Kaplan Dr. Josef Spindelböck
Predigtimpuls für den 26. Januar 1997
Lesejahr B, 3. Sonntag im Jahreskreis.
L 1: Jona 3,1-5.10; L 2: 1 Kor 7,29-31; Ev: Mk 1,14-20
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Von Buße und Umkehr ist die Rede in der heutigen Lesung aus dem Buch Jona, und auch Jesus spricht in ähnlichen Worten zu uns, wie wir eben im Markus-Evangelium gehört haben. Der moderne Mensch weiß mit diesen Worten und Begriffen nicht viel anzufangen. Sie klingen düster und unangenehm in seinen Ohren. Der Mensch ohne Gott weiß sich niemandem mehr verantwortlich. Er ist autonom und möchte tun und lassen, was ihm gefällt. So gibt es in seinen Augen natürlich auch keine Sünde mehr, denn Sünde ist Schuld vor Gott.
Auch Christen kennen die Versuchung, bestimmte Wahrheiten des Glaubens zu leugnen oder einfach totzuschweigen. Wer hört oder predigt schon gern vom Gericht Gottes und der Möglichkeit ewiger Verdammnis? Das Evangelium ist eine Frohbotschaft, heißt es. Und dies ist zweifellos richtig. Aber ist damit jeder Ernst in der Verkündigung der Worte Jesu aufgehoben? Kommen alle Menschen automatisch in den Himmel?
Als der Prophet Jona den Bewohnern der Großstadt Ninive das drohende Gericht Gottes verkündet, da gehen diese in sich. Sie erkennen und bereuen ihre Sünden. Sie rufen ein Fasten aus und ziehen Bußgewänder an. Und Gott erbarmt sich ihrer. Er sieht ihren Willen zur Umkehr und läßt ab vom angedrohten Unheil. Die Buße, die jemand bereitwillig auf sich nimmt, erscheint hier also als ein Weg zum Heil!
Das Markus-Evangelium berichtet die Worte, die Jesus bei seinem öffentlichen Auftreten zuerst gesprochen hat. Es ist eine trostvolle Verheißung und Zusage, wenn Jesus verkündet: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe.“ Wie lange haben die Menschen schon auf das Kommen des Erlösers gewartet, und nun ist der Messias endlich erschienen! Mit dem Kommen Jesu ist die „Fülle der Zeit“ angebrochen. Das Himmelreich, das Reich der Liebe und des ewigen Friedens, ist in Jesus Christus zu uns gekommen. Diese f rohe Botschaft ist der Kern der Predigt Jesu.
Jesus nennt aber auch die Bedingungen für die Annahme und Aufnahme des Reiches Gottes. Er mahnt mit eindringlichen Worten: „Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ Umkehr von den Sünden und Hinwendung zu Gott durch den Glauben sind also die notwendigen Voraussetzungen für das heilbringende Kommen des Reiches Gottes. Das eigentliche Übel für uns Menschen ist ja die Sünde, die Abkehr von Gott, wenn wir uns seiner Liebe widersetzen und Böses tun. Daher verlangt Jesus die Bekehrung der Menschen.
Hinwendung zu Gott geschieht durch den Glauben.Unser Glaube an das Evangelium ist mehr als die bloße Annahme oder Vermutung, es könne doch „etwas Höheres“ geben. Der Glaube ist vielmehr ein überzeugtes und entschiedenes Ja zu Gott, der zu uns gesprochen hat durch seinen Sohn Jesus Christus. Glaube ist Ganzhingabe an Gott. Wir schenken Gott unser Leben und vertrauen ihm ganz. Er kann uns nicht in die Irre führen. Auf seine Wort, auf seine Liebe und Treue bauen wir!
Genau das verlangt Jesus Christus, einen Glauben ohne Zweifel oder Hintertür, die kindliche Hinwendung zu Gott als unserem Vater. Für solche Menschen steht das Himmelreich offen! Das Evangeliums ist also eine ernste Aufforderung zur Umkehr und zum Glauben, zugleich aber wirklich Frohbotschaft. Denn eine größere Freude kann uns niemand geben als Gott, der uns seine liebevolle Nähe schenkt und das ewige Leben verheißt. Lassen wir uns ein auf den Ruf Gottes und antworten wir ihm mit Glaube, Hoffnung und Liebe!
Heuer feiern wir das 80-Jahr-Jubiläum der Erscheinungen der Gottesmutter Maria in Fatima. Sie hat die Menschen gebeten, Buße zu tun und umzukehren von ihren Sünden. In besonderer Weise hat sie zum Beten des Rosenkranzes für die Bekehrung der Sünder aufgerufen. Die Botschaft von Fatima ist sozusagen eine Kurzfassung des Evangeliums. Maria ruft nur das in Erinnerung, was Jesus gesagt hat. Umkehr und Buße sind im letzten ein Weg zur Freude und zum ewigen Leben bei Gott. Wenn wir die Liebe zu Gott und zu den Menschen üben, werden wir den Trost und die Nähe des Reiches Gottes erfahren dürfen. Wir spüren den Frieden, den nur Gott allein geben kann und erwarten voll Zuversicht das ewige Leben bei Gott. Amen.
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