Predigt am 32.
Sonntag im Jahreskreis C
(8. November
1998)
L 1: 2 Makk 7,1-2.7a.9-14; L 2: 2 Thess 2,16-3,5; Ev: Lk 20,27-38
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Wenn bei manchen Menschen die Rede auf den Tod und die Frage nach dem ewigen Leben kommt, dann antworten sie – selbst wenn es Christen sind – vielleicht mit der Ansicht: "Wer weiß, ob es etwas danach gibt. Es ist schließlich noch keiner zurückgekommen." Diese Aussage klingt harmlos, offenbart aber ein Stück Unglauben. In ähnlicher Weise muß es zur Zeit Jesu gewesen sein, als eine Gruppe religiöser Menschen, die Sadduzäer, die Auferstehung der Toten leugneten. Sie trauten es Gott nicht zu, daß er die Leiber der Toten auferwecken würde. Ihr kleiner Verstand wollte es nicht wahrhaben, und Gott mußte sich ihrem Denken unterordnen.
Weil sie wußten, daß Jesus das Gegenteil lehrte, kamen sie eines Tages zu ihm, um ihm eine Fangfrage zu stellen. Sie konstruierten ein Beispiel: Eine Frau sei nacheinander mit sieben Männern verheiratet gewesen. Einer nach dem anderen sei gestorben und habe keine Kinder hinterlassen. Mit wem – so fragten sie – werde sie nach der Auferstehung der Toten verheiratet sein?! Sie hoffen auf diese Weise Jesus in Verlegenheit zu bringen, ihn der Lächerlichkeit preiszugeben und die Unmöglichkeit des Auferstehungsglaubens aufzuzeigen.
Jesus aber bleibt ihnen die Antwort nicht schuldig. Ganz klar widerlegt er ihre Denkweise. Seine Antwort zeigt den Sadduzäern zweierlei: Gott ist ein Gott der Lebenden und nicht der Toten – folglich gibt es die Auferstehung. Aber der Zustand, in dem sich die Menschen nach der Auferweckung des Leibes befinden werden, wird sich wesentlich vom Leben hier auf Erden unterscheiden. Die Menschen werden "den Engeln gleich" sein, da sie "durch die Auferstehung zu Söhnen Gottes geworden sind". Und konkret auf das Beispiel der Frau mit den sieben Männern angesprochen, antwortet Jesus: Im Himmelreich werden die Menschen nicht mehr heiraten. Dort gibt es nicht mehr die paarweise Zuordnung der Menschen im Sinn der Ehe, sondern einen anderen Lebensstand, eben die Lebensweise des Himmels, wo die Menschen in einer ganz neuen Weise Gemeinschaft erfahren – mit Gott, aber auch untereinander als Gemeinschaft der Heiligen.
Haben wir schon einmal darüber nachgedacht, was das bedeutet? Jesus schätzt die Ehe als einen heiligen Bund, da sie von Gott dem Schöpfer eingesetzt wurde und das Ziel hat, Mann und Frau in gegenseitiger Liebe zu einen und für die Zeugung und Erziehung von Kindern zu sorgen. Ja die Ehe unter Christen ist so heilig, daß sie ein Sakrament ist, wie wir gläubig bekennen. Und dennoch ist die Ehe nur ein Weg zu einem vollkommeneren Zustand, dem Leben mit Gott in der himmlischen Seligkeit. Die Ehepartner versprechen einander die Treue, "bis der Tod sie scheidet". Das schließt ein, daß nach dem Tod eines Partners der andere Teil wieder heiraten kann. Das schließt auch ein, daß nach diesem Leben die Ehe nicht weitergeführt werden wird.
Vielleicht fragt jemand, ob Gott denn nicht möchte, daß die Liebe zwischen Mann und Frau auch nach dem Tod weiterbesteht. Darum geht es hier nicht. Denn die Liebe kommt von Gott und ist heilig. Gott selbst ist die Liebe (vgl. 1 Joh 4,8.16). Daher dürfen wir davon ausgehen, daß diese heilige Liebe zwischen Mann und Frau kein Ende finden wird, sondern vollendet wird. Es geht bestimmt nichts verloren im Himmelreich, es wird nur das Irdische verwandelt, vervollkommnet und veredelt. Die Ehe allerdings wird es nicht mehr geben.
Noch eine wichtige Überlegung: Es gibt auf dieser Welt nicht nur Menschen, die zur Ehe berufen sind, sondern auch solche, die Gott zur Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen ruft. Wir denken hier an die Ordensleute und Priester, die nach dem Beispiel Jesu freiwillig auf das hohe Gut der Ehe verzichten, um sich Gott und den Menschen ungeteilt in Liebe hinzugeben. Wenn jemand diesen Verzicht auf die Ehe um des Himmelreiches willen mit ganzem Herzen lebt, so wird er schon auf der Erde einen Vorgeschmack der himmlischen Lebensweise erfahren. Das Leben dieser Personen ist ein Zeugnis dafür, daß es noch anderes gibt, als diese Welt zu bieten hat. Würden solche Berufungen ganz erlöschen, dann fehlte der Kirche etwas Wesentliches: Der Hinweis auf das ewige Leben bei Gott, das lebendige Zeugnis für die Auferstehung des Leibes.
Harren wir in Treue aus in unserem Lebensstand, eben dort, wohin uns Gott berufen hat, sei es die Ehe oder die gottgeweihte Ehelosigkeit. Beten wir für die jungen Menschen, daß sie ihren Weg und ihre Berufung finden. Seien wir uns in gläubiger Hoffnung bewußt, daß Gott der Herr einmal alles wunderbar vollenden wird in der himmlischen Herrlichkeit. Denn kein Auge hat es gesehen und kein Ohr hat es gehört, was "Gott denen bereitet hat, die ihn lieben" (1 Kor 2,9). Das ist der Inhalt unserer gläubigen Hoffnung. Dieses Leben bei Gott, die Teilnahme am "Hochzeitsmahl des Lammes", erwarten wir mit großer Freude. Die Liebe, auf die hin der Mensch mit seinem ganzen Wesen erschaffen ist, wird dann ihre Vollendung finden und kein Ende haben. Amen.
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Gemeinschaft vom heiligen Josef