Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Mank

Predigt für den 17. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B, 27. Juli 1997

 

L 1: 2 Kön 4,42-44; L 2: Eph 4,1-6; Ev: Joh 6,1-15

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Wie groß ist unser Glaube? Trauen wir es Gott zu, daß er auch heute noch Wunder wirkt? Daß er machtvoll in unser Leben oder in das Leben unserer Mitmenschen eingreifen kann und daß er uns mit seiner rettenden Allmacht immer nahe ist?

Es ist wohl oft so, wenn wir die Heilige Schrift lesen oder das Evangelium hören, daß uns vieles schon sehr vertraut ist, vielleicht allzu selbstverständlich. Wir hören hin und denken: "Ah, das kennen wir schon. Ja, das ist dieses Evangelium." Und damit ist das Thema für uns erledigt. Aber ist das richtig so? Dürfen wir uns zufriedengeben mit einem Minimalchristentum, das unsere eigenen Vorstellungen nicht mehr infrage stellt und uns ruhig "weiterschlafen" läßt? Oder sollte uns das Wort Gottes nicht doch aufrütteln aus unserer allzu großen Selbstsicherheit? Wichtig dabei ist aber, daß wir selber dem Worte Gottes eine Chance geben, uns zu treffen. Wir sollen unser Herz öffnen und wirklich bereit sein, auf Gott zu hören!

Möchte Jesus Christus vielleicht auch uns hier, die wir heute zur Feier der Heiligen Messe versammelt sind, etwas Entscheidendes für unser Leben sagen? Ich denke wohl. Denn was vor 2000 Jahren in Palästina geschehen ist, betrifft nicht nur die damaligen Menschen, sondern auch uns. Jesus hat das Wunder der Brotvermehrung gewirkt, als er eine große Menschenmenge (5000 Männer, dazu noch Frauen und Kinder) mit den fünf Gerstenbroten und den zwei Fischen eines kleinen Buben satt machte. 12 Körbe blieben davon noch übrig!

Das Wunder der Brotvermehrung ist ein Zeichen für die größere Wirklichkeit Gottes, der in unserem Leben geheimnisvoll anwesend ist und es lenkt und leitet. Haben nicht auch wir schon die Erfahrung gemacht, daß etwas Schweres auf uns zugekommen ist und wir meinten, es nicht bewältigen zu können? Wie durch ein Wunder wurde uns dann doch im rechten Augenblick die Kraft gegeben, die Situation zu bewältigen oder eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen. Und so ist es oft in unserem Leben! Wir dürfen nicht nur rechnen mit dem, was wir selber zur Verfügung haben (denn das ist oft wenig), sondern wir sollen vor allem auf das vertrauen, was uns Gott, der Herr unseres Lebens, jeden Tag schenken will, um seinen Willen zu erfüllen!

Unsere Gesellschaft ist weithin geprägt vom Leistungsdenken. Darin liegt eine große Gefahr nicht nur für die Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden, das durch Streß Einbußen erleidet, sondern auch für die Einstellung zum Leben überhaupt: Wir meinen, uns alles selber schaffen und bereitstellen zu können. Wir denken, daß wir gar nicht mehr angewiesen sind auf fremde Hilfe oder gar einen Herrgott. "Jeder ist seines Glückes Schmied", so heißt es dann. Oder: "Wer im Leben unter die Räder kommt, ist selber schuld." Aber ist das christlich? Entspricht das dem Menschenbild der Heiligen Schrift?

Gerade die im landwirtschaftlichen Bereich tätigen Menschen erfahren fast täglich, wie sehr alles abhängt nicht nur von ihrer Leistung und ihrem Einsatz (die bestimmt sehr wichtig sind), sondern noch mehr und letztlich entscheidend von demjenigen, der das Wachsen und Gedeihen der Natur schenkt, dem allmächtigen Schöpfer.

Wir müssen wieder lernen, dankbar zu sein für die vielfältigen Gaben Gottes, die er uns täglich zuteil werden läßt. Dann werden wir der Versuchung zur Selbstüberschätzung widerstehen und das letzte Glück unseres Lebens nicht von uns selber erwarten.

Jesus wollte durch das Wunder der Brotvermehrung die Menschen hinführen zum Glauben an ihn. Nicht das Brot war das Ziel - es war ja nur eine vorübergehende Sättigung, die die Menschen wieder hungrig werden ließ! Sie sollten tiefer nachdenken und das Geheimnis seiner Person erkennen: Jesus ist mehr als ein bloßer Mensch, er ist mehr als ein Prophet, er ist der Sohn Gottes!

Bleiben wir nicht stehen beim irdischen Brot und bei der irdischen Sättigung! Jesus erkannte diese Gefahr, darum entzog er sich den Menschen nach diesem Wunder wieder. Denn sie wollten ihn zu einem irdischen König machen. Er aber ist gekommen, um uns das Reich Gottes, das nicht von dieser Welt ist, zu verkünden. Es gibt wirklich einen Himmel. Mit dem Tod ist nicht alles aus, sondern das ewige Leben beginnt!

Das eigentliche Brot für unser Leben, die eigentliche Nahrung unseres Herzens, ist die Liebe, die wir von Gott jeden Tag empfangen, auch durch Menschen, die uns nahestehen und mit denen wir in Liebe verbunden sind. Und wenn wir daran glauben, daß Gott selber die Liebe ist, dann sollte uns der Schritt nicht mehr schwerfallen, unseren Herrn Jesus Christus als das wahre Brot des Lebens anzunehmen und an ihn zu glauben!

Im Schoß seiner Mutter, der Jungfrau Maria, wurde dem Sohne Gottes ein menschlicher Leib bereitet. Diesen Leib gab er hin für uns bei seinem Leiden und Sterben am Kreuz. Und diesen Leib des Herrn dürfen wir empfangen, wenn wir zur Heiligen Kommunion gehen. Die Heilige Eucharistie ist das wahre Brot unseres Lebens. Hier liegen die Quellen unserer Kraft! Sollten wir uns das nicht wieder mehr bewußtmachen und aus diesem Grund die sonntägliche Mitfeier der Heiligen Messe nicht nur als Pflicht ansehen, sondern als heilige Selbstverständlichkeit betrachten? Machen wir es uns zum persönlichen Anliegen, oft an der Heiligen Messe teilzunehmen und gut und würdig die Heilige Kommunion zu empfangen!

Dann werden wir dieses "Wunder der Brotvermehrung" auch in unserem Leben oft erfahren. Es gibt keine Situation und Stunde unseres Lebens, wo wir allein sind. Gottes Liebe ist immer bei uns. Er stärkt und führt uns, wenn es für uns allein zu schwer ist. Vertrauen wir Gott dem Herrn unser ganzes Leben an. Er liebt uns, wie nur ein Vater seine Kinder lieben kann. Er möchte uns einmal das ewige Leben schenken. Vertrauen wir ihm: Er führt alles zu einem guten Ende! Amen.


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Gemeinschaft vom heiligen Josef