Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Mank
Predigtimpuls für den Neujahrstag 1997
Hochfest der Gottesmutter Maria
Oktavtag von Weihnachten - Namensgebung des Herrn - Weltfriedenstag
Die Botschaft des Papstes zum Weltfriedenstag finden Sie hier !
L 1: Num 6,22-27; L 2: Gal 4,4-7; Ev: Lk 2,16-21 (Lesejahr B)
Liebe Brüder und Schwestern!
Das neue Jahr 1997 hat begonnen, und die Kirche erwähnt dies auch in ihren liturgischen Gebeten. Aber das Hauptaugenmerk liegt nicht beim Anfang des bürgerlichen Jahres (das Kirchenjahr beginnt ja schon mit dem 1. Adventsonntag!), sondern die Kirche schaut auf den Anfang unseres Heiles in Jesus Christus, der geboren wurde aus der Jungfrau Maria.
So verehren wir heute mit einem eigenen Fest die Gottesmutterschaft Mariens. Es war eine unsagbar große und erhabene Berufung, die Maria durch die Verkündigung des Engels Gabriel zuteil wurde: die Mutter des Sohnes Gottes zu werden. Maria wußte, daß sie diese Erwählung nicht ihrer persönlichen Heiligkeit zuzuschreiben hatte (obwohl sie nach den Worten des Engels „voll der Gnade“ war). Gott, der herabgeschaut hat auf die Niedrigkeit seiner Magd, hatte sie aus Liebe von Ewigkeit her dazu auserwählt, und sie gab ihr demütiges und zugleich so mutiges Ja zu diesem ihr offenbarten Willen Gottes. Sie glaubte und vertraute, daß Gott das Wunder der jungfräulichen Empfängnis Jesu, des verheißenen Messias, in ihrem Leib wirken konnte.
Die Heilsgeschichte insgesamt ist geprägt vom Gedanken der Stellvertretung. Einzelne Menschen, wie z.B. Abraham oder Mose, werden von Gott in besonderer Weise auserwählt. Diese Erwählung gilt aber weniger ihnen persönlich, sondern sie werden als Personen in Dienst genommen von Gott, der durch ihre freie Mitwirkung das Heil vieler Menschen wirken will. Von solchen Schlüsselgestalten der Menschen- und Heilsgeschichte hängt mitunter viel ab:
Adam und Eva als Stammeltern des Menschengeschlechtes versagten in der Prüfung ihrer Liebe zu Gott durch ihr Mißtrauen gegenüber dem Wort Gottes und ihren Ungehorsam. Das ganze Menschengeschlecht ist von den Folgen dieser Ursünde betroffen: Leiden und Tod sind eingekehrt; jeder Mensch wird mit der Erbsünde behaftet geboren, das heißt, er kommt ohne die heiligmachende Gnade, noch nicht als Kind Gottes zur Welt.
Da beschloß Gott in seiner unergründlichen Liebe, in Jesus Christus, dem neuen Adam, die Menschen wieder mit sich zu versöhnen. Durch den Gehorsam Christi in seiner Liebeshingabe an den Willen des Vaters wurde der Ungehorsam und die Schuld Adams gesühnt. Jesus Christus ist unsere Versöhnung beim Vater und unser Friede.
Wie an der Seite des ersten Adam eine Frau mitwirkte zum Unheil der Menschen, so wirkte an der Seite des neuen Adam, Jesus Christus, eine Frau mit zum Heile: Maria wurde zur Gottesmutter erwählt. In ihrem Ja zur Menschwerdung des Sohnes Gottes hat sie stellvertretend für alle Menschen das ewige Wort aufgenommen, das in ihrem Schoße Fleisch werden wollte. Maria hat mitgewirkt an der Erlösung durch ihre Bereitschaft, den Willen Gottes an ihr geschehen zu lassen und aktiv dem göttlichen Heilsplan zu dienen.
So wie Maria sind auch wir aufgerufen, unser Ja zu sprechen zum Plan der Erlösung der Menschen durch Jesus Christus. Gott hat uns ohne unsere Mitwirkung erschaffen, er wollte uns aber nicht ohne unser Mittun erlösen.
Bitten wir die Gottesmutter um ihre Fürbitte bei Gott, daß uns ein empfängliches Herz für das Wort Gottes geschenkt werde. So möge das göttliche Kind in unser Herz einkehren und seine heilige Menschwerdung in unserem Leben wirksam werden, und dies besonders im eben begonnenen neuen Jahr 1997! Amen.
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