Dr. theol.
habil. Josef Spindelböck
Heute ist uns große Freude widerfahren
Predigt am Hochfest der Geburt des Herrn
25. Dezember
2007 - Lesejahr A - Christmette
Messe
in der Nacht: L 1: Jes 9,1-6; L 2: Tit 2,11-14; Ev: Lk 2,1-14
Am
Morgen: L 1: Jes 62,11-12; L 2: Tit 3,4-7; Ev: Lk 2,15-20
Am
Tag: L 1: Jes 52,7-10; L 2: Hebr 1,1-6; Ev: Joh 1,1-18
Alle liturgischen Texte online im Schott-Messbuch
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Vor 2000 Jahren hat sich der Himmel geöffnet, und Engel machten mitten in der Nacht den Hirten auf dem Felde kund, dass in der Stadt Davids, die
Bethlehem heißt, der Retter der Welt
geboren sei. Die Hirten glaubten
der frohen Botschaft; sie machten sich auf den Weg und fanden das Kind in der
Krippe und beteten es an.
Auch wir haben im Evangelium die frohe Botschaft von Weihnachten
vernommen, und auch uns gelten die Worte,
dass zum Heil der Welt ein Kind geboren
ist: Jesus Christus, der Herr und Erlöser der Welt.
Was damals geschehen ist, hat die Welt verändert, zuerst kaum merkbar,
dann aber immer umgreifender und tiefer. Und doch müssen wir sagen: Begreifen
können wir dieses Ereignis der Menschwerdung
Gottes nicht, sondern letztlich nur glauben. Der Glaube aber sieht tiefer als alle Weisheit der Gelehrten. Eben aus
diesem Grund waren die Hirten der
Botschaft des Heils näher als die
nach Weisheit forschenden jüdischen Schriftgelehrten
und Hohenpriester, näher auch als der machtbesessene König Herodes und sein Gefolge. Alles, was die armen Hirten dem
Kind geben konnten, waren ihr Glaube und ihre Liebe. Das scheint nicht viel zu
sein, und doch kommt es genau auf diese Gabe des Herzens an!
Gott ist Mensch geworden, so bekennen wir es im Glauben. Er ist einer von uns
geworden, weil er uns nahe sein wollte. Der Sohn Gottes hat unser Los mit uns
geteilt und sich im Herabsteigen zu uns ganz klein gemacht. Gott hat nicht
Theater gespielt, sondern es war Wirklichkeit.
Er wollte nicht bloß wie ein Mensch erscheinen, sondern tatsächlich ein Mensch
werden, wie Du und ich, in allem uns gleich außer der Sünde.
Maria, die Jungfrau, war ganz bereit für das Wunder der Menschwerdung
Gottes. Sie nahm Gott zuerst im Glauben an, worauf sie ihn in ihrem Schoß als
Kind empfing und dann in Bethlehem gebar. Auch Josef von Nazareth erklärte sich bereit, für das Kind und seine
Mutter da zu sein. Gott hatte ihm das Höchste und Kostbarste anvertraut, das es
nur je auf Erden zu beschützen galt: Gottes Sohn als kleines Kind und dessen
Mutter Maria. Mit allem Einsatz seines Lebens wollte er für Jesus und Maria da
sein, was sich schon bald bei der notwendig werdenden Flucht nach Ägypten
zeigen sollte. Denn, so unglaublich es uns scheint: Ausgerechnet diesem Kind, in dem Gott selber sich in reiner
Liebe offenbart, wird man nachstellen
und es töten wollen. So kündigte
sich schon bald nach der Geburt des Erlösers jenes Schicksal an, das ihm dann nach 33 Lebensjahren am Kreuz zuteil
wurde: Er erlitt den Tod, weil er
den Menschen das Heil bringen wollte. Der Unschuldige musste für uns sterben,
um gerade dadurch die Macht seiner Liebe
zu offenbaren.
Weihnachten zeigt uns, dass das wirklich Weltbewegende stets im Herzen beginnt und im Kleinen
geschieht, bevor es dann sichtbar wird im Großen. Die scheinbare Ohnmacht der
Liebe kann auch heute die Welt verändern. Was letztlich zählt, ist nicht der
Sieg der Waffen, sondern der Triumph der
Liebe. Überall dort, wo sich Menschen füreinander öffnen und wo sie auf
Gott vertrauen, der die Liebe ist, kann der Friede des Kindes von Bethlehem einkehren.
Hass und Gewalt haben nicht länger das Sagen; eine neue Stunde ist angebrochen,
in der Gott selber als Retter und Erlöser zu uns kommt. Er schenkt uns das Heil
und die Vergebung der Schuld. Durch seine Gnade wird uns ein neuer Anfang im
Guten ermöglicht. Die große Freude des Weihnachtsfestes möge uns alle erfüllen,
wenn wir einander in Liebe annehmen,
so wie auch Gott uns in Liebe angenommen
hat!
Amen.