Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs an der Donau

Predigt für den 22. Sonntag im Jahreskreis
(Lesejahr B, 31. August 1997)

L 1: Dtn 4,1-2.6-8; L 2: Jak 1,17-18.21b-22.27; Ev: Mk 7,1-8.14-15.21-23

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Es freut mich, daß ich nun als neuer Kaplan von Ybbs mit Ihnen die heilige Eucharistie feiern darf!

Ist es für unseren Glauben gleichgültig, wie unser Leben aussieht? Kommt es nur darauf an, an Gott zu glauben, oder soll sich auch unser Leben nach diesem Glauben ausrichten? Die Antwort, liebe Gläubige, ist uns allen theoretisch klar: Natürlich soll unser Glaube im Leben Gestalt annehmen, er soll sich durch Werke des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe zeigen. Der Glaube soll in der Liebe fruchtbar werden, sonst bleibt er tot!

Praktisch fällt es uns freilich nicht so leicht, die Forderungen des Glaubens in unser Leben umzusetzen. Wir alle kennen die Anfälligkeit für das Böse, wir werden leicht müde im Guten und sind in Gefahr, mutlos zu werden und aufzugeben im täglichen Streben, nach den Geboten Gottes zu leben.

Jesus lehrt uns, daß wir nicht bei Äußerlichkeiten stehenbleiben dürfen. Die Pharisäer und Schriftgelehrten hatten viele Vorschriften eingeführt, was die äußere rituelle Reinigung von Gefäßen und Händen betraf. Die Menschen waren in Gefahr, angesichts dieser Vielzahl von menschlichen Gesetzen und Satzungen die eigentlichen Gebote Gottes zu übersehen. Darum der ernste Vorwurf Jesu: "Ihr gebt Gottes Gebot preis und haltet euch an die Überlieferung der Menschen."

Und Jesus Christus, der menschgewordene Sohn Gottes, zeigt auf, worauf es im Leben ankommt: Das Herz des Menschen muß in Ordnung sein. Im Herzen nämlich, im Inneren des Menschen, hat das Gute, aber auch das Böse seinen Ursprung. Denn der Mensch ist von Gott mit der Freiheit der Entscheidung ausgestattet. Er ist aufgerufen, sich mit seinem freien Willen grundsätzlich und auch in den vielen einzelnen konkreten Handlungen des Lebens für das Gute und damit für Gott zu entscheiden. Wenn das Herz des Menschen in der Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen verankert ist, dann werden auch die äußeren Taten dieses Menschen gut sein. Denn ein guter Baum bringt gute Früchte. Wenn hingegen die innere Gesinnung böse ist, so kommen aus dem Herzen des Menschen schlechte Früchte. Jesus zählt sie auf: böse Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft.

Wenn wir ehrlich sind, dann spüren wir, wie weit wir hinter den Forderungen Jesu zurückbleiben. Wieviel Unvollkommenes ist doch im Herzen eines jeden Menschen zu finden! Nur Jesus Christus, der Sohn Gottes, war auch als Mensch frei von jeder Sünde. Auch die heilige Jungfrau Maria, die Mutter Gottes, wurde von Gott vor jeder Sünde bewahrt. Wenn wir uns die Gesinnungen des Heiligsten Herzens Jesu und des Unbefleckten Herzens Mariens vor Augen halten, dann wissen wir, wonach wir streben sollen. Gott möchte, daß wir unser Herz von ihm erneuern und verwandeln lassen und so zur Vollkommenheit in der Liebe gelangen.

Deshalb müssen wir die Verbundenheit mit den Quellen der göttlichen Gnade suchen. Dies geschieht, wenn wir uns durch die Fürbitte der Gottesmutter an unseren Herrn Jesus Christus wenden, den Urquell aller Gnade. Gerade bei jeder Heiligen Messe werden die Ströme des lebendigen Wassers, die uns von Gott her erquicken, in reicher Fülle über uns ausgegossen.

Noch etwas wollen wir bedenken: Wie oft und wie leicht urteilen wir nach dem Augenschein! Wir sehen das Äußere, das ein Mensch tut, doch achten wir nicht auf sein Herz. Nur Gott kennt die innersten Regungen der Herzen. Wir dürfen darum keinen Menschen verurteilen, sondern müssen für alle beten, besonders auch für jene, die Böses tun!

Nicht aus eigener Kraft vermögen wir die Gebote Gottes zu halten und die Liebe zu üben, sondern nur mit Hilfe der Gnade Gottes, der uns beisteht und uns stärkt. Lassen wir nicht nach im Gebet und im täglichen Bemühen, aus dem Glauben zu leben! Dann wird uns Gott einst teilnehmen lassen am Hochzeitsmahl des ewigen Lebens. Amen.


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Gemeinschaft vom heiligen Josef