Dr. Josef Spindelböck

Predigt am Hochfest der Gottesmutter Maria
1. Januar 2005

L 1: Num 6,22-27; L 2: Gal 4,4-7; Ev: Lk 2,16-21

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Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Wir grüßen das neue Jahr, das wir aus der Hand Gottes empfangen. Möge 2005 ein „Jahr des Heiles“ für uns alle sein, in dem wir Gott näher kommen und gemeinsam den Plan der Liebe verwirklichen, den Gottes Gnade im Voraus für uns bestimmt hat.

Die Kirche lädt uns ein, dieses neue Jahr mit Maria, der Mutter des Herrn, zu beginnen. Wir feiern heute die Gottesmutterschaft der heiligen Jungfrau Maria. Sie hat Jesus Christus in ihrem mütterlichen Schoß empfangen auf höchst wunderbare Weise: ohne Zutun eines Mannes, durch das Wirken des Heiligen Geistes. In ihr nahm jenes menschliche Leben des Gottessohnes seinen Anfang, durch das wir hinein genommen sind in die Gemeinschaft der Kinder Gottes.

Als Gott eintreten wollte in diese Welt, da wollte er wirklich einer von uns werden: ein Mensch unter Menschen, in allem uns gleich, außer der Sünde. Von Maria, der Jungfrau, nahm der Sohn Gottes einen wahren menschlichen Leib an, in dem er all das empfinden konnte, was Menschen eigen ist. Er konnte hungern und dürsten, sich freuen und traurig sein, er konnte leiden und sterben. Er nahm Anteil am Los seiner Brüder und Schwestern, für die er da war und denen er den Weg zum Heile wies.

Maria war gleichsam die Pforte, durch die das Wort Gottes eintreten wollte in diese unsere Welt. Sie ist die „neue Eva“, die den Ungehorsam des Anfangs durch ihr Ja-Wort wiedergutmacht. Im Namen der ganzen Menschheit hat eine Frau ihr Einverständnis erklärt mit der Menschwerdung Gottes. So preisen wir Maria, die erhabene Mutter des Sohnes Gottes, aus deren Schoß er geboren wurde im Stall zu Bethlehem.

Wenn dieser Jesus nun wirklich der Sohn Gottes ist und bleibt, auch nachdem er die menschliche Natur angenommen hat, dann ist Maria mit Recht als wahre Gottesmutter zu verehren. Durch ihre heilige Mutterschaft hat Gott selbst sie erhöht und begnadet. Er hat sie einerseits herausgenommen aus der Schar der übrigen Menschen, um sie andererseits gerade dadurch für ihren mütterlichen Dienst an der ganzen Menschheit vorzubereiten.

Die neue Geburt der Kinder Gottes für das Himmelreich geschieht nicht ohne Maria, die Gottesmutter. Wie sie Christus, das Haupt, empfangen und geboren hat, so empfängt und gebiert sie auf wunderbare Weise die Glieder dieses Hauptes, d.h. uns alle, die wir zum mystischen Leib Christi gehören.

Maria ist als Gottesmutter zugleich das Urbild der Kirche. Sie ist die mütterliche Frau, die auch uns das göttliche Leben mitteilt. Wir haben es empfangen durch das Bad der Wiedergeburt, durch die heilige Taufe. Wenn wir wollen, dass sich die Taufgnade in uns entfaltet und wir ihrer nicht verlustig gehen, dann tun wir gut daran, uns mit Maria zu verbinden. Wer sich ihr als Kind anempfiehlt, ist bestens aufgehoben. Es wird Marias Ehre sein, uns gut durch das Leben zu geleiten und uns einst ihrem Sohn Jesus Christus vorzustellen.

Er ist der König der Zeit und Ewigkeit. Ihm vertrauen wir das neue Jahr an, das eben begonnen hat. Möge uns die Fürbitte der gnadenvollen Mutter Gottes stets begleiten! Amen.

 

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