Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Mank
Predigt für den 19.
Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B, 10. August 1997
L 1: 1 Kön 19,4-8; L 2: Eph 4,30-5,2; Ev: Joh 6,41-51
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Im heutigen Evangelium nach Johannes wird die große Offenbarungsrede Jesu fortgesetzt, die er in der Synagoge von Kafarnaum gehalten hat. Vorangegangen waren die wunderbare Brotvermehrung sowie der Gang Jesu über den See von Gennesaret.
Und diese große Rede unseres Herrn ist von einem unerhörten Anspruch! Denn Jesus bekennt seine untrennbare Verbindung, seine Einheit mit dem himmlischen Vater. Er verkündet, daß die Menschen an ihn glauben sollen. Denn: "Niemand hat den Vater gesehen außer dem, der von Gott ist; nur er hat den Vater gesehen."
Da ist es kaum verwunderlich, daß viele Menschen an ihm Anstoß nehmen. Sie spüren die große Anforderung der Botschaft Jesu und fragen sich verärgert: ‚Wie kann der uns etwas sagen? Ist er nicht ein Mensch wie wir? Er ist doch nicht mehr oder besser als wir!‘ Und sie verweisen auf die irdische Abstammung Jesu: "Ist das nicht Jesus, der Sohn Josefs, dessen Vater und Mutter wir kennen?"
Sie wollen es nicht fassen, daß der unendlich große Gott sich so sehr erniedrigt, um zu den Menschen zu kommen. Es war für viele Juden unvorstellbar, daß Gott selber Mensch werden wollte, um sich den Menschen in Liebe zu offenbaren.
Jesus sagt ja nichts anderes, als daß nur er die wahre Kunde von Gott, seinem Vater, bringt. Jede andere Gotteserkenntnis wird im Vergleich zu seiner Offenbarung für vorläufig und unvollkommen erklärt. Die Menschen spüren: Da ist einer, der behauptet, mehr zu sein als Mose und Elija. Durch Mose war den Juden am Sinai das Gesetz Gottes gegeben worden. Elija hatte als Prophet dieses Gesetz verkündet und den Menschen in Erinnerung gerufen. Aber in Jesus Christus sollte sich das Gesetz des Alten Bundes erfüllen. Sein Gebot der Gottes- und Nächstenliebe umfaßt alle Forderungen des mosaischen Gesetzes und überbietet sie auf unvergleichliche Weise.
Wie geht es uns heute mit diesen Worten Jesu? Glauben wir wirklich ganz fest an ihre Wahrheit? Ist Jesus für uns der einzige Weg zum himmlischen Vater? Oder lassen wir uns durch manche falsche Propheten verunsichern, die den Menschen weismachen wollen, daß es außerhalb des Christentums bessere Wege zu Gott gebe als durch Jesus? Die Anschauung ist heute sehr verbreitet, Jesus sei nur einer von den vielen großen Religionsstiftern gewesen. Im Grunde sei es egal, was man glaube, Hauptsache, daß man überhaupt an Gott denke. Doch Jesus hat von sich anders gesprochen. Er hat bezeugt, daß er der wahre Sohn Gottes ist, der mit dem Vater im Himmel eins ist und an den wir glauben sollen. Lassen wir uns also das gläubige Bekenntnis zu Jesus Christus nicht nehmen!
Freilich wird es für uns nicht immer leicht sein zu glauben. Es gibt viele Schwierigkeiten theoretischer und praktischer Art. Wie viele Fragen und Zweifel werden durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Entwicklungen aufgeworfen! Wie viele verschiedene Anschauungen über den Glauben, wie viele religiöse und philosophische Meinungen über Gott gibt es doch! Doch die Wahrheit Christi bleibt dieselbe, gestern, heute und immerdar. "Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen" (Mt 24,35), sagt er einmal.
Wie können wir den festen Glauben an Jesus Christus bewahren, wie ihn stärken oder wiedergewinnen, wenn er brüchig geworden ist? Ich meine, daß es ganz wichtig ist, nicht nur über Gott nachzudenken, sondern vor allem mit ihm zu sprechen. Wir müssen die Fähigkeit des Betens wieder erlernen. Dabei genügt es nicht, nur äußerlich ein paar fromme Gebete herzusagen. Die innere Einstellung ist wichtig. Das Gebet ist kein unverbindliches Geplauder mit Gott, sondern Ganzhingabe der Person an ihn. Wir öffnen uns Gott und schenken ihm unser Herz. Halbheiten können uns auf Dauer nicht erfüllen und zufriedenstellen.
Nehmen wir uns also Zeit zum Gebet, auch wenn es nur ein paar Minuten an jedem Tag sind! Auf diese Weise wird unser Glaube stärker, tiefer und lebendiger. Wer gut betet, wird den ganzen Tag in der Gemeinschaft mit Gott bleiben und Früchte des Glaubens und der Liebe bringen.
Die Selbstoffenbarung Jesu in der Synagoge von Kafarnaum kommt zu ihrem Höhepunkt: Jesus bezeichnet sich als das "lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist." Und er verheißt jenen, die davon essen, das ewige Leben.
Wir denken an die Heilige Eucharistie, den Empfang der heiligen Kommunion. Freilich darf es nicht ein bloß äußerer Empfang dieser wunderbaren Gabe Gottes in der Heiligen Eucharistie sein. Unerläßlich sind Glaube, Hoffnung und Liebe. Wer Jesus Christus, den Sohn Gottes, aber auf diese Weise in sein Herz aufnimmt, wird die wunderbare Kraft dieser Speise erfahren. Mehr noch als der Prophet Elija werden wir gestärkt werden und einst unser Ziel bei Gott erreichen.
Gerade bei diesem Sakrament des Leibes und Blutes Christi ist unser Glaube in besonderer Weise herausgefordert. Unter den Gestalten von Brot und Wein empfangen wir wirklich unseren Herrn Jesus Christus. Er ist gegenwärtig als wahrer Gott und Mensch, mit Leib und Seele, mit Fleisch und Blut. Sehen wir ihn? Nein, aber wir glauben - im Vertrauen auf sein göttliches Wort!
Bitten wir die heilige Jungfrau Maria um ihre
Fürsprache, daß wir allezeit den Glauben an Jesus Christus
bewahren, dem sie in ihrem jungfräulichen Schoß einen menschlichen
Leib bereiten durfte. In der Kraft dieser Speise des Leibes und Blutes
Christi wollen wir unseren Weg gehen im irdischen Leben, dem ewigen Ziel
entgegen. Amen.
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vom heiligen Josef