Kaplan Dr. Josef Spindelböck
Predigtimpuls für den 10. November 1996
Lesejahr A, 32. Sonntag im Jahreskreis. L 1: Weish 6,12-16; L 2: 1 Thess 4,13-18; Ev: Mt 25,1-13
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
In diesen letzten Sonntagen des Kirchenjahres sind es vor allem die „Letzten Dinge“ des Menschen und der Welt, an die uns die Lesungen und das Evangelium erinnern.
Der Aufruf, der an uns alle ergeht, die wir noch auf Erden pilgern, lautet: Seid allezeit bereit! „Denn ihr wißt weder den Tag noch die Stunde.“ Einmal geht unser irdisches Leben zu Ende, der Zeitpunkt und die Art und Weise unseres Todes sind uns aber verborgen.
Jesus mahnt uns im heutigen Evangelium zur Klugheit um des Reiches Gottes willen. Klug sein heißt, sich des Zieles und der Mittel bewußt zu sein, die zu diesem Ziel führen. Klug sein heißt, die geeigneten Mittel auch einzusetzen, um dieses Ziel zu erreichen. Wer weiß, daß er einmal sterben muß - und das wissen wir alle -, der ist gut beraten, sein Leben als Vorbereitung darauf zu sehen und in Erwartung des kommenden Gerichtes gute Taten - Werke der Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen - zu vollbringen.
Von den zehn Jungfrauen, die sich auf das Kommen des Bräutigams zur Hochzeit vorbereiteten, waren fünf klug und fünf töricht. Die klugen hatten außer den Lampen auch noch das Öl dabei. Die törichten kümmerten sich nicht darum, erst als es schon zu spät war, erwachte ihr Eifer. Es war aber kein Eifer der Liebe, sondern der panischen Angst, der ihnen letztlich nichts brachte. Denn als sie mit dem Öl von den Händlern zurückkehrten, war die Tür zum Hochzeitssaal längst verschlossen.
Jesus möchte uns mit diesem Gleichnis nicht mutlos machen. Vielleicht ist es eine heilsame Erschütterung für jene, die allzu sorglos in den Tag hinein leben und sich um nichts kümmern, was das Heil ihrer Seele betrifft. Wer aber täglich den guten Kampf wieder aufnimmt und sich nicht leichtfertig gehen läßt, der wird den himmlischen Lohn empfangen, wenn der göttliche Bräutigam der Seelen erscheint. Wir sollen uns voll Vertrauen in die Hände der göttlichen Vorsehung übergeben. Gott kennt unser Leben im voraus, und er lenkt es so, wie es am besten für uns ist.
Werden wir im göttlichen Gericht bestehen können? Dann nicht, wenn wir in anmaßendem Stolz uns selber an die Stelle Gottes gesetzt haben. Dann schon, wenn wir in demütigem Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes unsere Sünden bereuen und uns jeden Tag aufs neue um das Gute bemühen!
Als im Urchristentum die Frage auftauchte, was wohl mit den schon in Christus Entschlafenen passieren würde, wenn Christus wiederkommt, da gab der Apostel Paulus die tröstliche Antwort: Auch sie werden auferstehen. Gemeinsam mit den noch Lebenden wird Gott sie durch Jesus zur ewigen Herrlichkeit führen.
Denn am Ende der Welt, wenn Christus wiederkommt, wird er die Guten und die Bösen um sich versammeln und Gericht halten über Lebende und Tote. Die Leiber aller Menschen werden auferweckt werden, die einen zur Auferstehung des Lebens, die anderen zur Auferstehung des Gerichtes.
Gott wird alles vollenden, und er schafft alles neu. Die ersten Christen haben voll Sehnsucht nach dem Kommen des Herrn Ausschau gehalten. Wir sind eher in der Versuchung, dieses Kommen in die Ferne zu wünschen. Doch aus dem gläubigen Vertrauen auf Jesus, unseren Herrn und Heiland, sollen wir voll Zuversicht das Kommen Jesu Christi in Herrlichkeit erwarten. Amen.
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