Dr. theol. habil. Josef Spindelböck
Jesus Christus als König, Hirte und Richter
Predigt am
Christkönigssonntag im Jahreskreis A
23. November 2008
L 1: Ez 34,11-12.15-17; L 2: 1 Kor 15,20-26.28; Ev: Mt 25,31-46
Die aktuellen Messtexte finden Sie im Schott!
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Was letztlich zählt, ist
die Liebe! Auf diese
Kurzformel können wir das heutige Evangelium zum Christkönigssonntag bringen.
Es ist die berühmte Gerichtsszene aus Mt
25, die von vielen Künstlern dargestellt worden ist und immer wieder aufs
neue die Menschen beeindruckt, aber auch beunruhigt hat.
Ja, es mag uns heilsame Unruhe überkommen, wenn wir die
Worte Jesu vom Kommen des Menschensohnes
hören und davon, wie er als König
und Hirte über alle Völker Gericht halten wird. Der verherrlichte Sohn
Gottes wird eine endgültige Scheidung
der Menschheit vornehmen: Die einen wird er zu seiner Rechten versammeln
und sie als Gesegnete einladen in sein himmlisches
Reich. Die zu seiner Linken versammelten wird er, wie es wörtlich heißt,
der „ewigen Strafe“ und dem „ewigen Feuer“ übergeben.
Die Worte des Herrn, der nicht nach Willkür, sondern in Milde und Gerechtigkeit richten wird, sind ernst zu nehmen. Wir
fragen uns ganz persönlich: „Wo werde ich stehen, wenn Jesus Christus als
Richter der Lebenden und Toten wiederkommt? Wo wird er mir meinen Platz
zuweisen?“ Wollte man aus dieser Frage aber ein unabwendbares Schicksal
ableiten – nach Art einer Vorherbestimmung gegen unseren Willen –, dann würden
die Worte des Herrn falsch verstanden. Gewiss: Gott der Herr ist der Richter,
doch sein Gericht wird er vollziehen
nach unseren Taten, nach unseren
Werken, nach unserer Liebe. Wir
selber sind dadurch für unser ewiges Schicksal verantwortlich, dass wir hier
auf Erden entweder Werke der Liebe und Barmherzigkeit üben oder aber uns dafür
bis zuletzt verweigern.
Wo aber begegnen wir
Gott; wie können wir ihm zeigen, dass wir an ihn glauben und ihn lieben? Gewiss ist das Gebet sehr wichtig und unerlässlich; wir brauchen die unmittelbare Gottesbeziehung als „Atem unserer Seele“.
Aber alle unsere Frömmigkeit würde
gleichsam „in der Luft hängen“, wenn sie nicht sichtbar und wirksam wäre in Taten der Liebe. Eben daran, wie wir
aus christlicher Verantwortung auf die Not und Hilfsbedürftigkeit unseres
Mitmenschen antworten, zeigt sich unser Glaube. Nicht immer ist es die große
Not, die auf unsere Antwort wartet. Auch
kleine Gesten der Zuwendung zum Mitmenschen, der liebevollen Hilfe, der
tätigen Solidarität sind von unschätzbarem Wert. In jedem Menschen begegnet uns Jesus Christus, der menschgewordene Sohn
Gottes!
Kein Mensch ist so
gering, dass er es nicht wert wäre, von uns respektiert und mit Würde behandelt
zu werden. Wer Gott
zu dienen meint, aber den Mitmenschen verachtet, hat ein Problem: nicht nur mit
sich selbst und mit dem Nächsten, sondern vor allem mit Gott. So gesehen ist
die Gerichtsszene im Matthäusevangelium eine Anfrage gerade an die Frommen:
Denn was vor Gott zählt, ist die Liebe.
Wahre Gottverbundenheit zeigt sich
daran, wie wir mit dem Nächsten umgehen.
Genau danach werden wir einmal gerichtet werden.
Jesus Christus, der König des Himmels und der Erde,
begegnet uns also vor allem in den Armen und Leidenden, in den Menschen, die
unsere besondere Hilfe und Zuwendung brauchen. Er ist nicht in diese Welt
gekommen um zu herrschen, sondern zu dienen. In seiner Hingabe am Kreuz hat er uns seine Liebe bis zum Letzten erwiesen; diese Liebe ist auch für uns Maß
und Vorbild. In der Einheit mit dem Gekreuzigten und Auferstandenen finden wir Kraft für unser Leben.
Wir hören immer wieder von schlimmen Dingen, die in der Welt geschehen, wie Menschen einander in ihrer Würde verletzen und selbst die
grundlegenden Rechte von Menschen verletzt werden. Zu nennen sind nicht nur
Kriege und Vertreibungen, sondern auch die teilweise systematische Missachtung
des Lebensrechtes ganzer Gruppen von Menschen wie ungeborene Kinder oder
unheilbar Kranke. Sollten wir hier nicht noch wachsamer werden und allen lebensfeindlichen Tendenzen nach
Kräften entgegensteuern? Gott, der ein Freund des Lebens ist, ist auf
unserer Seite!
Dennoch geschieht in der Welt auch viel Gutes, gerade auch im Kleinen und Verborgenen. Niemand weiß
darum als Gott allein. Bei ihm ist nichts vergessen, und er
wird die Taten aller Menschen ans Licht bringen, wenn er am Ende der Weltzeit
kommt in Herrlichkeit.
Wir empfehlen uns der Fürbitte der Gottesmutter Maria und aller Heiligen, die auf Erden Gutes getan
und die Liebe geübt haben. Ihr Leben ist uns Vorbild und Ermutigung. Die Heiligen des Himmels mögen bei Gott für
uns eintreten, dass uns der ewige Richter einst in Gnaden aufnimmt und
einlädt in sein himmlisches Reich. Amen.
Karol Wojtyła / Johannes Paul II.,
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