Kaplan Dr. Josef Spindelböck

 

Predigt am 24. Sonntag im Jahreskreis B

(17. September 2000)

 

L 1: Jes 50,5-9a; L 2: Jak 2,14-18; Ev: Mk 8,27-35

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Wann sind wir Christen? Was macht uns dazu? Diese Frage scheint auf den ersten Blick leicht zu beantworten, hat es aber in sich. Manche werden sagen: Wenn wir zur Kirche gehören, sind wir Christen. Andere formulieren vielleicht: Wenn wir uns um Mitmenschlichkeit, Frieden und Versöhnung bemühen, dann sind wir Christen. Schließlich gibt es eine sehr treffende Antwort: Wenn wir an Jesus Christus glauben und zu ihm gehören wollen, dann sind wir Christen.

Aber diese letzte Antwort muß noch genauer unter die Lupe genommen werden! Wer hat diesen Glauben an Jesus Christus, wer gehört wirklich zu ihm? Sind das alle, die getauft wurden? Wie lebendig muß der Glaube an Jesus Christus bei denen sein, die sich Christen nennen? Genügt es zu sagen: „Ich glaube, daß Jesus mich rettet!“, ohne daß man sich zugleich um ein Leben aus diesem Glauben bemüht?

Eine solche Situation hat der Apostel Jakobus im Auge, als er sich in seinem Brief an die Gemeinde der ersten Christen wandte. Es war ein Streit entstanden um das rechte Verständnis des Glaubens an Jesus Christus. Alles stimmten darin überein: Der Glaube ist zentral, um zum Heil zu gelangen, um der Erlösung teilhaftig zu werden. Aber welcher Glaube war damit gemeint?

Jakobus ist da sehr eindeutig: Es braucht einen Glauben, der sich nicht nur zu Gott bekennt und zu Jesus Christus als dem Erlöser der Menschen, sondern der sich auch auswirkt und bewährt im Alltag. Es geht um den gelebten Glauben, der auch Taten der Liebe setzt. Es wäre unzureichend, wenn „Gläubige“ einfach nur ein paar fromme Worte für ihre Brüder und Schwestern in Not hätten, anstatt ihnen wirksam zu helfen. Ein solcher Glaube – das ist die Überzeugung des Jakobus – kann den Menschen nicht retten, sondern nur ein Glaube, der in der Liebe wirksam ist!

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Gläubige! Wir können diese Stelle aus dem Jakobusbrief für uns zum Anlaß nehmen, daß wir uns ganz persönlich fragen: Wie steht es mit meinem Glauben? Hat der Glaube überhaupt noch einen Stellenwert im Leben? Bin ich überzeugt von Gottes Liebe und Wahrheit oder ist alles nur noch Gewohnheit oder Brauchtum? Versuche ich, den Glauben im Alltag zu leben?

Das mag sich ein jeder persönlich fragen, ohne daß wir über andere leichtfertig urteilen. Der Glaube, den wir Woche für Woche bei der Heiligen Messe bekennen, muß Frucht tragen im Leben. Hand aufs Herz: Wenn wir wirklich glauben, daß Gott uns in Jesus Christus mit seiner Liebe so reich beschenkt hat, sollte uns das so schwer fallen? Wenn Gott uns so große Barmherzigkeit erwiesen hat,  dann sollen auch wir einander Erbarmen schenken! Sehen wir den Dienst der Kirche als eine Hilfe, die Wahrheit des Glaubens immer besser kennenzulernen, um daraus zu leben.

Ja, es ist der Glaube, den die Apostel bekannt haben, der uns durch die Kirche überliefert ist und der uns das ewige Leben verheißt! Bewahren wir dieses Geschenk im Herzen und setzen wir den Glauben ins Leben um. Nicht jeder, der zur Kirche gehört, wird automatisch gerettet. Es geht um den lebendigen Glauben, der seine Echtheit in der Tat erweist.

Beten wir füreinander, daß wir miteinander das Heil erlangen. Gottes Gnade rettet uns, wenn wir glauben! Das Große, das uns Gott im Himmel bereitet hat, soll uns bewegen zu einem Leben in Glaube, Hoffnung und Liebe. Dann werden wir Christen zu Leuchttürmen für die Welt – für alle Menschen, die suchen und zur Wahrheit Gottes gelangen wollen. Amen.

 


SANKT JOSEF - www.stjosef.at