Josef Spindelböck

Warum feiern wir Weihnachten?

Predigt in der Heiligen Nacht
24/25. Dezember 2008, Lesejahr B

Messe in der Nacht: L 1: Jes 9,1-6; L 2: Tit 2,11-14; Ev: Lk 2,1-14
Am Morgen: L 1: Jes 62,11-12; L 2: Tit 3,4-7; Ev: Lk 2,15-20
Am Tag: L 1: Jes 52,7-10; L 2: Hebr 1,1-6; Ev: Joh 1,1-18

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Was ist der Inhalt des Weihnachtsfestes? Worauf kommt es an? Was feiern wir und warum?

Vielleicht scheint es uns überflüssig, diese Frage überhaupt zu stellen. Und doch geht es hier um das Wesentliche. Wenn wir hierauf keine Antwort wissen, dann können wir womöglich mit dem Fest nichts anfangen oder es ist für uns vielleicht wirklich nur mehr das Fest des Kommerzes, also des Geschäfts.

Und wenn jemand doch tiefer sieht und sagt: Weihnachten ist das Fest der Familie, des Schenkens, der mitmenschlichen Verbundenheit – dann ist auch diese Aussage noch ohne ein letztes Fundament, wenn wir den Glauben außer acht lassen.

Die Antwort darauf, was wir zu Weihnachten feiern und woher alles übrige seinen Sinn bezieht, finden wir im Blick auf die Krippe und im Hören des Weihnachtsevangeliums. Kurz zusammengefasst haben es jene Plakate, die wir heuer verschiedentlich vorfinden und auf denen zu lesen ist: „Zu Weihnachten wurde Jesus Christus geboren. Ein Fest der Freude für die Menschen.“

Von der Geburt jenes Kindes im Stall von Bethlehem hängt alles übrige ab: Wie die Hirten wollen wir demütig niederknien vor dem menschgewordenen Gott, der gekommen ist, um uns zu erlösen. Die Freude der Mutter Maria und des heiligen Josef, des väterlichen Beschützers des Jesuskindes, möge auch unser Herz erfüllen!

Was sagt uns dieses Kind? Es spricht zu uns noch nicht mit Worten, aber durch sein Dasein. Seine Botschaft lautet: „Glaube, vertraue auf Gott!“ Er meint es gut mit den Menschen. Mögen auch Kriege und Katastrophen den Gang der Geschichte kennzeichnen, mag es das Leiden in vielfältiger Form geben und auch die Bedrohung durch den Tod: Gott ist auf der Seite der Menschen. Friede auf Erden allen Menschen seiner Gnade!

Das Kind von Bethlehem ruft uns zu: „Halte dich nicht selbst so wichtig! Stell dich nicht selbst in den Mittelpunkt, sondern denk an andere. Hab ein Herz für deine Mitmenschen. Denn letztlich zählt nur die Liebe.“

Die Hirten haben dies sehr gut begriffen. Sie waren einfache und doch tief nachdenkliche Menschen. Der Blick auf das Wesentliche hat sie ausgezeichnet.

Sollten nicht auch wir über die Tagesaktualitäten hinaus stets neu das Herz dorthin lenken, wo wir Bleibendes und Beständiges, ja Unvergängliches vorfinden? Das Kind in der Krippe weist uns den Weg. Es lädt uns ein zu mehr Menschlichkeit und zu größerer Gottverbundenheit. Gott ist einer von uns geworden, damit wir zu seinen Kindern werden.

Diesen Glauben gilt es zu Weihnachten neu zu entdecken, in dieser „Heiligen Nacht“. Uns selbst wenn jemanden nur die Tradition dazu gebracht hätte, dieses Fest auch heuer wieder zu feiern: Wir haben stets neu die Möglichkeit, zum Kern des Glaubens vorzudringen. Gott macht uns keine Vorwürfe, sondern empfängt uns durch das Kind von Bethlehem mit argloser Liebe.

Nehmen wir das Jesuskind auf in unseren Herzen, dann wird die Freude dieser Heiligen Nacht bei uns bleiben und wir werden begreifen, was es heißt, wenn Gott sagt: „Siehe, ich schaffe alles neu und schenke euch ein neues Herz!“

Amen.

 

 

SANKT JOSEF - www.stjosef.at