Predigt am 33.
Sonntag im Jahreskreis C
(15. November
1998)
An diesem Tag wird das Hochfest
des heiligen Leopold von Österreich gefeiert.
Siehe zu diesem Fest die Leopoldi-Predigt
von 1997. Hier folgt eine Sonntagspredigt.
L 1: Mal 3,19-20b; L 2: 2 Thess 3,7-12; Ev: Lk 21,5-19
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Im heutigen Evangelium spricht Jesus vom herannahenden Ende. Die Beschreibungen der Nöte und Wehen des Endes dieser Weltzeit entsprechen inhaltlich dem, was in gewaltigen Bildern die Offenbarung des Johannes zeigt. Wir begreifen: Es muß eine Zeit sein, die alles Bisherige in den Schatten stellt, die von unvorstellbarer Not, von Katastrophen und Verfolgungen gekennzeichnet ist. Die Zeitgenossen Jesu konnten sich das am Beispiel des herrlichen Tempels von Jerusalem klarmachen, der zerstört werden wird, wie Jesus voraussagt. Bekanntlich ist dies dann ja eingetroffen.
Aber all dieses Negative und Beängstigende einer möglichen Apokalypse ist nur die eine Seite des Ganzen. Es gibt heute "Unheilspropheten", die nur das Negative herausstellen und die Zukunft in den schwärzesten Farben malen. War Jesus einer von ihnen? Dies würde heißen, seine Frohbotschaft von der Liebe Gottes zu verkennen. Jesus ging es nicht um Angst- und Panikmache vor dem hereinbrechenden Ende, sondern im Gegenteil um Ermutigung zum Glauben und Vertrauen. Die Botschaft Jesu heißt: Was immer geschieht – der Glaubende ist in der Hand Gottes geborgen. "Kein Haar wird euch gekrümmt werden."
Freilich ist dazu eine Ewigkeitsperspektive nötig, die sich nicht zufrieden gibt mit einer zeitlichen Sicht der Dinge. Es gibt ja materielle Katastrophen sowie den Niedergang des Glaubens und die Verfolgung jener, die sich zu Jesus bekennen. "Manche von euch wird man töten." Doch dies ist nicht das Letzte. Entscheidend ist der Glaube an die Auferstehung des Leibes und das ewige Leben. So kann der auf Gottes Liebe vertrauende Mensch letztlich keinen Schaden leiden – mag kommen, was mag. Und es ist auch gar nicht notwendig, ängstlich und besorgt die Tage zu erwarten, ja das wäre sogar schädlich für das rechte Gottvertrauen. "Nehmt euch fest vor, nicht im voraus für eure Verteidigung zu sorgen." Denn Gott wird seinen Getreuen die rechten Worte eingeben, wenn es soweit kommen sollte.
Vielleicht denkt mancher: Das Beschriebene mag für die letzten Zeiten der Welt zutreffen, die ich hoffentlich nicht mehr zu erleben brauche. Für mich gilt das alles nicht in dieser Schärfe. Nein! Es hat zu allen Zeiten die Bedrängnis und die Drangsal der Apokalypse gegeben. Auch in unserem Leben gibt es die Gefahr des Abfalls vom Glauben, die Verlockungen des Bösen, den breiten Weg, der zum Verderben führt. Jesus möchte uns nicht verunsichern, aber doch jene heilsame Unruhe ins Herz legen, die uns davor bewahrt, in die Irre zu gehen. "Gebt acht, daß man euch nicht irreführt! Denn viele werden in meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es! und: Die Zeit ist da. – Lauft ihnen nicht nach!"
Hüten wir uns also vor den falschen
Propheten, die entweder nur den Ohren schmeicheln oder – Extreme berühren
sich - Angst und Panik verbreiten! Schauen wir auf Jesus Christus und auf
die von ihm gegründete Kirche, der der Beistand des Heiligen Geistes
verheißen ist. Er wird die Kirche sicher in die ewige Zukunft Gottes
geleiten, und uns mit ihr. Was immer geschieht, Gott ist bei uns. Seine
Liebe genügt uns für Zeit und Ewigkeit. Amen.
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