Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs an der Donau

Predigt am 3. Adventsonntag
(13. Dezember 1998; Lesejahr A)

L 1: Jes 35,1-6a.10; L 2: Jak 5,7-10; Ev: Mt 11,2-11



Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
 
 

Der heutige 3. Adventsonntag steht unter dem Leitwort "Gaudete! - Freuet euch! Denn der Herr ist nahe." Ja, es dauert wirklich nicht mehr lange, bis wir das hohe Fest der Geburt unseres Erlösers aus der Jungfrau Maria feiern. Bald ist es Weihnachten! Je näher dieses Fest kommt, desto mehr freuen sich die Kinder. Nicht nur sie, wir alle sollen uns freuen. Die Freude darf nicht nur oberflächlich sein, z.B. über bestimmte Geschenke oder einen schönen Weihnachtsurlaub, sondern sie soll tiefer begründet sein: Jesus ist der Grund unserer Freude. Das göttliche Kind hat uns froh gemacht!

Noch aber stehen wir im Advent. Eine Adventgestalt, ein Begleiter, der uns den Weg weist zu Jesus, dem Christus, ist Johannes der Täufer. Er ist Jesus vorausgegangen und hat die Menschen auf das kommende Heil vorbereitet. Jesus selber sagt von Johannes, daß es "unter allen Menschen keinen größeren gegeben" hat "als Johannes den Täufer." Das gilt für die Zeit bis zum Kommen Jesu. Johannes ist der größte der alttestamentlichen Propheten. Zugleich steht er an der Schwelle vom Alten zum Neuen Bund. Machtvoll und oft mit eindringlichen Worten hat er die Menschen auf das herannahende Heil hingewiesen und sie aufgefordert, sich zu Gott zu bekehren. Die Menschen sollten Früchte der Umkehr bringen. Nur so können sie das von Gott geschenkte Heil annehmen.

Als dann Jesus gekommen war, hat sich Johannes zurückgezogen. Er wußte ja, daß er dem Größeren diente und war gern bereit zurückzutreten, um Platz zu machen für Jesus. Schließlich wurde Johannes der Täufer ins Gefängnis geworfen, weil er es gewagt hatte, den Fürsten Herodes Antipas zu kritisieren. Dieser hatte sich die Frau seines Bruders Philippus zur Frau genommen. Als Johannes nun im Gefängnis war, hörte er von den Taten, die Jesus wirkte. Es waren wunderbare Dinge, die man sich erzählte. Wahrscheinlich wurde Johannes von manchen seiner Jünger gefragt, ob denn nun endlich der Messias gekommen sei. Er selber wußte, daß in Jesus der Erlöser der Menschen gekommen war, denn er hatte ihn ja verkündet und auf ihn hingewiesen mit den Worten: "Seht, das Lamm Gottes" (Joh 1,36). Nun aber wollte er auch seine Jünger zu Jesus führen. Weil er selber wegen seiner Gefangenschaft daran gehindert war, zu Jesus zu gehen, schickte er die Jünger zu ihm und ließ ihn fragen: "Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?"

Die Antwort Jesu an die Jünger des Johannes war klar: Seht genau hin auf die Wundertaten, die ich wirke. Dann werdet ihr erkennen, daß das Reich Gottes in mir zu euch gekommen ist. Er zitierte dann Worte aus dem Propheten Jesaja, wo dieser voraussagt, daß Blinde wieder sehen und Lahme gehen, daß Aussätzige rein werden und Taube hören. Ja gewiß: Jesus hat äußerlich sichtbare Wunder gewirkt. Sie können nicht einfach weginterpretiert oder für unglaubwürdig erklärt werden. Diese äußeren Wunder Jesu weisen uns aber hin auf die noch größeren Wunder, die er in den Herzen der Menschen gewirkt hat. Er hat ihnen die Schuld vergeben und das Leben Gottes neu geschenkt. So sind wirklich geistig Tote wieder lebendig geworden. In Jesus ist das Heil Gottes zu uns Menschen gekommen. So führt Jesus selber die Menschen zum Glauben an ihn und seine göttliche Sendung.

Was aber geht das uns an? Betrifft es unser Leben? Ganz gewiß. Denn die in den Evangelien aufgeschriebenen Worte und Taten, die schon fast zweitausend Jahre lang von der Kirche den Menschen vorgelesen und verkündet werden, sind auch für unser Leben heilsentscheidend. Jesus ist der Erlöser - nicht nur für die Menschen, die vor 2000 Jahren auf ihn gewartet haben, sondern auch für uns. Sein Leben ist nicht einfach vergangen, sondern er ist bleibend unter uns gegenwärtig. In seinem Wort und in den Sakramenten der Kirche wirkt er auch heute und schenkt uns seine Liebe und Gnade. Auch heute geschehen große Wunder. Ich meine da nicht in erster Linie spektakuläre Heilungen und anderes (obwohl auch das nicht zu leugnen ist), sondern vor allem die vielen Gnadenwunder, die Gott in den Herzen der Menschen wirkt. Es kann durchaus vorkommen, daß gerade dort, wo wir es menschlich am wenigsten erwarten, die Liebe Gottes stärker ist als alle Widerstände und jede menschliche Gegenmacht.

Und Jesus spricht zu uns auch heute durch die Kirche, die in diesen Tagen wieder so viel geschmäht wird. Er sagt: Hört auf mich! Ich bin bei euch. Ich möchte euch retten. Laßt mich euer Leben verwandeln. Ich möchte in euer Herz kommen.

Bahnen wir dem Erlöser den Weg! Ist es da nicht naheliegend, auch jene Frau um ihre Fürbitte und Hilfe anzurufen, die das Jesuskind empfangen und geboren hat?

Wir wollen dies tun und in Freude dem Weihnachtsfest entgegengehen. Einmal wird Gott unsere Freude vollenden in seinem himmlischen Reich. Dann wird das Glück der Liebe Gottes kein Ende mehr haben. Amen.
 


SANKT JOSEF - www.stjosef.at