Kaplan Dr. Josef Spindelböck

Predigt am 13. Sonntag im Jahreskreis B

(2. Juli 2000)

L1: Weish 1,13-15; 2,23-24; L2: 2 Kor 8,7.9.13-15; Ev: Mk 5,21-43

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Welch großen Eindruck muß es auf die Zeitgenossen Jesu gemacht haben, als sie Zeugen seiner Wunder werden durften! Im heutigen Evangelium nach Markus wird uns die Heilung einer an Blutfluß leidenden Frau berichtet sowie – was noch wunderbarer ist – die Erweckung der bereits verstorbenen Tochter des Synagogenvorstehers Jairus. Die Wunder Jesu waren freilich keine Sensationen, die man einfach so weitererzählt oder miterlebt, ohne daß sie Auswirkungen hätten auf das Leben. Sie verlangen die Umkehr des Herzens und den Glauben!

Unsere heutige Zeit, die medial verbunden und „vernetzt“ erscheint, ist in vielen Bereichen auf oberflächliche Sensationen ausgerichtet. Was zählt, ist die momentane äußere Aufmerksamkeit, und es scheint, je mehr manche Menschen andere provozieren und sie auch in ihren religiösen und sittlichen Überzeugungen verletzen, desto mehr Beachtung erhalten sie und desto mehr kommen sie an. In einer Haltung solcher Erwartung hat die Öffentlichkeit auch die Bekanntgabe des sogenannten „Dritten Geheimnisses“ von Fatima aufgenommen. Wie Sie wahrscheinlich wissen, wurde ja dieser Teil der Botschaft von Fatima vor einer Woche im Auftrag des Papstes veröffentlicht. Allerdings waren dann viele enttäuscht, als sie den näheren Inhalt erfuhren: Es war vor allem ein wesentlicher Aufruf, der gar nichts Neues bedeutete, in dieser Botschaft enthalten. Es heißt: „Buße, Buße, Buße!“ Mit anderen Worten: Bekehrung zu Gott ist nötig. Dies gilt für jeden, nicht nur für die großen Sünder oder die wirklich Gottlosen, sondern vielleicht auch gerade für jene, die meinen, der Umkehr gar nicht mehr zu bedürfen.

Worauf kommt es also an in unserem Leben? Es ist nicht nötig, daß wir die Zukunft im voraus erfahren, sondern daß wir mit Gott in einer lebendigen Beziehung der Liebe stehen. Weil viele Menschen kein Gespür mehr haben für das Göttliche, haben sie auch kein Bewußtsein mehr von ihrer Sünde und Schuld, die der Liebe Gottes entgegensteht, weshalb der Mensch der Erlösung und Vergebung bedarf. Das wollte die Gottesmutter in Fatima wieder in Erinnerung rufen. Die drei Hirtenkinder und durch sie alle Menschen rief sie dazu auf, die Nähe Gottes im Gebet zu suchen, besonders durch das Beten des Rosenkranzes. Es ist auch wichtig, stellvertretend für die vielen Sünder und gottlosen Menschen zu beten und Gott für sie Opfer darzubringen.

Die Frucht dieses Gebetes ist der Friede, der von Gott allein kommt. Wenn wir die Bitten der Gottesmutter nicht erfüllen, die dem Evangelium entsprechen, dann müssen wir selber die Folgen unseres bösen Tuns tragen. Gott möchte jedenfalls nicht unseren Untergang oder unsere Bestrafung, sondern unser Heil!

Als entscheidendes und wichtiges Hilfsmittel für die Bekehrung zu Gott und für das Voranschreiten auf dem Weg des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe wird in der Botschaft von Fatima die Andacht zum Unbefleckten Herzen Mariens vorgestellt. Was ist damit gemeint? Es ist nicht so sehr eine Hinzufügung von neuen Gebeten, sondern vielmehr eine innere Geistes- und Herzenshaltung, die wir gewinnen sollen. Es geht darum, daß wir dem Herzen Mariens ähnlich werden, das ganz offen war für Gott. In ihr stand nichts dem Willen Gottes entgegen. Maria war bereit, in allem Gottes Mitarbeiterin zu sein. Wenn wir also Gott nahe kommen wollen, dann sollen wir uns ihre Gesinnung des unbegrenzten Gottvertrauens zu eigen machen. Wenn wir uns von ihr führen lassen wie ein Kind von seiner Mutter, dann wird sie uns den guten Weg zu Gott hin weisen, auch in allen Schwierigkeiten und Nöten!

Machen wir Maria zu unserer geistlichen Leiterin, zur Königin unseres Herzens, denn sie kennt die Geheimnisse des menschlichen Herzens und hat keinen anderen Wunsch, als die Menschen zu Gott zu führen! In diesem Vertrauen vernehmen wir die Botschaft von Fatima, die keinen Zusatz zum Evangelium darstellt, sondern dieses für unsere Zeit neu in Erinnerung rufen und gleichsam aktualisieren will. Gottes Macht und Liebe sind stärker als alle Bedrohung und Gefahr. Der Glaube, der von Gott gewirkt wird, besiegt alles Böse. In diesem Glauben gehen wir durch das Leben und hoffen einst selig zu sterben und die Krone des ewigen Lebens zu erlangen. Amen.

 

 

SANKT JOSEF - www.stjosef.at