Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Mank

Predigtimpuls für das Fest der Heiligen Familie
am 29.12.1996


L 1: Sir 3,2-6.12-14 oder Gen 15,1-6; 21,1-3;
L 2: Kol 3,12-21 oder Hebr 11,8.11-12.17-19; Ev: Lk 2,22-40 (Lesejahr B)



Liebe Gläubige!


Der Sonntag in der Weihnachtsoktav wird von der Kirche als „Fest der Heiligen Familie“ gefeiert.

Jesus, Maria und Josef bildeten nach dem Willen Gottes eine Familie. Die Jungfrau Maria wurde von Gott auserwählt, die Mutter des Messias zu werden. Obwohl sie mit Josef verlobt war, empfing sie ihr Kind Jesus nicht durch das Zutun eines Mannes. Die Kraft Gottes, das Wirken des Heiligen Geistes, brachte in ihrem Schoß den menschgewordenen Sohn Gottes hervor.

Josef, dem Verlobten Marias, wurde vom Engel aufgetragen, Maria als seine Frau zu sich zu nehmen. So wurde er zugleich zum gesetzlichen Vater Jesu bestellt. Gott übertrug Josef alle Rechte, die ein irdischer Vater über sein Kind hat. Und Josef sorgte in liebevoller Weise für das Jesuskind. Im heutigen Evangelium erfüllen Maria und Josef die vom Gesetz vorgeschriebene Pflicht, das Kind nach Jerusalem zu bringen, um es dem Herrn zu weihen. Jesus wäre eigentlich als Sohn Gottes davon ausgenommen gewesen (denn er ist ja als Gott seit Ewigkeit und als Mensch seit seiner Empfängnis schon ganz dem Willen seines himmlischen Vaters hingegeben), aber aus Solidarität mit den Menschen, die unter dem Gesetz stehen, nahm er diese Pflicht des Gesetzes mit der Hilfe seiner Eltern auf sich.

Im Mittelpunkt der Heiligen Familie steht ganz gewiß das göttliche Kind, Jesus Christus, der Herr und Heiland. Er wollte dreißig Jahre hindurch in einer menschlichen Familie leben. So hat er die Familie als gottgewollte Einrichtung bestätigt und geheiligt. Der heilige Augustinus hebt hervor, daß in der Ehe von Maria und Josef alle wesentlichen Güter der Ehe vorhanden waren, nämlich die Nachkommenschaft: Jesus Christus; die Treue, da es keinen Ehebruch gab; das Sakrament, da keine Scheidung erfolgte.

Wenn gerade in der heutigen Zeit Ehe und Familie in einer tiefen Krise stecken, so ist es wichtig, auf das Vorbild der Heiligen Familie zu schauen. Freilich soll gerade die Familie von Nazareth nicht einfach als romantische Idylle dargestellt werden. Jesus Christus wollte seinen Eltern Prüfungen nicht ersparen. Denken wir nur an die Wallfahrt nach Jerusalem, wo der zwölfjährige Jesus von seinen Eltern drei Tage lang nicht gefunden wurde. Seine Antwort war Maria und Josef unverständlich: „Wußtet ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meinem Vater gehört?“ (Lk 2,49)

Im Weg des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe bestanden Maria und Josef den Alltag. Er war geheiligt durch die besondere Anwesenheit und Liebe des göttlichen Kindes.

Auch unsere Ehen und Familien sollen versuchen, Jesus Christus in ihr Leben hereinzunehmen. Ja eigentlich soll die ganze Heilige Familie Anteil erhalten an den Freuden und Sorgen des Familienlebens.

Wenn wir Gott im Gebet auf die Fürsprache Mariens und des heiligen Josef alles übergeben, wird der Alltag leichter zu tragen sein. Trotz mancher Prüfungen werden so auch unsere Familien wieder zu Stätten des Glaubens und der gegenseitigen Liebe werden können.

So hoffen und beten wir, daß sich von den christlichen Familien aus Kirche und Gesellschaft wieder erneuern mögen!

Amen.


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