Kaplan Dr. Josef Spindelböck

 

Predigt am 21. Sonntag im Jahreskreis B

(27. August 2000)

 

L 1: Jos 24,1-2a; L2: Eph 5,21-32; Ev: Joh 6,60-69

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

„Wollt auch ihr weggehen?“ Mit diesen Worten wandte sich Jesus an seine Apostel, nachdem sich viele von den Menschen, die Jesus nachgefolgt waren, von ihm zurückzogen und nicht mehr mit ihm umherwanderten. Ausgangspunkt für ihre Ablehnung, Stein des Anstoßes also, war Jesu Rede vom Brot des Lebens, das er ihnen zu essen geben wollte. Jesus hatte gesagt, er werde ihnen sein Fleisch zu essen und sein Blut zu trinken geben. Diese Worte empfanden viele als zu hart, und sie trennten sich von ihm.

In dieser Situation der Krise wandte sich unser Herr also an die Zwölf, an jene besondere Gruppe von Jüngern, die ihn besser kannten als alle anderen. Er wollte ihnen die Entscheidung nicht ersparen. Sie sollten nicht einfach bleiben, um ihm einen besonderen Gefallen zu tun, sondern aus wirklicher Überzeugung. Sie hatten die Freiheit zu gehen wie viele andere auch. Was geschieht? Ihnen wird die besondere Dringlichkeit einer Entscheidung bewußt, und Petrus antwortet im Namen aller übrigen: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“

Liebe Gläubige! Treffen uns solche Worte nicht auch? Gelten sie vielleicht auch für uns? Müssen nicht auch wir uns Tag für Tag fragen lassen, ob wir Jesus noch nachfolgen wollen und ob wir weiterhin zu seiner Kirche gehören wollen? Im Grunde ist das so. Zwar wird uns nicht jeden Tag die ganze Schärfe einer solchen Entscheidung bewußt; vieles geschieht, weil wir es uns in vertrauten Bahnen schon ganz gut eingerichtet haben, also aus Gewohnheit. Da denken wir nicht weiter darüber nach. Aber irgendwann und zu bestimmten Zeiten muß sich wohl jeder Mensch die Frage stellen, welchen Weg er wählt: ob er dem Wort Gottes glaubt, wie es uns immer wieder neu von Papst, Bischöfen und Priestern verkündet wird, oder ob er andere Sicherheiten sucht. Und mögen auch wir dann mit Überzeugung die Worte sprechen können: „Herr, zu wem außer dir sollen wir sonst gehen? Denn du allein hast Worte des Lebens!“ Überzeugung und Treue sind gefragt. Auf sie kommt es an!

Wer verheiratet ist oder Gott gegenüber das Versprechen abgelegt hat, ihm im Priester- oder Ordensstand zudienen, der weiß, daß sich die Treue täglich neu bewähren muß. Es ist nicht immer leicht, das einmal gegebene Ja aus ganzem Herzen aufrecht zu erhalten und zu leben. Und dennoch spüren wir und wissen wir: Wenn wir uns redlich mühen, dann ist uns Gottes Hilfe nahe und dann erfahren wir das wahre Glück, das Gott den Treuen schenkt. Nur so finden wir Erfüllung. Die Glaubensentscheidung ist etwas Ähnliches. Wenn wir in Bedrängnis kommen und unsicher werden, dann heißt es, die Hilfe Gottes anzurufen im Gebet und darauf zu vertrauen, daß wir gestärkt werden. Gottes Gnade verläßt uns nicht.

Mögen wir das immer wieder als unser Glück erfahren. Wenn wir ausharren dürfen in Treue, so ist das zuallererst ein Geschenk der Liebe Gottes. Seien wir dankbar für unsere Berufung im Glauben und leben wir gemäß dem Willen Gottes.

So wird der Kirche in unserem Land und in unseren Pfarrgemeinden immer wieder neu die innere Frische des Glaubens aus Überzeugung geschenkt werden. Beten wir zu Gott auf die Fürsprache der Jungfrau und Gottesmutter Maria, daß wir seine Hilfe empfangen auch in den Schwierigkeiten unserer Tage. Möge durch die mutige Entscheidung vieler auch in unserer Zeit der Glaube lebendig bleiben und die Kirche fest in den Herzen der Menschen unseres Volkes verankert bleiben! Amen.

 


SANKT JOSEF - www.stjosef.at