahmst. Um dieser Traurigkeit und
dieser Freude willen bitten wir dich: Erwirke auch uns die Gnade, daß wir nach
der Pilgerfahrt dieses Lebens die Lobgesänge der Engel vernehmen und den Glanz
der himmlischen Herrlichkeit schauen dürfen.
Vater unser. Gegrüßet seist du, Maria.
Ehre sei dem Vater.
Dritter
Schmerz und dritte Freude
(Sonntag zwischen dem 12. Februar und 18.
Februar)
Lk 2,21: Als acht Tage
vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen
Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter
empfangen wurde.
Ruhmreicher heiliger Joseph, du
unterwarfst dich willig dem Gesetze Gottes. Das kostbare Blut, das unser
Erlöser als Kind bei seiner Beschneidung vergoß, stimmte dich traurig, doch der
Name Jesus tröstete dich wieder und erfüllte dich mit Freude. Um dieser
Betrübnis und dieser Freude willen erbitte uns die Gnade, daß wir rein bleiben
von jeder Sünde und mit dem heiligen Namen Jesus im Herzen und auf den Lippen
einst freudig unsere Seele aushauchen.
Vater unser. Gegrüßet seist du, Maria.
Ehre sei dem Vater.
Vierter
Schmerz und vierte Freude
(Sonntag zwischen dem 19. Februar und 25.
Februar)
Lk 2,22-35: Dann kam für sie
der Tag der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das
Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen, gemäß dem Gesetz des
Herrn, in dem es heißt: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein.
Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt:
ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben. In Jerusalem lebte damals ein
Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung
Israels, und der Heilige Geist ruhte auf ihm. Vom Heiligen Geist war ihm
offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn
gesehen habe. Jetzt wurde er vom Geist in den Tempel geführt; und als die
Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war,
nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten: Nun läßt du,
Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen
haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das
die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.
Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über
Jesus gesagt wurden. Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter
Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, daß in Israel viele durch ihn zu Fall kommen
und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen
wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst
aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.
Ruhmreicher, getreuer heiliger Joseph, du
wurdest eingeweiht in den geheimnisvollen Ratschluß der Welterlösung. Die Weissagung
Simeons über das, was Jesus und Maria leiden sollten, verursachte dir tiefsten
Schmerz; doch das Heil und die glorreiche Auferstehung, die für viele Seelen
daraus folgen sollten, erfüllte dich mit seliger Freude. Um dieses Schmerzes
und dieser Freude willen erbitte uns die Gnade, daß wir zu der Zahl derer
gehören, die durch die Verdienste Jesu und die Fürbitte der seligen Jungfrau
Maria einst glorreich auferstehen werden.
Vater unser. Gegrüßet seist du, Maria.
Ehre sei dem Vater.
Fünfter
Schmerz und fünfte Freude
(Sonntag zwischen dem 26. Februar und 4.
März)
Mt 2,13-18: Als die
Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des
Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach
Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das
Kind suchen, um es zu töten. Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem
Kind und dessen Mutter nach Ägypten. Dort blieb er bis zum Tod des Herodes.
Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten
habe ich meinen Sohn gerufen.
Als Herodes merkte, daß ihn die Sterndeuter getäuscht hatten,
wurde er sehr zornig, und er ließ in Betlehem und der ganzen Umgebung alle
Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten, genau der Zeit entsprechend, die er
von den Sterndeutern erfahren hatte. Damals erfüllte sich, was durch den Propheten
Jeremia gesagt worden ist: Ein Geschrei war in Rama zu hören, lautes Weinen und
Klagen: Rahel weinte um ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn
sie waren dahin.
Ruhmreicher heiliger Joseph, du wachsamer
Beschützer des menschgewordenen Gottessohnes, so viele Sorgen hat dich die
Sicherheit und der Unterhalt des Sohnes des Allerhöchsten gekostet, besonders
auf der Flucht nach Ägypten; groß war jedoch auch deine Freude, da du Gott
selbst stets bei dir hattest und sahst, wie die Götzenbilder der Ägypter zu
Boden stürzten. Um dieser Sorgen und dieser Freude willen erbitte uns die
Gnade, daß wir jede gefährliche Gelegenheit meiden und so den höllischen Feind
von uns fernehalten, daß wir aus unserem Herzen jedes Götzenbild irdischer
Anhänglichkeit verbannen, uns ganz dem Dienste Jesu und Marias weihen, für sie
nur leben und mit ihnen einst selig sterben.
Vater unser. Gegrüßet seist du, Maria.
Ehre sei dem Vater.
Sechster
Schmerz und sechste Freude
(Sonntag zwischen dem 5. März und 11 März)
Mt 2,19-23: Als Herodes
gestorben war, erschien dem Josef in Ägypten ein Engel des Herrn im Traum und
sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und zieh in das Land Israel;
denn die Leute, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben, sind tot. Da
stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel. Als er
aber hörte, daß in Judäa Archelaus an Stelle seines Vaters Herodes regierte,
fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und weil er im Traum einen Befehl erhalten
hatte, zog er in das Gebiet von Galiläa und ließ sich in einer Stadt namens
Nazaret nieder. Denn es sollte sich erfüllen, was durch die Propheten gesagt
worden ist: Er wird Nazoräer genannt werden.
Ruhmreicher heiliger Joseph, du Engel auf
Erden, du sahst mit Staunen, wie der König des Himmels deinem Wink gehorchte.
Deine Freude, als du Jesus aus Ägypten zurückführen konntest, wurde getrübt
durch die Furcht vor Archelaus. Doch der Engel beruhigte dich und du konntest
glücklich mit Jesus und Maria zu Nazareth wohnen. Um dieser Betrübnis und
dieser Freude willen erbitte uns die Gnade, daß unser Herz frei bleibt von
schädlicher Furcht, daß wir den Frieden des Gewissens bewahren, ungestört mit
Jesus und Maria leben und in ihrer Mitte einst auch sterben.
Vater unser. Gegrüßet seist du, Maria.
Ehre sei dem Vater.
Siebter
Schmerz und siebte Freude
(Sonntag zwischen dem 12. März und 18.
März)
Lk 2,40-52: 2:40 Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit
Weisheit, und seine Gnade ruhte auf ihm. Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum
Paschafest nach Jerusalem. Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie
wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach. Nachdem die Festtage zu Ende
waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem,
ohne daß seine Eltern es merkten. Sie meinten, er sei irgendwo in der
Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den
Verwandten und Bekannten. Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem
zurück und suchten ihn dort. Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß
mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Alle, die ihn
hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten. Als
seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen, und seine Mutter sagte zu
ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll
Angst gesucht. Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wußtet ihr
nicht, daß ich in dem sein muß, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden
nicht, was er damit sagen wollte. Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück
und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem
Herzen. Jesus aber wuchs heran, und seine Weisheit nahm zu, und er fand
Gefallen bei Gott und den Menschen.
Ruhmreicher heiliger Joseph, du Vorbild
der Heiligkeit, du hast ohne deine Schuld den Jesusknaben verloren und ihn
tiefbekümmert drei Tage lang gesucht, bis du ihn voll Freude wiederfandst im
Tempel unter den Schriftgelehrten. Um dieses Kummers und dieser Freude willen
bitten wir dich von ganzem Herzen: Lege Fürsprache für uns ein, daß wir nie
durch eine schwere Sünde Jesus verlieren! Und sollte dies große Unglück
geschehen, dann gib, daß wir ohne Rast und Ruhe ihn suchen, bis wir ihn
glücklich wieder finden, besonders in der Stunde des Todes, damit wir dann im
Himmel ihn schauen und mit dir seine göttlichen Erbarmungen preisen dürfen die
ganze Ewigkeit.
Vater unser. Gegrüßet seist du, Maria.
Ehre sei dem Vater.
Antiphon
Jesus war, als er auftrat, etwa dreißig
Jahre alt und wurde für den Sohn Josephs gehalten.
V. Bitte für uns, heiliger Joseph!
R. Auf daß wir würdig werden der
Verheißungen Christi.
Lasset uns beten: Gott, Du hast in Deiner
unsagbar weisen Vorsehung den heiligen Joseph zum Bräutigam Deiner heiligsten
Mutter erwählt. Wir verehren ihn als Beschützer auf Erden und bitten Dich: Gib,
daß wir ihn auch als Fürsprecher haben dürfen im Himmel. Du lebst und
herrschest in Ewigkeit. Amen.
Gebete
Heiliger Josef, du reinster
Bräutigam der Jungfrau Maria, mein liebevoller Beschützer! Denk daran, man hat
noch nie gehört, daß einer, der deinen Beistand anrief, der zu dir um Hilfe
flehte, ohne Trost geblieben ist. Mit diesem Vertrauen komme ich zu dir und
empfehle mich zutiefst dir an. Verschmähe meine Bitten nicht, Pflegevater des
Heilandes, sondern nimm sie in Güte auf. Amen.
Seliger Pius IX.
Heiliger Josef, du Schützer
jungfräulicher Seelen, deiner treuen Obhut wurde Jesus, die Unschuld selbst,
und Maria, die Jungfrau der Jungfrauen, anvertraut. Um dieser beiden teuren
Schützlinge, um Jesus und Mariä willen, hilf mir, daß ich stets makellos, rein
an Seele und Leib, in vollkommener Keuschheit Jesus und Maria diene! Amen.
Seliger Pius IX.
Lieber heiliger Josef! Dir will ich
mich weihen; nimm meine Hingabe gütig auf! Ich schenke mich dir ganz! Du sollst
allezeit mein Vater, mein Beschützer, mein Führer sein auf dem Weg des Heils.
Erflehe mir eine große Reinheit des Herzens und eine starke Hinneigung zum
inneren Leben. Gib, daß es wie bei dir alle meine Handlungen die größere Ehre
Gottes zum Ziele haben, daß ich vereinigt bleibe mit dem göttlichen Herzen
Jesu, mit dem unbefleckten Herzen Mariens und mit dir, heiliger Josef!
Schließlich bitte für mich, daß auch ich einmal den Frieden und die Freude verkosten
darf, die du bei deinem seligen Hinscheiden genießen durftest. Amen.
Leo XIII.
Heiliger Josef, Beschützer Jesu
Christi, Mariens keuscher Gatte, du hast dein Leben in der vollkommenen
Pflichterfüllung verbracht und mit deiner Hände Arbeit die Heilige Familie von
Nazareth ernährt: gewähre gnädig allen denen Schutz, die sich vertrauensvoll in
ihren Gebeten an dich wenden. Du kennst ihr Wollen, ihre Ängste, ihre
Hoffnungen. Sie eilen zu dir, denn sie wissen, daß sie in dir einen finden, der
sie versteht und ihnen auch hilft. Auch du hast Prüfungen, Mühen und Müdigkeit
erfahren. Aber auch inmitten der Sorgen des materiellen Lebens hat deine Seele,
erfüllt mit tiefstem Frieden, in hoher Freude frohlockt über die Innigkeit des
Verkehrs mit dem Sohne Gottes, der dir zusammen mit seiner lieblichen Mutter
Maria anvertraut war.
Mögen die, die deinen Schutz erflehen und erhalten, verstehen, daß sie in ihrer
Arbeit nicht allein sind. Möge es auch ihnen verliehen sein,, neben sich
Christus zu entdecken; mögen sie ihn mit seinen Gnaden empfangen und in Treue
immer bei sich wohnen lassen, wie du es getan hast. Möge es durch deine Gebete
gewährt werden, daß in jeder Familie, in jeder Fabrik, in jeder Werkstätte,
überall dort, wo Christen tätig sind, alles geheiligt werde in der Liebe, der
Gerechtigkeit, im guten Wollen und im guten Tun, damit die Gaben der
himmlischen Liebe sich mehren in uns und um uns. Amen.
Seliger Johannes XXIII.
Im Herzen trage ich Jesus, Maria und
Josef, die mir anvertrauten Seelen, die Kirche und den Papst.
Seliger Johannes XXIII.
I An wen sollen wir Arme uns wenden
in unsrer Bedrängnis hier in diesem Tale der Tränen, wenn nicht an dich,
heiliger Joseph? Dir hat Maria, deine geliebte Braut, alle ihre reichen Schätze
übergeben; du sollst sie verwahren zu unserem Besten. Es ist, als würde sie uns
sagen: Gehet zu Joseph, meinem Bräutigam! Er wird euch trösten und helfen in
der Not, die euch drückt; er wird euch glücklich und zufrieden machen. Darum
habe Mitleid mit uns, heiliger Joseph, habe Mitleid mit uns um der Liebe
willen, die du zu deiner zarten, würdigen Braut getragen.
Vater unser. Gegrüßet seist du,
Maria. Ehre sei dem Vater.
II Wir wissen sehr wohl, durch
unsere Sünden haben wir Gottes Gerechtigkeit herausgefordert und verdienen die
strengsten Strafen. Wohin sollen wir uns nun wenden, wohin uns flüchten, um
sicher zu sein? Es ist, als würde Jesus uns zurufen: Gehet zu Joseph, ja, gehet
zu Joseph! Ihn habe ich angenommen und geehrt als Vater. Ihm, meinem Vater,
habe ich alle Gewalt übertragen; er soll sie gebrauchen, wie es ihm gut dünkt,
zu eurem Besten. Darum habe Mitleid mit uns, heiliger Joseph, habe Mitleid mit
uns um der Liebe willen, die du zu deinem ehrwürdigen, lieben Sohne getragen.
Vater unser. Gegrüßet seist du,
Maria: Ehre sei dem Vater.
III Die Sünden, die wir begangen,
rufen die schwersten Strafen herab auf unser Haupt. Wir wissen es wohl. Wohin
sollen wir uns nun flüchten, um gerettet zu sein? Wann wird der
glückverheißende Regenbogen erscheinen, der uns tröstet in unserer Not? Es ist,
als würde der ewige Vater uns zurufen: Gehet zu Joseph! Er hat auf Erden meinem
menschgewordenen Sohn gegenüber meine Stelle vertreten. Ihm habe ich meinen
Sohn, die nie versiegende Quelle der Gnaden, anvertraut. In seiner Hand ruht
darum alle Gnade. Darum habe Mitleid mit uns, heiliger Joseph, habe Mitleid mit
uns um der Liebe willen, die du dem großen Gott gegenüber bewiesen, der gegen
dich so großmütig gewesen.
Vater unser. Gegrüßet seist du,
Maria. Ehre sei dem Vater.
[1] Augustinus, Sermo, 51, 20 (PL 38, 351).
[2] Gn 41,55.
[3] Aus dem Gebet zum heiligen Josef im Missale Romanum
als Vorbereitung auf die heilige Messe: O felicem virum, beatum Joseph, cui
datum est, Deum, quem multi reges voluerunt videre et non viderunt, audire et
non audierunt; non solum videre et audire, sed portare, deosculari, vestire et
custodire!
[4] Gn 41,55.