Ansprache von Bundespräsident
Dr. Thomas Klestil
anläßlich der Begrüßung von
Papst Johannes Paul II.
am Freitag, dem 19. Juni 1998, auf dem Flughafen Salzburg
Heiliger Vater!
Mit großer Freude heiße ich Sie zu Ihrem dritten Pastoralbesuch in Österreich willkommen. Mit mir begrüßen Sie heute ungezählte Landsleute weit über den Kreis der katholischen Christen hinaus. In Dankbarkeit und Bewunderung erinnern gerade wir Österreicher uns, wie sehr Ihr Pontifikat zur Überwindung der europäischen Teilung und zur Befreiung unserer Nachbarn im Osten aus der Knechtschaft eines totalitären Regimes beigetragen hat.
Es gibt wohl nur wenige Länder - und kaum ein anderes von der Größe Österreichs -, das bereits zum drittenmal die Freude Ihres Kommens hat.
Wir sehen darin ein Zeichen Ihrer persönlichen Verbundenheit und menschlichen Nähe.
Wir empfinden diesen Besuch aber auch als Ausdruck der Wertschätzung für die zutiefst vom katholischen Glauben geprägte Kultur und Geschichte unseres Landes.
Und wir wissen, welche Rolle Sie, Heiliger Vater, der Republik Österreich gerade im Prozeß der europäischen Einigung zuweisen. So ist wohl auch der Zeitpunkt dieses Besuchs - nur wenige Tage vor Übernahme der Präsidentschaft in der Europäischen Union – mit Bedacht gewählt: um uns zu ermutigen und uns auf unsere größer werdende Verantwortung hinzuweisen.
Die Stadt Salzburg, in der Sie heute österreichischen Boden betreten, ist sich seit nun 1.200 Jahren ihrer zivilisatorischen Mission bewußt. Mit ihrer enormen Strahlkraft als geistig-religiöses und kulturelles Zentrum in der Mitte Europas erinnert sie uns aber auch daran, daß wir bei der Suche nach der Seele Europas nicht auf das feste Fundament und die inspirierende Kraft der christlichen Werte verzichten dürfen.
Umso wichtiger ist es, daß es der Kirche auch an der Schwelle in ein neues Jahrtausend gelingen möge, Antworten auf die Fragen so vieler Suchender und Ratloser zu finden. Mehr denn je brauchen wir heute und morgen unbeirrbare Stimmen, die uns zur Gerechtigkeit, zur Geschwisterlichkeit, zum Frieden und zur Bewahrung der Schöpfung mahnen.
So begrüße ich Sie, Heiliger Vater, noch einmal im Namen unserer Republik und auch ganz persönlich – und hoffe, daß Ihr Besuch erneut dazu beiträgt, den Geist der Besinnung und Erneuerung und das Vertrauen und die Gemeinsamkeit aller unserer Bürger – innerhalb und außerhalb der Kirchen – zu stärken.
Noch einmal: Herzlich willkommen in Österreich!
HTML-Dokument erstellt am 24.06.1998 von Dr. Josef Spindelböck auf der Grundlage der vom Papstbüro bereitgestellten Texte.
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