Kaplan Dr. Josef Spindelböck

 

Predigt am 26. Sonntag im Jahreskreis B

(1. Oktober 2000)

 

L 1: Num 11,25-29; L 2: Jak 5,1-6; Ev: Mk 9,38-43.45.47-48

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Mit dem heutigen Tag beginnt der Oktober. Es ist der „Rosenkranzmonat“. Vielerorts wird an diesen Tagen vermehrt das Gebet des Rosenkranzes verrichtet. Es besteht ja – wie wir wissen – aus den Grundgebeten (dem Glaubensbekenntnis, dem Vaterunser und dem „Gegrüßet seist Du Maria“), die wiederholt und mit „Geheimnissen“ verbunden werden, in denen wir das Leben und Sterben sowie die Auferstehung und Verherrlichung Jesu Christi betrachten.

Vielleicht sagen manche: Ja, der Rosenkranz – er wird halt gebetet, weil es so Brauch ist: bei Totenandachten und Begräbnissen, von Alten und Kranken, die nichts Besseres zu tun haben ... Aber kann ausgerechnet dieses Gebet so etwas Besonderes, so etwas Wichtiges sein? Etwas anders sieht es freilich aus, wenn wir die Tatsache bedenken, daß der „Rosenkranz-Sühnekreuzzug“ des P. Petrus Pavlicek OFM (gegründet 1947) mehr als eine Million eingeschriebene Mitglieder hat, welche sich bemühen, täglich wenigstens einen Teil des Rosenkranzes zu beten. Auch gibt es immer mehr junge Menschen, die den Rosenkranz als zutiefst spirituelles Gebet entdecken, das ihnen Kraft gibt in Not und Gefahr, wo sie Orientierung finden inmitten der richtungslosen Vielfalt unseres Lebens.

Heuer wurde auf Anordnung des Papstes das „Dritte Geheimnis“ von Fatima veröffentlicht. Bekanntlich ist ja im Jahre 1917 im portugiesischen Wallfahrtsort Fatima die Gottesmutter Maria drei Hirtenkindern erschienen. Sie sollten die Boten sein für die Welt, um allen Menschen die Wünsche Mariens mitzuteilen. Die Welt, so die himmlische Frau, liegt weithin im Argen, weil es viele Menschen gibt, die Gott durch ihre Sünden beleidigen und somit zur Ursache von Unfrieden, Streit und Krieg in der Welt werden. Aber für gläubige Menschen gibt es Hoffnung: Die Rettung liegt im Gebet. Es ist vor allem das Gebet des Rosenkranzes, in dem die Menschen von Gott Gnade erflehen sollen und Vergebung ihrer Sünden. Dann wird der Welt der so sehr ersehnte Friede geschenkt werden. Im „Dritten Geheimnis“ heißt es sehr eindringlich: „Buße! Buße! Buße!“ Denn nur Umkehr zu Gott und Abkehr von der Sünde sind der Weg zur Erneuerung des Lebens und in eine hoffnungsvolle Zukunft, die Gott uns schenken kann.

Ein besonderer Wunsch der Gottesmutter Maria war es in Fatima, daß sich die Menschen ihrem Unbefleckten Herzen anvertrauen. Wer sich Maria weiht und übergibt, kommt Gott nahe durch Jesus, ihren Sohn, den sie empfangen und geboren hat. Im Namen der ganzen Kirche haben Päpste und Bischöfe die Weihe an Maria seither oft vollzogen. 1984 hat unser gegenwärtiger Heiliger Vater, Papst Johannes Paul II., die Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht, wobei er auch besonders an Rußland gedacht hat, in dem damals noch der Kommunismus herrschte. In einer Woche, am 8. Oktober, möchte der Papst gemeinsam mit den Bischöfen und Gläubigen diese Weihe der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens erneuern.

Worum geht es? Es ist keine neue Verpflichtung, die wir da übernehmen, sondern wir möchten das ernst nehmen, was wir bzw. unsere Eltern und Paten in der Taufe versprochen haben: den Glauben an Gott und das Leben daraus in praktischer Gottes- und Nächstenliebe. Nichts anderes wünscht die Gottesmutter Maria von uns, als daß wir auf den Wegen Gottes gehen, die zugleich die besten Wege für uns Menschen sind und uns Heil und Segen sowie den Frieden bringen. Haben auch wir diese innere Bereitschaft und stellen wir uns unter den Schutz der Gottesmutter Maria!

Vielleicht können wir es versuchen – falls wir es nicht ohnehin schon tun! –, daß wir mit dem Rosenkranzbeten beginnen. Es ist kein geistloses Aufsagen und Wiederholen von Formeln, sondern ein lebendiges Eintauchen in die Heilsgeheimnisse in Einheit mit Maria, der Mutter Jesu Christi und unserer himmlischen Mutter. All das, woran wir beim Beten denken (und seien es auch sogenannte „Ablenkungen“ durch Sorgen, Wünsche etc.), dürfen wir voll Vertrauen durch die Hände Mariens ihrem Sohn Jesus übergeben. Wir legen alles Gott zu Füßen und vertrauen ihm unser Leben an!

Meinen Sie nicht, daß wir aus einem regelmäßigen Beten des Rosenkranzes (und wenn es nur ein paar Minuten täglich sind) große Kraft und inneren Frieden schöpfen können für unser oft so ruheloses und gehetztes Leben? Würde nicht der Friede, den wir selber finden, dann auch einkehren in unsere Familien und Gemeinschaften, ja selbst ins öffentlich und politische Leben?

Es scheint wie eine Utopie zu sein – und dennoch: Bei Gott ist nichts unmöglich. Dieses unscheinbare Gebet des Rosenkranzes hat schon vielen Menschen geholfen, das zu entdecken, worauf es ankommt im Leben: die liebevolle Nähe Gottes, der unser wahres Leben ist und uns Großes verheißt. Von ihm empfangen wir für unser irdisches Leben seinen Schutz und Segen sowie die ewige Vollendung in der Herrlichkeit des Himmels. Amen.

 


SANKT JOSEF - www.stjosef.at