Kaplan Dr. Josef Spindelböck

 

Predigt am 29. Sonntag im Jahreskreis B

(22. Oktober 2000)
Sonntag der Weltkirche = Weltmissionssonntag

 

L 1: Jes 53,10-11; L 2: Hebr 4,14-16; Ev: Mk 10,35-45

Hier finden Sie alle liturgischen Texte dieses Sonntags: Schott-Messbuch online

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Jedes Jahr läßt uns die Kirche an einem bestimmten Sonntag das wichtige Anliegen der Mission bewußt werden. Es ist dies der Weltmissionssonntag, auch „Sonntag der Weltkirche“ genannt. Ab und zu tut es gut, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken, und der Namenszusatz „katholisch“, den unsere Kirche führt, heißt ja übersetzt so viel wie „allumfassend, universal, weltweit“.

Die Kirche Christi ist also jene Gemeinschaft, jenes Volk Gottes, das nicht eingeschränkt ist auf die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Nation, einem bestimmten Volk oder einer bestimmten Sprache. Aus allen Völkern und Stämmen hat Gott die Menschen zusammengerufen, damit sie an ihn glauben und ihm dienen. Während im Alten Bund das Heil einem einzigen Volk in besonderer Weise geschenkt wurde, nämlich dem jüdischen, sind durch das Kommen Christi, des Erlösers der Welt, die Tore aufgetan für alle Menschen aller Zeiten.

Nichts anderes hat er ja selbst verkündet, als er den Aposteln auftrug: „Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,19 f).

Es ist also keine Anmaßung, wenn die Kirche Missionare zu jenen Menschen sendet, die Christus noch nicht kennen, damit sie von ihm erfahren und an ihn glauben. Wie sollen die Menschen die Wahrheit des Heils glauben können, wenn sie ihnen niemand verkündet? Denn der Glaube kommt vom Hören (vgl. Röm 10,17)!

Natürlich darf der Glaube an Christus niemandem aufgedrängt oder gar mit Gewalt erzwungen werden. Glauben heißt ja mit freiem Willen Gott anhangen und ihm voll und ganz vertrauen, auf sein Wort und seine Wahrheit das eigene Leben bauen.

An diesem Sonntag der Weltkirche tut es gut, uns daran erinnern zu erinnern, daß wir den Glauben selbst einmal empfangen haben. Das gilt für die Kirche in unseren Ländern, die vor Jahrhunderten durch Missionare das Wort Gottes angenommen hat. Das gilt aber auch für einen jeden einzelnen von uns: Denn der Glaube ist keine Erfindung oder etwas, das sich jemand ausgedacht hätte, sondern wir haben den Glauben von jenen empfangen, die vor uns schon geglaubt haben. Und umgekehrt gilt: Auch wir sollen den Glauben an Gott leben und weitergeben – an unsere Kinder und Freunde, an alle Menschen, die wir in unserem Lebensbereich antreffen!

Wo liegen die Missionsländer von heute? Natürlich gibt es Gegenden, z.B. in China, in denen viele Menschen noch wenig von Jesus Christus gehört haben und nicht an ihn glauben. An diesem heutigen Sonntag denken wir besonders an die Menschen in Südafrika: an jene, die bereits gläubig sind und an jene, zu denen das Evangelium erst gelangen soll. Durch die Sammlung des heutigen Tages werden besonders die missionarischen Christen in Südafrika unterstützt, z.B. Priester, Ordensleuten und Katecheten und ihre Projekte.

Aber ist nicht auch unser Land, ist nicht auch Europa teilweise bereits wieder ein Missionsgebiet geworden? Wie viele von denen, die getauft sind, leben wirklich als überzeugte Christen? Und es gibt auch in Europa viele Menschen, die noch nicht getauft sind oder einer anderen Glaubensrichtung angehören!

Darum ruft der Heilige Vater, Papst Johannes Paul II., gerade heuer, im Heiligen Jahr 2000, wieder zur Mission und auch zur Neu-Evangelisierung auf. Es ist ein Dienst der Liebe, wenn wir anderen Menschen die Wahrheit Christi verkünden und selbst danach zu leben suchen. „Wer sich nun vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen“ (Mt 10,32), sagte Jesus einmal.

Danken wir Gott für den Glauben, er ist unser kostbarstes Geschenk. Denn in diesem Glauben werden wir gerettet, wenn wir ausharren und die Werke der Liebe üben. Dann hoffen wir mit allen Heiligen und Engeln des Himmels einst teilzuhaben an der ewigen Herrlichkeit Gottes im Himmel! Amen. 

 


SANKT JOSEF - www.stjosef.at