Dr. Josef Spindelböck

Predigt am Fest der heiligen Familie
1. Sonntag nach Weihnachten
29. Dezember 2002 (Lesejahr B)

 

L 1: Sir 3,2-6.12-14 oder Gen 15,1-6; 21,1-3;
L 2: Kol 3,12-21 oder Hebr 11,8.11-12.17-19; Ev: Lk 2,22-40 (Lesejahr B)

Die aktuellen Meßtexte finden Sie im Schott!

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Der heutige 1. Sonntag nach Weihnachten wird als „Fest der heiligen Familie“ gefeiert. Das Kind Jesus, dazu Maria, seine Mutter, und der heilige Josef als väterlicher Beschützer – dies ist die heilige Familie, in der Gott selber einen neuen Anfang gesetzt hat für die gefallene und erlösungsbedürftige Menschheit!

Die meisten von uns haben das Geschenk erhalten, in einer Familie aufzuwachsen. Wem dies nicht zuteil wurde, der ist deswegen nicht weniger wert. Er weiß aber selber am besten, was ihm gefehlt hat – mütterliche und väterliche Zuwendung, Geborgenheit im Kreis der Eltern und Geschwister – und sehnt sich daher im Grunde doch nach einer Familie, die er vielleicht selber im Leben gründen und verwirklichen will.

Wir wissen, daß Ehe und Familie für den Bestand der Gesellschaft unersetzbar sind. Hier werden Fundamente des Zusammenlebens grundgelegt, ohne die vieles aus dem Gleichgewicht kommen würde. Unersetzbare Werte des Lebens werden vermittelt, das Gewissen wird ausgeformt und gebildet. Ja, die Familie ist auch die erste Schule des Glaubens, der Ort, wo Kirche zuerst und im kleinen erfahren wird: Die Familie ist wirklich ein Heiligtum der Liebe und des Lebens!

Unser Heiliger Vater, Papst Johannes Paul II., hat am 22. November 1981 – also bereits vor über 20 Jahren – ein wichtiges Apostolisches Schreiben „über die Aufgaben der christlichen Familie in der Welt von heute“ (es trägt den Titel „Familiaris consortio“) herausgegeben. Es ist auch jetzt noch aktuell und richtungsweisend. Der Papst geht ein auf die Situation der Zeit. Er benennt gleichsam „Licht und Schatten“, d.h. die positiven und negativen Rahmenbedingungen, unter denen sich Ehe und Familie heute verwirklichen.

Als positive Merkmale („Licht“) führt „Familiaris consortio“ an:

o       „Einerseits ist man sich der persönlichen Freiheit mehr bewußt,

o       schenkt der Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen in der Ehe, der Förderung der Würde der Frau, der verantworteten Elternschaft, der Erziehung der Kinder größere Aufmerksamkeit;

o       man weiß darüber hinaus um die Notwendigkeit der Entwicklung von Beziehungen zwischen den einzelnen Familien zu gegenseitiger spiritueller und materieller Hilfe;

o       man entdeckt wieder neu die der Familie eigene ekklesiale Sendung und ihre Verantwortung für den Aufbau einer gerechteren Gesellschaft.“

In der Gegenwart finden sich jedoch auch negative Aspekte („Schatten“).

„Andererseits aber gibt es Anzeichen einer besorgniserregenden Verkümmerung fundamentaler Werte:

o       eine irrige theoretische und praktische Auffassung von der gegenseitigen Unabhängigkeit der Eheleute;

o       die schwerwiegenden Mißverständnisse hinsichtlich der Autoritätsbeziehung zwischen Eltern und Kindern;

o       die häufigen konkreten Schwierigkeiten der Familie in der Vermittlung der Werte;

o       die steigende Zahl der Ehescheidungen;

o       das weit verbreitete Übel der Abtreibung;

o       die immer häufigere Sterilisierung;

o       das Aufkommen einer regelrechten empfängnisfeindlichen Mentalität.“

Am heutigen Fest blicken wir vor allem auf die Heilige Familie. Hier leuchtet uns das Ideal der Liebe auf: Maria und Josef waren einander in heiliger, unverbrüchlicher Liebe und Treue zugetan. Diese ihre Liebe war eingebunden ins göttliche Geheimnis. Nur von Gott her erkannten und lebten beide ihre jeweilige Berufung: Maria als Mutter des menschgewordenen Sohnes Gottes, der heilige Josef als wahrer, aber jungfräulicher Ehemann der Jungfrau Maria und väterlicher Beschützer des Jesuskindes, das in seine Obhut gegeben war.

Wer heute eine wirklich christliche Ehe und Familie führen will, hat es oft nicht leicht. Und doch: Wie groß ist diese Berufung! Wie schön ist dieses heilige Ideal! In allen Schwierigkeiten und Nöten gilt, daß Gott denen nahe ist, die ihn von Herzen suchen. Er steht insbesondere den Ehepaaren und ihren Kindern bei. Von daher dürfen wir nicht schwarz sehen. Jede Familie gibt Hoffnung! Jedes Kind, das geboren wird, ist eine Verheißung, daß Gott diese Welt nicht aufgibt. Hier liegt Zukunft für Kirche und Welt.

Darum wollen wir heute besonders für alle beten, die in Ehe und Familie leben. Wir beten auch für jene, die in zerrütteten Familienverhältnissen leben oder deren Ehe gescheitert ist. Auch sie sind nicht ausgeschlossen von der Liebe Gottes. Gerade die heilige Familie – Jesus, Maria und Josef – möge all diesen Menschen beistehen. Dann wird uns geschenkt werden, einst einzutreten in die Familie der Kinder Gottes in der Herrlichkeit des Himmels. Dort wird unsere Freude vollendet sein! Amen.

 

 


SANKT JOSEF - www.stjosef.at