Pfr. Mag. Christian Poschenrieder
Predigt am 33. Sonntag im Jahreskreis B
Ev.: Mk 13,24-32
Wiederkunft Christi
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Wir nähern uns dem Ende des Kirchenjahres. Nächsten Sonntag ist bereits der Christkönigssonntag, der letzte Sonntag im Jahreskreis, und dann beginnt mit dem 1. Advent schon das neue Kirchenjahr.
Im Evangelium hörten wir deshalb einen Text, wo Jesus über das Ende spricht: über das Ende der Zeiten, wenn er wiederkommt.
Bei jeder hl. Messe beten wir auf den Ruf „Geheimnis des Glaubens“ nach der Wandlung: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“ Dieses „bis du kommst in Herrlichkeit“ ist genau der Augenblick, wo Jesus – das Evangelium spricht in einem Bild – auf den Wolken des Himmels wiederkommt. Es ist dies der jüngste Tag, das Ende der Welt. Negativ ausgedrückt: der Weltuntergang. Jesus sagt es ganz deutlich: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“
Wichtig zu bemerken ist: Jesus sagt keinen Zeitpunkt. Wir wissen alle nicht, wann das eintritt. Die Zeugen Jehovas, die die Bibel ja anscheinend so gut kennen, sollten hier genau nachlesen. Inzwischen haben sie ja gelernt, nachdem ihre Vorhersagen des Weltunterganges nie eingetroffen sind. Vielleicht haben sie diese Stelle entdeckt. „Jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.“
Meines Erachtens gibt es 3 falsche Einstellungen zu dieser Thematik der Wiederkunft Christi.
1. Es gibt Menschen, die verdrängen diesen Gedanken. Sie sagen, das hat noch Zeit. Bis jetzt ist alles gut gegangen, und sie machen sich daher auch keine Gedanken über das Ende, das aber sicher einmal kommen wird. Sie leben in den Alltag hinein, genießen das Leben so gut es geht, alles andere ist ihnen nicht wichtig. Es ist dies eine ganz schlimme Einstellung, denn bei denen wird das zutreffen, was Paulus schreibt: Der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht.
2. Ebenso falsch wäre es, wenn jemand Angst bekommt. Das, was Jesus uns voraussagt, ist ja schrecklich. Die Sonne verfinstert sich, der Mond scheint nicht mehr, die Sterne fallen vom Himmel. Deshalb fürchtet er sich, traut sich nichts mehr zu und lebt in ständigen Angstzuständen vor dem Weltuntergang.
3. Als letzte falsche Haltung ist die Flucht zu den Horoskopen und zum Aberglauben zu erwähnen. Gerade diese Gefahr lebt in der heutigen Zeit wieder ganz stark auf. Man möchte sich die Zukunft voraussagen lassen. All diese Wahrsagerei ist zu verwerfen.
Die richtige Einstellung hat etwas mit einer gewissen Gelassenheit zu tun. Ich lasse mich nicht durcheinander bringen durch dubiose, zweifelhafte Vorrausagungen, Unheilsprophezeiungen und Ähnlichem. Die richtige Einstellung bringt sogar Freude mit sich. Wir sollen uns durch dieses Evangelium sehr wohl mit der Thematik auseinandersetzen. Jeder Mensch ist für den Himmel berufen, und wir erwarten die Wiederkunft Christi, damit er uns einmal abholt und zu sich nimmt. Wir glauben, dass an diesem Ort eine neue Erde und ein neuer Himmel sein werden. So schildert es Johannes in seiner Offenbarung. Das ist unsere Hoffnung. Davor soll ich mich nicht fürchten, sondern dieses Ereignis sogar mit Sehnsucht erwarten.
Diese positive Sicht beschreibt auch der Evangelist Markus im heutigen Evangelium, wenn er sagt, dass Jesus in Herrlichkeit und mit großer Macht kommt. Er sendet seine Engel aus, die all die Seinen abholen, von überall her zu einer großen Gemeinschaft zusammenführen, die dann für immer bei Gott sein dürfen. Die ersten Christen beteten „Maranatha“ – „Komm Herr Jesus“. So endet die hl. Schrift. Es ist ein Sehnsuchtsruf nach Christus. Komm, Herr Jesus, wir erwarten dich. Komm bald und hole uns einmal heim in die ewige Glückseligkeit. Amen.