Josef Spindelböck

Ein Licht ist uns erstrahlt

Predigt am 2. Sonntag nach Weihnachten
4. Januar 2009, Lesejahr B

L 1: Sir 24,1-2.8-12 (1-4.12-16); L 2: Eph 1,3-6.15-18; Ev: Joh 1,1-18 (1,1-5.9-14

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Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

An diesem 2. Sonntag in der Weihnachtszeit wird uns im Evangelium nochmals der Prolog des Johannes-Evangeliums vorgelesen. Früher war dies als sogenanntes Schlussevangelium nach jeder Messe vorgesehen; auch heute gibt es dazu die Möglichkeit in der „außerordentlichen Form“ des römischen Ritus. Dass die Kirche uns diesen Teil des Evangeliums so oft verkündet, weist auf die besondere Bedeutung dieser Worte hin.

Johannes der Evangelist hat sein Evangelium wahrscheinlich als letzter der Evangelisten verfasst; jedenfalls war er wie wohl kein anderer durchdrungen vom Geheimnis des fleischgewordenen Wortes und hat dafür in Wort und Tat Zeugnis gegeben. Johannes war es auch, der als Jünger, den Jesus besonders liebte, vom Kreuz herab die Worte hören durfte: „Siehe, deine Mutter.“ Und so hat dieser Jünger Johannes gemäß der christlichen Überlieferung für die Mutter des Herrn gesorgt und ist ihr geistlich nahegestanden. Wen wundert es da, wenn er gleichsam in der Schule Marias zu einer ganz tiefen Einsicht in die Geheimnisse des Glaubens gelangt ist, die er dann auch den Hörern und Lesern seines Evangeliums mitteilen wollte?

Gottes ewiges Wort ist Fleisch geworden; Gott ist als Mensch einer von uns geworden. So verkündet uns Johannes gleich am Beginn seines Evangeliums.

Gott hat uns ganz persönlich angesprochen in diesem Kind im Stall von Bethlehem. Er, der Allmächtige und Vollkommene, der Ewige und Unfassbare, wollte uns nicht erschrecken. Er wollte uns vielmehr mit der Macht seiner Liebe an sich ziehen, indem er uns anblickt mit den Augen eines Kindes.

So schreibt Johannes: „Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.“ Wir sind im Herzen erleuchtet worden durch die frohe Botschaft von der Geburt Christi, welche die Engel den Hirten zuerst verkündet hatten. Gott war von Ewigkeit her das Licht; in ihm gibt es keine Finsternis. Doch dieses Licht ist in die Welt gekommen, um einem jeden Menschen den Weg zum Heil zu weisen. Keiner ist von der Liebe Gottes ausgeschlossen.

Ob reich oder arm, ob gesund oder krank oder behindert, ob geboren oder ungeboren, ob zu diesem Volk oder zu einem anderen gehörig – alle sind wir eingeladen, im Geist heranzutreten zur Krippe von Bethlehem und dieses Kind anzubeten, in dem das Heil der Welt offenbar geworden ist.

Der gläubige Blick Marias und des Nährvaters Jesu, des heiligen Josef, hilft uns, dass wir mitten in der Finsternis der Sünde und des Unglaubens das hoffnungsvolle Licht aufstrahlen sehen, das unter uns erschienen ist. Für uns ist nicht eigens der Stern von Bethlehem aufgegangen wie für die drei Weisen, was wir in wenigen Tagen am 6. Januar feiern. Uns genügt es, dass uns mit den Hirten die frohe Kunde zuteil geworden ist: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.“ (Lk 2,11)

Gott spricht zu uns auf vielfache Weise: durch die Größe und Schönheit der Schöpfung – also durch die Wunder der Natur –, aber auch durch unser Gewissen, das jeden von uns zum Guten einlädt und das Böse zu meiden auffordert. In der Fülle der Zeit aber hat Gott zu uns gesprochen durch seinen Sohn persönlich. Dieses Wort, das Fleisch geworden ist, schenkt uns Leben, wenn wir das Jesuskind im Glauben annehmen.

Pilgern wir im Geiste hin zum Kind in der Krippe und beten wir es an; dann wird das Licht in unserem Herzen aufstrahlen und weithin leuchten – als Zeichen der Hoffnung und der Liebe und als Einladung zu Frieden und Versöhnung!

Amen.

 

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