Kaplan Dr. Josef Spindelböck
Predigt am 16. Sonntag im Jahreskreis B
(23. Juli 2000)
L1: Jer 23,1-6; L2: Eph 2,13-18; Ev: Mk 6,30-34
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Das Evangelium des heutigen Sonntags setzt fort, was uns Markus zuletzt berichtet hat: Jesus sandte seine Apostel aus, um allen die frohe Botschaft vom Himmelreich zu verkünden. Jetzt kehren sie von ihrer Aufgabe zurück und berichten Jesus alles, was sie getan hatten. Sie sind ja Jünger, d.h. Schüler des einen Meisters Jesus Christus. Ihm verdanken sie alles, er hat sie unterwiesen, ihm berichten sie daher von ihren Schwierigkeiten und Erfolgen. Mit ihm teilen sie die Freude darüber, daß viele Menschen das Wort Gottes mit bereitwilligem Herzen angenommen und so zum Glauben gefunden haben.
Auch wir kennen in unserem Leben Zeiten des Wirkens und Zeiten der Ruhe: des Nachdenkens, der Erinnerung und der dankbaren Freude über das Vollbrachte. Die Ruhe, in der wir zurückblicken auf das Werk unserer Hände und unseres Geistes, hat den Sinn, die Kräfte zu sammeln. Wir ordnen unsere Gedanken, gewinnen wieder den Überblick und sind so bereit für neue Aufgaben. Als Jesus sah, wie sich die Apostel abgemüht hatten, da sagte er zu ihnen: „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus.“ Auch er hat ihnen sozusagen etwas „Urlaub“ gegönnt. Mit ihm wollten sie sich zurückziehen und in der Stille neue Kraft tanken.
Der Sommer ist auch für viele von uns eine Zeit der Erholung, der Ferien, des Urlaubs. Diese Zeit ist uns vergönnt, und wir dürfen uns daran erfreuen. Es soll eine Gelegenheit sein, unser Menschsein tiefer zu entdecken, nicht bloß an der Oberfläche zu leben, sondern offen zu werden für die wirklichen Werte unseres Lebens: für alles Schöne, für die Erfahrung von Freundschaft und familiärer Gemeinschaft, für das Kennenlernen des Schönen, das wir in der Natur und in den Leistungen menschlicher Kultur vorfinden. Bedenken wir aber eines: Wie sich die Apostel in ihrem „Urlaub“ nicht von Jesus, dem Sohne Gottes, trennten, sondern ihn gemeinsam mit ihm verbrachten, so sollen auch wir die Zeit der Erholung zu einer Zeit der Verbundenheit mit Gott machen. Es darf keinen „Urlaub von Gott“ geben. Auch und gerade dann, wenn wir etwas mehr Zeit haben, soll und darf das Gebet nicht fehlen. Könnte es nicht sogar umgekehrt sein? Daß wir manch freie Minute bewußt unser Leben in die Gegenwart Gottes stellen, der uns all das Wunderbare schenkt und ermöglicht, was wir täglich erleben dürfen?
Und noch etwas sollten wir im Herzen bewahren: Auch im Urlaub ist es unsere Aufgabe, den Mitmenschen Gutes zu tun. Wir dürfen die Not der Menschen, die auf uns zukommt, nicht übersehen. Dort, wo wir können, sollen wir zur Hilfe bereit sein, und wenn dies „nur“ ein Wort des Trostes und der Ermutigung ist, wenn es etwas Zeit ist, die wir einem einsamen oder kranken Menschen schenken.
So ist es auch Jesus und den Aposteln gegangen: Als sie nämlich an den scheinbar so einsamen Ort gelangt waren, wurden sie schon erwartet von einer Menschenmenge. Diese wollten Jesu Worte hören und von ihm belehrt werden. Was tat Jesus? Schickte er die Leute unwillig wieder fort? Nein, er nahm sich Zeit für sie und „lehrte sie lange“, denn „sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.“ Erst danach wird er die nötige Ruhe gefunden haben ...
So kann es uns auch manchmal gehen. Gute Eltern können ein Lied davon singen, daß ihre Kinder sie vielleicht gerade dann am nötigsten brauchen, wenn sie selber schon erschöpft und fertig sind. Aber verlieren wir nicht den Mut: Gott wird uns auch da die Kraft geben, daß wir uns einsetzen für jene Menschen, die unsere Zuwendung brauchen. Auf diese Weise wird uns der Friede Christi geschenkt, der alles Begreifen übersteigt. Gott selbst wird einmal der Lohn sein für all unser Mühen auf Erden! Amen.