Kaplan Dr. Josef Spindelböck

 

Predigt am 33. Sonntag im Jahreskreis B

(19. November 2000)

L 1: Dan 12,1-3; L 2: Hebr 10,11-14.18; Ev: Mk 13,24-32


Hier finden Sie alle liturgischen Texte dieses Sonntags: Schott-Messbuch online

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Mit dem Ende des Kirchenjahres werden auch die Texte der Lesungen und des Evangeliums „endzeitlicher“. Das Menschenleben und auch die Geschichte der Völker und Kulturen ist kein ewiger Kreislauf, sondern wie ein Fortschreiten hin zu jenem Ziel, das nur Gott allein kennt.

Großes ist uns verheißen: Wir erwarten das ewige Leben und die Vollendung der Welt im Reiche Gottes, im „neuen Himmel und der neuen Erde“ (vgl. Offb 21,1). Wann der große Tag der Vollendung sein wird, das ist für die Menschheit als ganzes wie auch für jeden einzelnen von uns völlig ungewiß. Wir wissen nur: Einmal werden wir von Gott aus diesem Leben abberufen werden, heim in sein himmlisches Reich. „Es ist dem Menschen bestimmt, einmal zu sterben, darauf folgt das Gericht“ (vgl. Hebr 9,27).

Auch die Opfer jener tragischen Katastrophe von Kaprun haben bestimmt nicht damit gerechnet, von Gott so bald aus diesem Leben gerufen zu werden. Selig sind jene Menschen, die der Ruf Gottes nicht unvorbereitet trifft, die in ihrem Herzen allezeit wachsam sind und sich immer wieder von neuem bemühen, das Gute tun!

Ein solcher Mensch, der das Leben im Glauben bestanden hat und den Tod nicht zu fürchten brauchte, obwohl er sie schon in jungen Jahren – mit 24 – ereilte, war die heilige Elisabet, die jedes Jahr am 19. November gefeiert wird. Das Evangelium, welches unser Herr Jesus Christus verkündet hat, ist durch ihr lebendiges Vorbild gleichsam Fleisch geworden. Sie hat vielen Menschen ihrer Zeit veranschaulicht, was es heißt, Christus nachzufolgen und den Armen zu dienen.

Im Jahre 1207 in Nordungarn geboren, wurde sie schon mit 14 Jahren mit Ludwig IV., dem Landgrafen von Thüringen, vermählt. Reich an natürlichen Talenten, gebildet, froh im Herzen und von einer innigen Liebe zu ihrem Mann, ihren Kindern und allen Menschen erfüllt, für die sie Verantwortung zu tragen hatte, gab sie das Beispiel eines Lebens, das mitten in der Welt Zeugnis ablegt für die Liebe Christi, die alles Begreifen übersteigt. Elisabet pochte nicht auf den Adel ihrer Geburt, sondern suchte allen Menschen nahe zu sein. Wie eine Mutter trug sie für alle Sorge, besonders für die Armen, Kranken und Leidenden.

Ihr Einsatz für die Menschen in Not wurde ihr von ihrer höfischen Umgebung zum Vorwurf gemacht. Doch Elisabet ließ sich nicht erschüttern, denn sie vertraute auf Gott, und auch Ludwig, ihr Mann, stand treu zu ihr und unterstützte sie nach Kräften. Frömmigkeit und christliche Liebe verbanden sich im Leben der heiligen Elisabet zu einer geglückten Einheit. Nach dem frühen Tod ihres Mannes – er starb bei einem Kreuzzug an einer Seuche - wurde Elisabet mit ihren drei Kindern von ihrem Schwager von der Wartburg vertrieben mit der Begründung, sie verschwende öffentliche Gelder für Almosen.

Mit ihrem Witwenvermögen errichtete sie schließlich in Marburg ein Spital, wo sie selbst als Pflegerin im Dienst der Armen tätig war. Bald aber starb sie, vom ständigen Einsatz in ihren Kräften aufgezehrt. Elisabet wurde vom Volk bald als Heilige verehrt sowie von der Kirche heiliggesprochen.

Das Leben dieser großen Frau kann auch uns moderne Menschen ansprechen und beeindrucken. Sie tat viel Gutes, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, und nahm die Kraft dazu aus dem Glauben. Der Glaube an Jesus Christus schenkte ihr inneren Frieden und Freude, sodaß sie äußere Widrigkeiten und Anfeindungen gerne ertragen konnte. Elisabet war eine mutige und tapfere Frau, die dem Antrieb ihres Herzens folgte und sich nicht nach dem Gerede jener richtete, die zwar immer etwas kritisieren, selber aber nichts ausrichten im Dienst an den Menschen.

Beides gehört zusammen – das Gebet und der Glaube sowie die helfende Tat. Auf diese Weise war Elisabet wohlvorbereitet, ihr Leben dem Schöpfer zurückzugeben, als er sie heim rief in sein himmlisches Reich.

Liebe Brüder und Schwestern, das ist auch unsere Perspektive, auch unser Ziel! Wir sind nicht für die Vergänglichkeit weniger Jahre bestimmt, sondern für ein ewiges Leben bei Gott, für ein Glück, das unser Herz nicht zu begreifen vermag. Nutzen wir die Zeit, und versuchen wir, im Glauben stark und in der Liebe treu zu sein. Ein jeder hat viele Gelegenheiten, täglich Gutes zu tun. Suchen wir nicht nach Ausreden – „Ich kann nicht, ich habe keine Zeit ...“ –, sondern nehmen wir unsere ganz persönliche Verantwortung wahr. Nur das vermag uns wirklich mit innerem Frieden zu erfüllen. Wer den Willen Gottes tut, hat sein Leben dort verankert, wo ihn letztlich nichts zu erschüttern vermag.

Bitten wir die heilige Elisabet um ihre Fürsprache, zusammen mit den vielen anderen heiligen Frauen und Männern, die ihr Leben auf Erden mit Gottes Hilfe bestanden und die ewige Seligkeit im Himmel erlangt haben. Amen. 

 


SANKT JOSEF - stjosef.at