Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Mank
Predigt für den 21.
Sonntag im Jahrekreis
Lesejahr B, 24. August 1997
L 1: Jos 24,1-2a.15-17.18b; L 2: Eph 5,21-32; Ev: Joh 6,60-69
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Vieles in unserem Leben tun wir mehr oder weniger aus Gewohnheit, weil wir ohne geordnete und gleichbleibende Formen unseres Verhaltens nicht leben können. Aber manchmal ist es hilfreich und notwendig, Gewohntes neu zu überdenken. Das soll nicht deshalb geschehen, weil wir jede Tradition und Überlieferung aufgeben wollen, sondern es dient der Neubesinnung: Auf diese Weise vermögen wir das bleibend Gültige vom Zeitbedingten und Vorläufigen zu unterscheiden. Wir gelangen so von einer vordergründigen Sicht der Dinge zur Betrachtung des Wesentlichen und eigentlich Entscheidenden in unserem Leben. Auch der Bereich des Lebens aus dem Glauben ist davon nicht ausgenommen. Immer wieder sind wir dazu aufgefordert, unsere inneren Einstellungen sowie unser gewohntes Tun und Lassen zu überprüfen und Stellung zu nehmen. Wir treffen Entscheidungen - für oder gegen Gott, für oder gegen Jesus Christus und seine heilige Kirche!
Das erging den Juden im Alten Testament ähnlich. Sie hatten sich zwar bereits für Gott und seinen heiligen Bund entschieden. Doch wurden sie immer wieder geprüft in dieser Treue zu Gott. So fragt Josua in der heutigen Lesung die Angehörigen des auserwählten Volkes, ob sie weiterhin dem Herrn dienen wollen oder doch fremden Göttern. "Das sei uns fern", antworten sie, "daß wir den Herrn verlassen und anderen Göttern dienen." Denn sie hatten die rettende Macht des Gottes Jahwe erkannt.
Jesus selber hat seinen Aposteln und Jüngern diese Entscheidung des Glaubens nicht erspart. Als viele Jünger an den Worten Jesu Anstoß nahmen und weggingen, fragte er die Apostel: "Wollt auch ihr weggehen?" So hat er sie vor die Entscheidung gestellt. Er hat sie nicht gezwungen, bei ihm zu bleiben, sondern ihnen die Freiheit aufgezeigt, ihn auch zu verlassen.
Die vorausgegangenen Worte Jesu müssen schon hart geklungen haben für viele. Da bezeichnet er sich selber als das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Er stellt sich damit Gott gleich und beansprucht eine Autorität wie keiner der Großen vor ihm. "Wer ist dieser Jesus?" fragten sich die Menschen. Und viele nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab.
Jesus Christus war weit davon entfernt, auf billige Weise um die Gunst der Menschen zu werben. Er nahm nichts von seinen hart klingenden Worten zurück, sondern verschärfte sie noch. Er sprach davon, daß die Menschen ihn, den "Menschensohn", aufsteigen sehen würden dorthin, wo er vorher war. Damit deutete er darauf hin, schon von Ewigkeit her in der Herrlichkeit Gottes, des Vaters, als der ihm wesensgleiche "Sohn Gottes" existiert zu haben. Das waren Worte, die in den Ohren frommer Juden gotteslästerlich klangen. Nur der "Geist, der lebendig macht", konnte das Verständnis dafür eröffnen.
Wieso ist es überhaupt notwendig, daß wir Menschen uns im Glauben für Gott entscheiden sollen? Will er nicht, daß alle Menschen gerettet werden? Ja, gibt es überhaupt Menschen, die die Liebe Gottes für ihr Leben endgültig ablehnen?
Bestimmt will Gott, "daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen" (vgl. 1 Tim 2,4). Zugleich achtet Gott den Menschen, den er nach seinem Abbild geschaffen hat. Die Gottebenbildlichkeit des Menschen macht seine Würde aus. Der Mensch hat von Gott Leib und Seele erhalten. Seine Seele ist unsterblich und mit Vernunft und freiem Willen ausgestattet. Gott möchte, daß der Mensch in Freiheit sein Ja sagt zur Liebe Gottes. Gott ist die Liebe (vgl. 1 Joh 4,8), und Liebe zwingt nicht. Liebe lädt ein und wartet auf die freie Antwort des Menschen. Zu dieser Antwort sind wir alle aufgerufen. Wir sollen im Glauben zu Gott Ja sagen, auf ihn hoffen und ihn von Herzen lieben. Diese Entscheidung kann dem erwachsenen Menschen niemand abnehmen!
So kommt es ein ganzes Leben lang für uns darauf an, dem Glauben an Gott treu zu sein. Das Bekenntnis des Glaubens, das unsere Eltern und Paten bei der Taufe abgelegt haben, sollen wir uns selber zu eigen machen und mit Leben erfüllen. Wenn wir untreu geworden sind im Glauben und im Leben nach den Geboten Gottes, so sind wir aufgerufen, umzukehren zu Gott, der treu ist und sich unser erbarmt. Wagen wir doch immer wieder den Schritt des kindlichen Glaubens! Vertrauen wir uns Gott an, der uns sicher führt auf den Wegen unseres Lebens und der uns Großes bereitet hat im Himmel!
Unser Glaube übersteigt zwar die Vernunft, schaltet sie aber nicht aus. Die Apostel waren ganz nüchterne Männer, die in ihrer ehrlichen Wahrheitssuche angesichts der Größe der Person Christi durch die Gnade Gottes zum Ergebnis gekommen sind: "Wir haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes!" Dieses Bekenntnis legte Petrus im Namen aller übrigen Apostel ab.
Auch die Gottesmutter Maria hat in voller Freiheit ihr Ja gesagt zum Plan Gottes, der aus ihr Mensch werden wollte. So hat sie uns Jesus Christus geschenkt, der unser Erlöser ist und der einzige Weg zum himmlischen Vater.
Haben wir keine Angst, sondern vertrauen wir immer neu auf die Gnadenführung Gottes! Entscheiden wir uns immer wieder für Gott. Schenken wir ihm jeden Tag durch die Hände Mariens unser ganzes Leben und behalten wir nichts für uns zurück. Dabei werden wir nichts verlieren, sondern alles gewinnen im Reiche Gottes! Amen.
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Gemeinschaft vom heiligen Josef