Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Mank

Predigt für den 20. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B, 17. August 1997

beim Familiengottesdienst in der Kapelle "Unserer Lieben Frau vom Harlaßanger" in Kirchberg in Tirol

 

L 1: Spr 9,1-6; L 2: Eph 5,15-20; Ev: Joh 6,51-58

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn, liebe Kinder!

 

Jeden Tag haben wir Anlaß, dankbar zu sein für unser Leben. Oft ist es uns viel zu selbstverständlich, daß wir gesund sind, daß wir aufstehen dürfen, genug zu essen haben, ein Dach über dem Kopf besitzen, eine gute Arbeitsstelle oder eine wichtige Lebensaufgabe haben und vor allem Menschen, die uns gern haben, mit denen wir in Liebe verbunden sind. Dies gilt in erster Linie von der menschlichen Familie. Hier stärkt einer den anderen. Alle brauchen einander: Eltern und Kinder. Es gibt eben doch viele Dinge im Leben, die wir uns nicht selber geschaffen haben, sondern die wir empfangen: durch andere Menschen und letztlich durch Gott, unseren guten Vater im Himmel! In Liebe sorgt er jeden Tag für uns. Er läßt uns das zukommen, was wir nötig haben. Wir sind in seiner mächtigen Hand geborgen und werden von seiner Liebe geführt und begleitet.

Freilich gibt es auch manches Schwere im Leben: Not und Leid, Sorgen, Unverständnis und Streit. Tragische Schicksale, von denen wir erfahren oder die uns selber betreffen, belasten auch unser Leben. Da mag es mitunter schon vorkommen, daß wir an Gottes liebevoller Vorsehung zu zweifeln beginnen und Fragen stellen: "Muß das sein? Wieso gerade der oder die oder gar ich? Ist Gott gerecht? Liebt er uns wirklich?"

Da hilft es uns sehr, wenn wir immer wieder auf Jesus Christus schauen. Er ist der Sohn Gottes, der Sohn des himmlischen Vaters, der aus Liebe zu uns Mensch geworden ist aus der Jungfrau Maria. Er ist in allem uns Menschen gleich geworden außer der Sünde. Um uns zu zeigen, daß Gott uns wirklich liebt, ist der Sohn Gottes sogar für uns am Kreuz gestorben. Er hat an unser Stelle die Schuld der ganzen Menschheit getragen und gesühnt. So hat er uns mit Gott versöhnt durch sein kostbares Blut.

Wenn wir auf das Kreuz Jesu blicken, dann verlieren Leiden und Tod im letzten ihren Schrecken. Es gibt keine Not und Ausweglosigkeit unseres Lebens, die nicht im Leiden und Sterben Jesu eine Antwort gefunden hätte. Jesus Christus hat den Tod überwunden und uns in seiner Auferstehung das ewige Leben geschenkt.

Um Gott, dem Herrn, Dank zu sagen und um ihn zu bitten, sind wir jetzt hier versammelt: Wir wollen Gott danken für unser Leben und besonders dafür, daß er uns seinen Sohn Jesus Christus geschenkt hat. Bei jeder Heiligen Messe wird auf geheimnisvolle Weise das Leiden und Sterben sowie die Auferstehung Jesu Christi gegenwärtig. Für uns hat Jesus sein Leben hingegeben. Nach seinem Beispiel wollen auch wir uns einsetzen für unsere Brüder und Schwestern. Die gilt in besonderer Weise in jeder Familie. Es ist notwendig, den eigenen Willen zurückzustellen und Rücksicht zu nehmen auf die anderen. Wir dürfen nicht ängstlich an dem festhalten, was wir besitzen, sondern sollen bereit sein, es mit anderen zu teilen. Liebe gibt sich hin und verschenkt sich an andere.

Weil Gott weiß, daß wir in diesem irdischen Leben nicht ohne Speise auskommen, deshalb schenkt er uns jeden Tag die nötige Nahrung. Um das tägliche Brot beten wir im "Vaterunser". Noch notwendiger als das irdische Brot ist die Speise der Seele, jene Nahrung, die uns stärkt auf unserem Weg zu Gott. Gott hat uns dazu als Speise und als Trank jene heiligen Gaben geschenkt, die wir bei der Eucharistiefeier empfangen: den Leib und das Blut Jesu Christi.

Im heutigen Evangelium hören wir, daß Jesus seine Worte von seinem Fleisch, das wahrhaft eine Speise ist, und von seinem Blut, das wirklich ein Trank ist, buchstäblich verstanden wissen wollte. Er hat nichts davon zurückgenommen, als ungläubige Juden dagegen aufbegehrten und die Wahrheit seiner Worte in Frage stellten. Natürlich dürfen wir nicht bei einem irdischen Verständnis der Worte Jesu stehen bleiben. Der Heilige Geist ist es, der uns erleuchtet und in die volle Wahrheit der Worte des Herrn einführt. Die Heilige Eucharistie ist wahrhaft ein "Geheimnis des Glaubens". Nur im Glauben vermögen wir als wahr anzunehmen, daß unter den Gestalten von Brot und Wein durch die Wandlungsworte des Priesters Jesu Leib und Blut gegenwärtig werden. Es ist Jesus Christus selber, der hier bei der Heiligen Messe zugegen ist und der uns durch den geweihten Priester das lebendige Brot schenkt, das vom Himmel herabgekommen ist.

Empfangen wir oft mit einem lebendigen Glauben den Leib Christi! Halten wir in unserem Herzen die Sehnsucht wach, mit Gott ganz innig vereint zu sein! Diese Gemeinschaft mit Gott stärkt uns auch untereinander. Weil wir von dem einen Brote essen, so sagt der Apostel Paulus (vgl. 1 Kor 10,17), so sind auch wir viele ein Leib in Christus.

In dieser Gemeinschaft des Glaubens sind wir untereinander verbunden, aber auch mit den Heiligen des Himmels. Vor allem verehren wir die selige Jungfrau und Gottesmutter Maria, die wir auch als "Königin der Familien" anrufen dürfen. Legen wir unsere Anliegen und Sorgen, unsere Nöte und unsere Dankbarkeit in ihre Hände! Sie hat keinen anderen Wunsch, als uns zu ihrem Sohn Jesus Christus zu führen. Er verheißt uns das ewige Leben bei Gott, wo wir alle als Kinder des einen Vaters einmal für ewig glücklich sein sollen. Amen.


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Gemeinschaft vom heiligen Josef