Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Mank
Predigt für den 18.
Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B, 3. August 1997
L 1: Ex 16,2-4.12-15; L 2: Eph 4,17.20-24; Ev: Joh 6,24-35
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Nachdem die Israeliten durch die Macht Gottes von der Knechtschaft der Ägypter befreit worden waren und als sie zuerst durch das Rote Meer und anschließend durch die Wüste zogen, da verloren sie unterwegs den Mut. Sie vergaßen auf die großen Taten der Liebe Gottes und dachten nur mehr an die gegenwärtige Not und Mühsal. Denn der Zug durch die Wüste war nicht einfach: Immer wieder hieß es aufbrechen mit den wenigen Habseligkeiten, die man mitgenommen hatte; nie konnten sie sich für längere Zeit an einem Ort niederlassen. Ständig bedrohten sie Gefahren durch wilde Tiere oder einfach durch die Hitze und Eintönigkeit der Wüste. Außerdem war die tägliche Nahrung und Verpflegung nicht gesichert. Wer sollte da nicht mürbe und verzagt werden?
So war es kein Wunder, daß die Israeliten wieder an die "Fleischtöpfe Ägyptens" zurückdachten und die alten Zeiten herbeisehnten. Das, was vergangen ist, sieht man ja meistens mit verklärten Augen, ohne zu bedenken, daß man auch früher schon viel Schweres mitgemacht hat. Für die Israeliten war die vergangene Unterdrückung durch den Pharao und die ägyptischen Beamten im Moment wie vergessen, nur die gegenwärtige Mühsal war ihnen bewußt, und so haderten sie mit Gott und lehnten sich gegen ihn auf, obwohl er sie befreit und erlöst hatte!
Wie reagierte Gott darauf? Überließ er das Volk sich selber und lieferte er es vielleicht wieder den Feinden aus? Nein! Gott der Herr erbarmte sich dieses störrischen Volkes, und er bewirkte, daß die Juden jeden Tag die notwendige Nahrung bekamen: Sie erhielten Wachteln sowie ein besonderes Brot, das vom Himmel herabkam wie der Tau am Morgen: das Manna. So wurden sie wunderbar ernährt und am Leben erhalten. Es sollte ihnen an nichts fehlen.
Blicken wir nun auf unseren Alltag und unser eigenes Leben: Ist nicht auch dieser unser Lebensweg mitunter wie eine Wanderung in der Wüste? Immer wieder müssen wir aufbrechen aus alten Sicherheiten und Gewohnheiten und uns einstellen auf die neuen Anforderungen, die jeder Tag mit sich bringt. Und wir spüren immer wieder: Je mehr wir mitschleppen an eigenen Vorstellungen, an Plänen und Wünschen und auch an materiellen Dingen, an denen wir hängen, desto beschwerlicher wird der Weg durch das Leben! Oft machen wir uns nämlich das Leben selber schwerer als es ist, indem wir unsere eigenen Pläne und Ziele durchsetzen wollen, ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Rücksicht auf das Wohl und Wehe anderer Menschen, ohne Rücksicht auch auf das, was Gott vielleicht von uns persönlich will!
Und wenn wir dann in eine innere Leere geraten, wenn wir spüren, daß wir ausgelaugt sind und verbraucht, wenn wir die Ruhe und den Frieden des Herzens suchen und nicht finden, dann beginnen auch wir mitunter zu hadern und mit Gott zu rechten. Wir machen ihm Vorwürfe, ihm, der uns doch alles Gute schenkt, anstatt uns selber im Gewissen zu erforschen, ob alles recht war, was wir gewünscht und getan haben. Ist in einer solchen Situation dann alles verloren? Haben wir keine Möglichkeit mehr, unser Leben zu ändern? Keineswegs. Denn selbst in einer solchen Not verläßt uns Gott nicht. Er schenkt uns seine besondere Zuwendung und Liebe! "Wüstenzeiten" sind Zeiten der Gnade. Es sind Gelegenheiten, sich wieder verstärkt auf Gott einzulassen, sich ihm erneut zuzuwenden. Es ist doch oft leider so: Erst wenn wir spüren, daß wir mit unserer eigenen Weisheit am Ende sind, dann wenden wir uns Gott zu. Warum nicht schon früher?
Jesus möchte uns dies alles ersparen. Wieviel Leid und Not können wir vermeiden, wenn wir auf ihn hören! Er spricht im Evangelium davon, daß er das wahre Brot vom Himmel ist. Wer an ihn glaubt, der empfängt das Brot des Lebens. Wer glaubt, der braucht in seinem Herzen nicht mehr Hunger und Durst zu leiden, sondern wird gestärkt und gesättigt durch das Brot der Wahrheit und der Gnade, das Gott selber ist. In seinem Sohn Jesus Christus schenkt uns Gott die wahre Speise für das ewige Leben, die nicht verdirbt und die uns für immer sättigt.
Groß ist das Geheimnis der Heiligen Eucharistie,
das uns der Herr beim Letzten Abendmahl hinterlassen hat. Unter den Gestalten
von Brot und Wein empfangen wir wirklich den Leib und das Blut Jesu
Christi. Wir werden eins mit ihm und leben von seiner Liebe. Wir werden
eins auch untereinander. Nehmen wir also in Liebe und Ehrfurcht an der
Heiligen Messe teil und schätzen wir jene Speise, die uns sättigt:
nicht für das irdische, sondern für das ewige Leben! Amen.
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Gemeinschaft vom heiligen Josef