Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Mank

Predigt für den 16. Sonntag im Jahreskreis
(20. Juli 1997, Lesejahr B)

L 1: Jer 23,1-6; L 2: Eph 2,13-18; Ev: Mk 6,30-34

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Hart klingen die Worte, die der Prophet Jeremia im Auftrag Gottes an die schlechten Hirten des Volkes Israel - das heißt, an seine Könige - richten muß: "Weh den Hirten, die die Schafe meiner Weide zugrunde richten und zerstreuen"! Sie waren von Gott eingesetzt, um das Volk Gottes auf dem rechten Weg zu leiten und für es in Liebe zu sorgen. Statt dessen haben sie den Auftrag Gottes ins Gegenteil verkehrt. Sie sind dem Willen Gottes untreu geworden und haben die ihnen anvertraute Herde zugrunde gerichtet durch Abfall von Gott, durch maßloses Streben nach Macht und Besitz, durch Ungerechtigkeit und Übertretung anderer Gebote Gottes.

Aber neben diesen Worten des Gerichtes über die treulosen menschlichen Hirten des Volkes Israel darf der Prophet Jeremia auch Worte der Verheißung aussprechen. Gott verspricht, daß er selber die verlorenen und versprengten Schafe des Hauses Israel wieder sammeln wird und für sie Hirten bestellen wird, die sie wirklich weiden.

Gott verheißt in seiner unwandelbaren Treue und Liebe einen Sproß aus dem Geschlechte Davids, der "als König herrschen und weise handeln" wird. Er wird für Recht und Gerechtigkeit in Israel sorgen. Im Rückblick ist es für uns nicht schwer, darin die Verheißung des Guten Hirten, unseres Herrn Jesus Christus, zu erkennen. Er ist der von Gott versprochene und gesandte Messias, der nicht nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gekommen ist, sondern die Menschen aus allen Völkern wieder zu Gott, seinem Vater, zurückführen soll.

Im heutigen Evangelium nach Markus erbarmt sich unser Herr Jesus Christus der vielen Menschen, die zu ihm kommen, "denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben." Er kennt die innerste Not und Sehnsucht aller Menschen. Vor ihm sind die Gedanken aller Herzen offenbar. Wir brauchen Gott nichts vorzumachen. Er kennt uns und weiß um unsere Stärken und Schwächen, um unsere Liebe und unsere guten Werke, aber auch um unsere Sünden. Doch der Blick Jesu ist voller Mitleid und Erbarmen über uns alle. Denn er ist "nicht gekommen, um die Welt zu richten, sondern um sie zu retten" (vgl. Joh 12,47).

Im Grunde hat sich an der Not und Sehnsucht der Menschen seit damals nichts geändert. Auch heute verlangen die Menschen im Innersten ihres Herzens nach Gott, selbst dann, wenn sie es nach außen hin oft nicht zugeben wollen. Man versucht, durch Hinwendung zu den Gütern dieser Welt die innere Leere aufzufüllen und den Durst der Seele zu stillen. Aber all diese Dinge vermögen den Menschen im Tiefsten doch nicht mit Glück zu erfüllen. Wir erfahren, daß menschliche Ehre, Besitz und Geld, Genuß, Macht und Ansehen vergänglich sind. All dies hat keinen Wert, wenn wir Gott auf die Seite schieben. Wer die vergänglichen Güter oder sich selbst oder andere Menschen an die Stelle Gottes setzt und damit zum Götzen macht, der betrügt sich selbst. Nur in Gott vermögen wir das wahre Leben und die ewige Erfüllung unserer Sehnsucht nach Liebe, Glück und Geborgenheit zu finden!

Auch heute ist allein Jesus Christus der gute Hirte. Lassen wir uns nicht von falschen Propheten verwirren, die die Menschen unter dem Anschein des Guten Wege weisen, die von Gott weit weg führen! Wie vieles ist schon von Menschen versprochen worden und wie wenig konnte gehalten werden! Wie vielen geht es doch nur um das eigene Weiterkommen und nicht um das Wohl der anderen! Ganz anders ist unser Herr Jesus Christus: Er meint es wirklich gut mit uns. Das hat er bewiesen, als er für uns sein Leben hingegeben hat am Kreuz, um am dritten Tage wieder von den Toten aufzuerstehen.

Durch die Boten der Kirche spricht Christus auch heute zu uns. Seine Worte sind gewiß nicht so aufdringlich und laut wie die Botschaft der Sensationen und Skandale. Doch "Himmel und Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen", sagt Jesus (Mk 13,31). Hören wir also auf das Wort Gottes, der in der Heiligen Schrift und in der Verkündigung der Kirche zu uns spricht!

Wenn wir uns im Glauben auf die Worte Jesu einlassen und darauf unser Leben bauen, so werden wir reichen Segen empfangen. Wir werden spüren, daß wir nicht auf Sand gebaut haben, sondern auf festen Grund (vgl. Mt 7,26). Bitten wir die Gottesmutter Maria um ihre Fürsprache, daß sie uns helfe, auf das Wort Gottes zu hören und es im Leben zu befolgen! Dann wird uns Gott als der gute Hirt zu den Quellen des ewigen Lebens geleiten. Amen.


Zur Homepage der
Gemeinschaft vom heiligen Josef