Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Mank

Predigtimpuls für Allerheiligen 1996

L 1: Offb 7,2-4.9-14; L 2: 1 Joh 3,1-3; Ev: Mt 5,1-12a


Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wieder ist die Zeit gekommen, daß wir miteinander das Fest Allerheiligen feiern. Dieser Tag ist geprägt durch die Feier des Gedächtnisses aller Heiligen des Himmels, aber auch durch den nachmittäglichen Friedhofsgang und das Gebet für alle unsere Verstorbenen.

Die Kirche kennt einige Tausend Heilige, die ausdrücklich mit Namen verehrt und angerufen werden. Sie sind vom Himmel her unsere Fürsprecher und Vorbilder. Auf dem Weg zu Gott sind sie uns vorausgegangen durch ein beispielhaftes Leben der Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen. Kein Heiligenleben gleicht dem anderen, jeder und jede hat seinen oder ihren persönlichen Weg zu Gott gefunden, oft erst nach Umwegen und Irrwegen. Die Heiligkeit ist ihnen nicht einfach ohne inneren Kampf und ohne Überwindung in den Schoß gefallen. Sie mußten oft Jahre des Ringens durchmachen. Gerade in dieser ihrer Menschlichkeit sind sie uns ein Vorbild und geben uns Trost. Denn auch wir sind Menschen aus Fleisch und Blut, die im Kampf gegen die täglichen Versuchungen bestehen müssen. Auch für uns gilt die tröstliche Wahrheit: Gottes Gnade genügt uns in unserer Schwachheit. Gott stärkt uns auf dem Weg zur ewigen Heimat.

Die Heiligen sind aber nicht nur die von der Kirche ausdrücklich angerufenen und verehrten Menschen, sondern auch alle unbekannten Menschen, die ihr Ziel, die ewige Gemeinschaft mit Gott im Himmel, bereits erreicht haben. Wir dürfen hoffen, daß auch viele Verstorbene, die wir persönlich gekannt haben, dazu gehören. Denn heilig ist jeder Mensch, der mit Gott in Liebe und Freundschaft verbunden sind, jeder Mensch, der ein Kind Gottes ist, jeder Mensch, der das weiße Kleid der Taufunschuld bewahrt hat oder es durch Reue und Buße wieder erworben hat und so im Frieden mit Gott gestorben ist. Die Heiligen sind die Freunde Gottes, die bereits sein Angesicht schauen und die auch unsere Freunde sind, da sie vom Himmel her für uns bei Gott eintreten. Auch wir sollen heilig werden, das heißt, einmal die ewige Seligkeit in der Gemeinschaft mit Gott und untereinander erlangen.

Jesus stellt uns in der Bergpredigt, die wir heute gehört haben, einige hervorragende Wege zur Seligkeit bei Gott vor Augen:

„Selig, die arm sind vor Gott. Denn ihnen gehört das Himmelreich.“

Es ist dies jene innere Haltung, die die Erlösung von Gott her erwartet und nicht auf eigene Vollkommenheit oder Leistung baut. Es ist die Demut des Herzens, die sich dem Geschenk der Liebe Gottes nicht verschließt und mit der Liebe Gottes mitwirkt.

„Selig, die Trauernden. Denn sie werden getröstet werden.“

Die übernatürliche Trauer beinhaltet den Abscheu vor der Sünde und die Ablehnung von Ungerechtigkeit und Gottlosigkeit. Einmal wird Gott alle Not beheben und uns für immer trösten.

„Selig, die keine Gewalt anwenden. Denn sie werden das Land erben.“

Frieden und Gewaltlosigkeit sind Wege zum Heil. Streit, gewaltsame Auseinandersetzung und Krieg kommen vom Bösen. Soweit es von uns abhängt, sollen wir nach dem Vorbild Jesu friedliche Mittel einsetzen, um zum Ziel zu kommen.

„Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit. Denn sie werden satt werden.“

Die Welt ist voller Ungerechtigkeit und Sünde. Selig ist, wer sich den Willen zum Guten bewahrt und keine faulen Kompromisse mit dem Bösen schließt. Einmal wird Gott den endgültigen Sieg des Guten herbeiführen.

„Selig, die Barmherzigen. Denn sie werden Erbarmen finden.“

Wer Barmherzigkeit an seinem Nächsten übt, kann auch selber mit Erbarmen vonseiten Gottes und der Menschen rechnen.

„Selig, die ein reines Herz haben. Denn sie werden Gott schauen.“

Das reine und aufrichtige Herz darf auf den höchsten Lohn vertrauen, den es gibt: auf die ewige Schau Gottes im Himmel.

„Selig, die Frieden stiften. Denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.“

Friedensstiften ist ein Werk der Kinder Gottes. Jesus hat uns durch sein Blut mit Gott versöhnt. Wir dürfen diese Versöhnung an unsere Brüder und Schwestern weitergeben.

„Selig, die um der Gerechigkeit willen verfolgt werden. Denn ihnen gehört das Himmelreich.“

Wer auf Erden Ungerechtigkeit zu erleiden hat, wird im Himmel über alle Maßen dafür entschädigt werden. Wir sollen nicht müde werden, das Gute zu tun und Unrecht zu überwinden.

„Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.“

Wer Jesus nachfolgt, muß wie er mit Verfolgung und Verkennung rechnen. Der Jünger steht nicht über seinem Meister. Doch sollen wir das als Christen nicht bedauern, sondern uns freuen und jubeln. Die Verfolgung zeigt uns ja, daß wir nicht Kinder dieser Welt sind, sondern einen ewigen Lohn im Himmel erwarten. Zugleich sollen wir für unsere Verfolger beten und niemanden von der Liebe ausschließen. Denn wir alle sind Sünder, die das Erbarmen Gottes nötig haben.

Beten wir heute für alle Lebenden und Verstorbenen und rufen wir die Fürbitte aller Heiligen an. Gott möge uns alle einmal auf ewig im himmlischen Reiche vereinen, zusammen mit allen Engeln und Heiligen und besonders auch mit der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria!

Amen.


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