Kaplan Dr. Josef Spindelböck

Predigt am 17. Sonntag im Jahreskreis B

(30. Juli 2000)

L1: Jer 23,1-6; L2: Eph 2,13-18; Ev: Mk 6,30-34

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Worum kreisen die Gedanken von uns Menschen? Was bewegt uns, was treibt uns um? Was ist uns persönlich wichtig? Auf diese und ähnliche Fragen gibt es viele Antworten, denn die Menschen denken und handeln verschieden. Wenn dem einen die familiären Werte wichtig sind, so sagt der andere, das berufliche Weiterkommen sei entscheidend. Während die einen Gesundheit und Zufriedenheit als ihr Ziel ansehen, verlieren sich andere ins Streben nach Macht, Einfluß und Reichtum. Während manche sehr stark auf das Diesseits, auf das irdische Wohlergehen, ausgerichtet sind oder sogar dem Genuß verfallen sind, kommen andere zur Überzeugung, daß wir ein Ziel haben bei Gott im ewigen Leben. Die Sehnsucht nach der Gemeinschaft mit Gott im Himmel macht die irdischen Dinge nicht unwichtig, gibt ihnen aber die rechte Bedeutung und ermöglicht ihre Ausrichtung auf die eigentliche Bestimmung des Menschen.

Als Jesus einmal einer großen Menschenmenge die Botschaft von Gott dem gütigen Vater verkündete, da kam nach der langen Rede Jesu die bange Frage auf, wie diese Leute denn nun verköstigt und versorgt werden sollten. Der Mensch lebt zwar in einer sehr tiefen Weise vom Worte Gottes, aber dennoch verlangt auch unser Leib nach Nahrung. Dem wollte Jesus Rechnung tragen, als er sich an seine Apostel wandte, damit für die Menschen gesorgt würde. Die Jünger waren offensichtlich organisatorisch überfordert: Brot für zweihundert Denare reiche nicht aus, meinten sie. Und gleichsam kapitulierend vor der großen Herausforderung sagte der Apostel Andreas: „Hier ist ein kleiner Bub. Der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische – aber was ist das für so viele?“

Für Jesus Christus ist diese Notsituation eine Stunde der Gnade. Gottes Macht und Wirken soll allen offenbar werden. Im Eingehen auf die leiblichen Bedürfnisse der Menschen wird sich Gottes Größe zeigen. So fordert er die Leute auf, sich zu setzen. Und nach dem Dankgebet beginnt er – gegen jede menschliche Planung – diese fünf Brote und zwei Fische auszuteilen an die Menge. Das kann ja unmöglich reichen, werden die Apostel gemeint haben. Und doch: Es reicht! Ja, es ist plötzlich so viel vorhanden, daß alle leicht satt werden. Am Schluß kann Jesus den Aposteln sogar noch auftragen, die übriggebliebenen Brotstücke einzusammeln, damit nichts verdirbt. Und sie füllten zwölf Körbe voll.

Was ist geschehen? Worum geht es Jesus mit diesem offensichtlichen Wunder, das er gewirkt hat? War es sein einziges Ziel, die Menschen leiblich satt zu machen? Sicher nicht. Denn nachher zieht er sich von den Menschen zurück, weil diese genau das von ihm erwarten. Er ist kein Wundertäter auf Befehl, sondern er möchte die Menschen zum Glauben an Gott führen. Sein Ziel ist es, die Herzen der Menschen dorthin zu lenken, wo die wahren Freuden sind: auf das Reich Gottes und die Seligkeit des Himmels, die allen verheißen ist, die umkehren und an den Sohn Gottes glauben.

Wir haben das Glück, liebe Gläubige, in Ländern relativen Wohlstands zu leben. Dafür sollten wir täglich Gott danken. Es ist aber auch eine Verantwortung damit verbunden, den Armen und Notleidenden beizustehen. Mit unserem Überfluß – vielleicht sogar mit noch etwas Mehr – sollen wir denen zu Hilfe kommen, die oft bitterste Not leiden. Das Entscheidende, so lehrt uns Jesus, ist nicht das irdische Sattsein, sondern die Erfülltheit des menschlichen Herzens von der Liebe Gottes. Darum wollen wir uns mühen, darum soll es uns zuerst und vor allem gehen: um das Reich Gottes. Alles übrige wird uns gleichsam dazugegeben werden.

In jeder heiligen Messe dürfen wir – wenn wir uns in rechter Weise darauf vorbereiten – das „Brot vom Himmel“ empfangen: Es ist Jesus Christus selbst, der unser wahres Leben ist und uns den Weg zum Vater führt. Schätzen wir diese heilige Speise und bleiben wir in der Liebe, die Gott uns schenkt. Wenn wir Gutes tun, dann werden auch wir zum Brot für die Menschen. Amen.

 


SANKT JOSEF - www.stjosef.at