Meßfeier mit Seligsprechungen
beim Besuch von Papst Johannes Paul II. am 21. Juni 1998 in Wien


Einleitende Worte des Papstes

Schwestern und Brüder in Christus, in Freude haben wir uns heute hier in Wien versammelt, auf diesem Platz, der uns an große und freudige, aber ebenso an schicksalschwere Stunden für Österreich und Europa erinnert. Dankbaren Herzens denke ich an die Europavesper, die ich bei meinem ersten Pastoralbesuch in Österreich an diesem so bedeutsamen Ort gefeiert habe. Wir versammeln uns, um wie an jedem Sonntag das Wort Gottes zu hören und das Gedächtnis Christi zu feiern. Laßt uns Christus, den auferstandenen Herrn, in unserer Mitte anrufen:


Kyrie-Litanei

 
Bitte um Seligsprechung

Der Erzbischof von Wien, Christoph Kardinal Schönborn, begleitet von den Postulatoren, bittet den Papst:

Heiliger Vater, als Erzbischof von Wien bitte ich Sie gemeinsam mit den zuständigen Ordensoberen darum, die Franziskanerin von der christlichen Liebe, Schwester Maria Restituta Kafka, den Prämonstratenser-Chorherrn Jakob Kern und den Gründer der Kalasantinerkongregation Pater Anton Maria Schwartz in das Verzeichnis der Seligen aufzunehmen.

Verlesung kurzer Lebensbeschreibungen

Sr. Restituta KafkaAm 1. Mai 1894 wurde in Brünn-Husovice, Tschechien dem mährischen Schuhmacher Anton Kafka und seiner böhmischen Ehefrau Marie, geb. Stehlík, das sechste von sieben Kindern geschenkt: Helene Kafka – Helena Kafková.

Im Alter von etwa zwei Jahren in die Reichshaupt- und Residenzstadt Wien übersiedelt, wuchs Helene im typischen Milieu einer Armen tschechischen Zuwandererfamilie im 20. Wiener Gemeindebezirk (Brigittenau) auf.

Ihre Berufung zur Krankenschwester und Ordensfrau entwickelte sich zuerst im neugegründeten städtischen Krankenhaus Wien-Lainz, von wo sie 1914 in die dort wirkende Ordensgemeinschaft der Franziskanerinnen von der christlichen Liebe – im Volksmund nach ihrem Mutterhaus in der Wiener Hartmanngasse auch "Hartmannschwestern" genannt – eintrat.

Schwester Maria Restituta – so ihr Ordensname nach einer Frühchristlichen Märtyrin – arbeitete ab 1919 am heutigen Niederösterreichischen Landeskrankenhaus Mödling bei Wien, wo sie bald als souveräne leitende Operationsschwester und Narkotiseurin, aber auch als verständnisvolle und befreiende Helferin in seelischer Not weit und breit bekannt und gesucht war.

Unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurde die leidenschaftliche Christin und Österreicherin Maria Restituta wegen ihres unerschütterlichen und konsequenten Eintretens für Glauben, Recht und Menschenwürde zur Verbrecherin gestempelt. Am Aschermittwoch, dem 18. Februar 1942, von der Gestapo verhaftet und am 29. Oktober 1942 "wegen Landesverräterischer Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat" zum Tode verurteilt, bestand Sr. Restituta nach 13monatiger Haft, davon fünf Monate in der Todeszelle, am 30 März 1943 unter dem Fallbeil des Wiener Landesgerichts das Martyrium.

 

Franz Alexander KernAm 11. April 1897 wurde in Wien Franz Alexander Kern geboren. Nach seiner Gymnasialzeit, die er ab 1908 im Knabenseminar der Erzdiözese Wien in Hollabrunn verbrachte, wurde er 1915 zum Militärdienst als Sanitäter einberufen.

Während seines Dienstes wurde er 1916 an der italienischen Front schwer verwundet. Ein Jahr darauf trat er in das Wiener Priesterseminar ein, und 1920 führte ihn der Ruf Gottes in das Stift Geras in Niederösterreich. Erschüttert über einen Prager Chorherrn, der in Wien für den Kirchenaustritt warb, wollte er stellvertretend gutmachen, was andere gefehlt haben. Er erhielt den Ordensnamen Jakob und legte ein Jahr später die einfache Ordensprofeß – Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam – ab. Am 23. Juli 1922 spendete ihm Kardinal Piffl die Priesterweihe. Jakob Kern wurde ein Seelsorger mit Leib und Seele. Aber nur noch zwei Lebensjahre waren ihm gegönnt, die zunehmend von Beschwerden, Operationen und Rekonvaleszenz geprägt waren. Seine körperlichen Schmerzen und seelischen Leiden sah er als Sühneopfer an. Am 20. Oktober 1924 starb er an den Folgen seiner Kriegsverletzung.

P. Anton Maria SchwartzAnton Maria Schwartz – 1852 in Baden bei Wien geboren - wurde in Wien 1875 zum Priester geweiht. Sein pastorales Wirken war geprägt von einer tiefen Sehnsucht nach Heiligkeit, die für ihn die Antwort auf die Liebe Gottes war. Als inniger Verehrer des heiligen Josef Kalasanz ließ er sich von Gott als Erzieher für die jungen Arbeiter und Lehrlinge berufen; er formte sie religiös, indem er ihnen seine Liebe zum Herzen Jesu, zur Jungfrau Maria und zur Kirche und ihrer Lehre weitergab; er unterwies sie in den allgemeinen Umgangsformen und förderte ihre kulturelle und geistige Entwicklung; und er half ihnen in sozialen und materiellen Notlagen, indem er Unterkünfte schuf, Lehrstellen vermittelte und für menschenwürdige Behandlung am Arbeitsplatz sorgte. Für diese Anliegen gründete er 1889 die Kongregation der Kalasantiner, die er bis zu seinem Tod 1929 leitete. Ziel seiner Bemühungen war es, dem einzelnen Arbeiter zu helfen, sich mit ganzem Herzen für den gelebten Glauben an Jesus Christus einzusetzen, damit die ganze Gesellschaft – vor allem seine Heimat Österreich - von diesem Glauben durchdrungen würde.

 

Seligsprechungen durch den Papst

Nach Beratung mit der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen erfülle ich gern die Bitte meines Bruders Christoph Kardinal Schönborn, Erzbischof von Wien, und vieler anderer Brüder im Bischofsamt sowie zahlreicher Christgläubiger. Ich gestatte kraft meiner Apostolischen Autorität, daß die ehrwürdige Dienerin Gottes Maria Restituta Kafka und die ehrwürdigen Diener Gottes Jakob Kern und Anton Maria Schwartz künftig Selige genannt werden. Das Gedächtnis der seligen Maria Restituta soll alljährlich am 29. Oktober, das Gedächtnis des seligen Jakob Kern alljährlich am 20. Oktober und das Gedächtnis des seligen Anton Maria Schwartz alljährlich am 17. September an den Orten und in der Weise gefeiert werden, wie es die Vorschriften bestimmen. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.


HTML-Dokument aktualisiert am 31.07.1998 von Dr. Josef Spindelböck auf der Grundlage der vom Papstbüro bereitgestellten Texte.

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