Dr. Josef Spindelböck
Predigt am Christkönigssonntag
23. November 2003
Lesejahr B,
Christkönigssonntag (Letzter Sonntag im Jahreskreis)
L 1: Dan 7,2a.13b-14; L 2: Offb 1,5b-8; Ev: Joh 18,33b-37
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Schott-Messbuch
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Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Auch wenn uns heute im
Allgemeinen die Wirklichkeit eines Königtums fremd ist, so wissen wir doch, was
mit einem König gemeint ist. Ein König
hat die Aufgabe zu herrschen und für die ihm Untergebenen in einer Weise zu
sorgen, dass dies dem Wohl der einzelnen und der Gemeinschaft auf bestmögliche
Weise dient. Der König ist Gott und den Menschen verantwortlich.
In welcher Weise ist Christus ein König? Er hat sein
Königtum auf dieser Erde nicht dadurch ausgeübt, dass er eine politische
Herrschaftsstellung innehatte. Sein Königtum war ein Königtum des Dienens. Nicht um Macht ging es ihm, sondern darum,
den Willen des himmlischen Vaters zu erfüllen und den Menschen das Heil zu
schenken. Vor Pilatus hat Jesus bekannt, dass er ein König ist. Doch sein Reich
ist nicht von dieser Welt. Er ist in diese Welt gekommen, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen.
Als König ist Jesus Christus
von Gott dem Vater gekommen, um uns das Leben
in Fülle zu schenken. Es ist das ewige Leben, das in der Gemeinschaft mit
Gott besteht. Jesus ist insbesondere zu den Armen und Kranken gekommen, zu den
Leidenden und zu den Sündern. Allen wollte er Heil und Heilung bringen für Leib
und Seele.
Die Vollendung des Königtums
Christi ist im Leiden und Sterben am Kreuz geschehen. Dort hat er sich
hingegeben aus Liebe, um uns zu erlösen von der Sünde und allem Bösen. Sein Königtum ist Hingabe bis zum Tod am
Kreuz. Gerade da, wo der „König der Juden“ wie ein Verbrecher starb, hat
sich seine Liebe bis ans Ende erwiesen. Es ist eine unbedingte Liebe der
Hingabe, die jeden retten will. Der reumütige
Schächer am Kreuz ist hier ein Beispiel. Er empfing die Gnade, vor seinem
Tod die eigene Schuld einzusehen und sich demütig und vertrauensvoll in die
Hand dessen zu geben, der ihn vor dem ewigen Tod retten konnte. So versprach
ihm Jesus Christus das ewige Leben.
Die Dornenkrone, die Jesus
aufgesetzt wurde und als Zeichen des Spottes und Ausdruck der Verachtung
diente, wurde durch das Sterben des Herrn zu einem Siegeszeichen. Als Jesus auferstanden und verherrlicht war, da
hat er sein Königtum in Macht auch
als Mensch angetreten. Er ist ja wahrer Mensch und wahrer Gott. Als Gott ist er
von Ewigkeit her der einzige König in der Einheit mit dem Vater und dem
Heiligen Geist. Als Mensch wurde er durch Auferstehung und Himmelfahrt
eingesetzt als König in Herrlichkeit.
Bevor Jesus Christus am Ende
der Welt wiederkommt, um zu richten die Lebenden und die Toten, gilt es, sich
auf Erden zu bewähren. Unsere Aufgabe ist es, an ihn als den König zu glauben und ihm zu dienen. Wir sollen ihm
die Treue bewahren und seine Gebote halten. Wir sollen aus dem Geist
der Liebe handeln und unseren Mitmenschen
Gutes tun. Gerade dann, wenn wir den Kranken und Armen, den Leidenden und
Bedürftigen begegnen und ihnen in Liebe dienen, erfahren wir die Gemeinschaft
mit dem Herrn. Er ist es selbst, dem wir in den Ärmsten der Armen dienen!
Was verlangt Jesus als König
von uns? Nichts anderes möchte er als unser
Herz, das wir ihm in Liebe schenken, damit er ganz als König herrschen
kann. Wer zu lieben vermag, der wird nichts zurückbehalten, sondern alles hingeben.
Es geht um die Ganzhingabe des Herzens im Dienste Gottes und der Mitmenschen.
Nur wer sich selbst verschenkt und sein Leben
zu einer Gabe macht, gewinnt sein Leben. Wer hingegen ängstlich um seine
eigene Sicherheit und sein Wohlergehen besorgt ist und den Mitmenschen
vergisst, der macht sich unfähig zur Liebe und wird sich auch schwer tun, sich
von Gott, der die Liebe ist, das ewige Heil schenken zu lassen.
Bitten wir die heilige Gottesmutter Maria, dass sie uns helfe,
Jesus als den verborgenen König der Herzen zu begreifen. Er wird seine
Herrschaft antreten in sichtbarer Weise, wenn er wiederkommt am Ende der
Zeiten. Unsere persönliche Begegnung mit ihm wird stattfinden in der Stunde des
Todes. Wir brauchen nichts zu fürchten, wenn wir glauben und vertrauen und wenn
wir die Verzeihung annehmen, die er uns immer wieder schenken will. Leben wir
nach seinen Geboten und empfangen wir die heiligen Sakramente als Kraftquellen!
Dann wird uns der ewige König, wenn er wiederkommt in Herrlichkeit, aufnehmen in
sein himmlisches Reich. Amen.