Dr. Josef Spindelböck

Predigt am 2. Sonntag nach Weihnachten
2. Januar 2005, Lesejahr A

L 1: Sir 24,1-2.8-12; L 2: Eph 1,3-6.15-18; Ev: Joh 1,1-18

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Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Wieder hören wir am heutigen 2. Sonntag nach Weihnachten die Worte aus dem Prolog des Johannesevangeliums. Das ewige Wort Gottes ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. „Und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.“

Was bedeutet es, dass der ewige und allmächtige Gott zu uns Menschen herabgestiegen ist? Gott ist ja unendlich vollkommen; ihm fehlt nichts zu seinem Glück. Die drei göttlichen Personen sind von Ewigkeit geeint im göttlichen Wesen und leben ein Geheimnis der Liebe und seligen Gemeinschaft. Was hätte Gott da noch gebraucht?

Und doch hat der gütige Gott in seiner Weisheit von Ewigkeit her beschlossen, die sichtbare und die unsichtbare Welt zu erschaffen und als Krone der sichtbaren Schöpfung den Menschen einzusetzen. Als dieser durch die Sünde in sein selbstverschuldetes Elend geraten war, da entsprach es dem Heilsplan der göttlichen Liebe, dass Gottes eigener Sohn, das ewige Wort, in der Zeit Mensch werden sollte. Nicht weil wir es verdient hätten, kam Gott zu uns. Auch nicht, weil Gott nichts Besseres zu tun wusste. Der einzige Grund für diese unbegreifliche Herablassung Gottes war seine Liebe. Liebe will sich mitteilen. Liebe will dem anderen Gutes tun. Liebe will sich selbst verschenken. Und so schenkte Gott sich uns selbst ganz und gar in seinem Sohn Jesus Christus!

Ähnlich ist diese frohe Botschaft ausgedrückt in der Lesung aus dem Epheserbrief, die wir zuvor gehört haben. Dort heißt es: „(Gott) hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.“ Und dann wird das Geheimnis ewiger Erwählung angesprochen: Wir sind in Christus von Gott „erwählt vor der Erschaffung der Welt, damit wir heilig und untadelig leben vor Gott“. Gott sieht in seinem Plan der Liebe alles voraus, ja er hat uns – wie es wörtlich heißt – „aus Liebe im Voraus dazu bestimmt, seine Söhne zu werden durch Jesus Christus und nach seinem gnädigen Willen zu ihm zu gelangen, zum Lob seiner herrlichen Gnade.“ Dies ist unser Ziel: dass wir Kinder Gottes werden und es in Wahrheit sind und einst zum ewigen und seligen Leben in der Gemeinschaft mit Gott gelangen. Dafür sind wir erschaffen, das ist unsere Berufung.

Freilich gilt hier: Gott hat uns zwar erschaffen ohne unser Zutun, er schenkt uns aber Anteil an der Erlösung und an der ewigen Vollendung, indem er unsere Freiheit mit einbezieht. Liebe zwingt nicht. Und so will uns auch der allmächtige Gott nicht zum Guten „zwingen“, sondern er spricht zu uns in seinem Sohn und ruft uns an, damit wir in Liebe unser freies Ja geben, wie es auch die Jungfrau Maria getan hat.

Wird das Wort Gottes Wohnung finden in unserem Herzen? Oder sollte sich erneut jenes traurige Wort bewahrheiten, dass Gott der Herr zwar in sein Eigentum kam, die Seinen ihn aber nicht aufnahmen? Im neuen Jahr sind wir voll guter Vorsätze. Fassen wir nur den einen Vorsatz: dass wir Gottes Liebe annehmen wollen an jedem Tag, wo immer sie sich auch zeigt. Wenn wir darauf bauen und unser Leben in dieser Weise ausrichten, dann sind wir auf einem guten Weg. Der Segen des Sohnes Gottes, des fleischgewordenen Wortes, möge uns alle begleiten. Amen.

 

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