Dr. Josef Spindelböck, Kaplan in Mank, seit 1.9.1997 in Ybbs/Donau

Predigt bei der Fatimafeier
am 13. August 1997 in Maria Jeutendorf

Diözesanes Hochfest des heiligen Hippolyt
L 1: Ez 34,11-16; L 2: Hebr 11,32-36; Ev: Mt 23,8-12

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Wenn die Kirche heute in der Diözese St. Pölten das Hochfest des heiligen Märtyrers Hippolyt feiert und wir jetzt hier in der Kirche von Maria Jeutendorf zur Fatimafeier versammelt sind, so ist das nur auf den ersten Blick ein Gegensatz. Denn jener Märtyrer Hippolyt, über dessen Leben wir nicht viele gesicherte Nachrichten besitzen, hat durch sein ruhmreiches Sterben Zeugnis abgelegt für unseren Herrn Jesus Christus, den Sohn der Jungfrau Maria, die wir in dieser Feier besonders verehren. Und die Gottesmutter Maria ist mit allen Heiligen und Märtyrern ganz innig verbunden: Sie hat ja durch ihr Mitleiden beim Leiden und Sterben Jesu unter dem Kreuz in einer hervorragenden Weise Anteil erhalten an der Krone der Märtyrer, ohne dabei selbst den Tod zu erleiden. So wird die schmerzhafte Muttergottes, die nun mit Jesus Christus, ihrem Sohn, im Himmel als Königin herrscht, von der Kirche mit Recht als "Königin der Märtyrer" verehrt!

Die Märtyrer haben durch ihr Leben und vor allem durch ihr Sterben Zeugnis dafür abgelegt, daß das Reich Christi nicht von dieser Welt ist (vgl. Joh 18,36). Sie haben ihr Leben gering geachtet und es dadurch bewahrt bis ins ewige Leben (vgl. Joh 12,25). Welch machtvolles Zeugnis ist doch das Sterben der heiligen Märtyrer für die Wahrheit unseres katholischen Glaubens, vor allem an das ewige Leben! Das irdische Leben - so wichtig es ist - ist doch nicht das Letzte. Alles Irdische vergeht, doch Gott bleibt in Ewigkeit. Und er verheißt all jenen, die an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben, das ewige und selige Leben bei ihm!

Worin besteht das eigentliche Kennzeichen der Märtyrer? Sind es die furchtbaren Qualen ihres Martyriums, die ihren Ruhm begründen, oder ist es doch etwas anderes?

Der Geist der Märtyrer ist der Geist eines unbeirrbaren und festen Glaubens, der sich durch nichts erschrecken und erschüttern läßt. In diesem Glauben nehmen die Märtyrer schon im voraus teil am Ostersieg Jesu Christi, der den Tod überwunden und uns das neue Leben bei Gott geschenkt hat. Vor allem aber ist es ihre glühende Liebe zu Gott und zu den Menschen, die sie lieber den Tod erleiden ließ, als Gott durch eine schwere Sünde zu beleidigen. Auch in der Kirche von heute ist dieser Geist der Märtyrer lebendig geblieben. Immer wieder hören wir von Christenverfolgungen. Auch in unserer Zeit sterben Menschen für ihren Glauben an den gekreuzigten und auferstandenen Herrn.

Angesichts so vieler Zeugen des Glaubens müssen wir selber uns fragen lassen: Wie sieht es mit unserem Glauben und unserer Liebe aus? Sind wir der festen Überzeugung, das uns der Herr Jesus Christus einmal retten wird aus aller Verlorenheit an die Sünde und den Tod? Trauen wir es Gott zu, daß er die letztgültige Antwort gibt auf die eigentlichen Fragen unseres Lebens?

Als getaufte und gefirmte Christen sind wir zum Zeugnis des Glaubens aufgerufen. Das heißt noch nicht, daß wir selber einmal zu Märtyrern werden müssen, obwohl wir dies nicht ausschließen können. Es kommt vor allem darauf an, im täglichen Leben durch Glaube, Hoffnung und Liebe mit Gott verbunden zu sein und auf diese Weise auch andere Menschen zu Gott zu führen.

Blicken wir auf das Beispiel der Gottesmutter Maria! Ihr äußerlich einfaches Leben war innerlich doch ganz reich. In ihrem Herzen glaubte sie dem Worte Gottes, das durch den Erzengel Gabriel an sie ergangen war. Sie zweifelte nicht, als ihr das Wunder der jungfräulichen Empfängnis Jesu verkündet wurde, sondern sagte in voller Freiheit der Hingabe an den Willen Gottes im Glauben ihr "Ja". Sie hielt dieses Ja-Wort des Glaubens durch - in ihrem ganzen Leben, bis unter das Kreuz. Gerade da stand sie unerschütterlich an der Seite ihre sterbenden Sohnes und glaubte. Sollte uns da die Gottesmutter Maria nicht Vorbild sein auch für unser Leben?

Und wenn wir Maria zu unserer Fürsprecherin erwählen, wenn wir sie voll Vertrauen anrufen als Mutter des Herrn und als unsere Mutter, dann werden wir ihre machtvolle Hilfe erfahren! Es ist undenkbar, daß sie eines ihrer Kinder alleine läßt. Sie ist bei uns und tröstet uns, sie stärkt uns und führt uns auf dem Pilgerweg des Glaubens zu Gott. Die Frucht wahrer Marienverehrung ist ein lebendiger und unerschütterlicher Glaube an ihren Sohn Jesus Christus. Wer mit Maria den Rosenkranz betet und dabei die Geheimnisse des Lebens, Sterbens und der Auferstehung Jesu im Herzen betrachtend erwägt, der wird die Hilfe Gottes machtvoll erfahren.

80 Jahre sind es her, seit die Muttergottes in Fatima erschienen ist. Sie rief die Menschen dazu auf, den Rosenkranz zu beten für die Bekehrung der Sünder, um den Frieden in der Welt und für die Anliegen der heiligen Kirche, besonders für den Heiligen Vater, unseren Papst. Der Aufruf der Gottesmutter ist immer noch aktuell. Mehr denn je braucht die Menschheit die Kraft des Gebetes. Bereiten wir der Gnade Gottes den Weg in den Herzen vieler Menschen und schließen wir niemanden aus von unserem Gebet und unserer Fürbitte!

Wenn wir die ernste Situation in Kirche und Welt betrachten, so möchte uns - menschlich gesprochen - manchmal angst und bange werden. Dennoch dürfen wir nie den Mut und die Hoffnung verlieren! Das Beispiel der Märtyrer zeigt uns, daß Gott, der Herr, auch in dunklen Stunden machtvoll am Werk ist. In Verbundenheit mit der Gottesmutter Maria vermögen wir im Glauben an den Ostersieg Christi auszuharren.

"Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren!" verspricht die Gottesmutter in Fatima. Dieser Sieg Mariens ist der Sieg ihres Sohnes Jesus Christus. Es ist auch unser Sieg, wenn wir im Glauben ausharren und mit der Hilfe Gottes standhaft bleiben bis zum Ende (vgl. Mt 24,13). Amen.


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