Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs/Donau
Predigt am 3. Adventsonntag
14. Dezember 1997, Lesejahr C
Lesungen: L 1: Zef 3,14-17; L 2: Phil 4,4-7; Ev: Lk 3,10-18
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Der heutige 3. Adventsonntag läßt uns schon etwas von der Freude des kommenden Weihnachtsfestes verkosten. Er hat den lateinischen Namen: "Gaudete" - "Freuet euch!" Diese Worte sind der heutigen Lesung aus dem Philipperbrief entnommen. Paulus richtet an die Gemeinde von Philippi den Aufruf: "Freuet euch im Herrn zu jeder Zeit!"
Es ist für uns Christen wichtig, nie zu vergessen: Wir sind Menschen der Freude, berufen dazu, das wahre und bleibende Glück zu erlangen. Aber ist damit jene laute und geistlose Ausgelassenheit gemeint, die wir bei Menschen vorfinden, die sich keine Gedanken über ihr Leben machen und einfach in den Tag hineinleben, die zueinander sagen: "Laßt uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot" (vgl. 1 Kor 15,32)? Wir spüren: Das kann es nicht sein, wozu uns der Apostel Paulus auffordert. Was für eine Freude aber ist es, die uns Christen von den nicht an Gott glaubenden Menschen unterscheidet? Wie kann es uns gelingen, nach einem Wort des ungläubigen Philosphen Friedrich Nietzsche "erlöster auszusehen", damit die Welt daran glaubt, daß Christus uns das Heil geschenkt hat?
Zu allererst wollen wir uns bewußt machen: Es kommt nicht nur auf das Gefühl an. Es ist zwar schön und wichtig, wenn unser Herz ergriffen ist, wenn wir auch mit unseren Affekten, Gefühlen und Emotionen mitvollziehen, was unser Verstand erkennt und der Wille bejaht. Aber Gefühle allein sind zu wenig. Auch die Liebe darf nicht nur ein Gefühl sein, sonst kann sie das Leben nicht tragen! Als der Sohn Gottes am Kreuze litt und für uns Sünder starb, da hatte er kein Gefühl der Selbstbestätigung und der von den Menschen empfangenen Liebe, sondern er wollte stellvertretend für uns die Not äußerster Verlassenheit durchleiden. Und dennoch hat Jesus nach den Worten des Hebräerbriefs nicht auf die Schande geachtet, sondern "angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen ... und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt" (Hebr 12,2).
Das recht verstandene und im Glauben an Gottes liebevolle Vorsehung angenommene Kreuz kann also ein Weg zur wahren Freude sein. Es ist die schon jetzt im Glauben erfahrbare Teilnahme am Ostersieg des auferstandenen Christus, die unsere Freude als Christen begründet.
Nur im Glauben ist uns also die Quelle der wahren Freude zugänglich. Es ist die Freude "im Herrn", von der Paulus spricht, nicht die Freude am Vergänglichen oder gar Sündhaften. Wenn wir unser Herz bei Gott verankert haben, wo die Quelle der wahren und unvergänglichen Freude ist, dann wird es uns auch möglich sein, die irdischen Dinge auf das ewige Heil hinzuordnen und uns diese Welt zunutze zu machen (vgl. 1 Kor 7,31). Dann werden wir die geschaffenen Dinge als Gottes Werk erkennen und uns ihrer erfreuen, indem wir Gott preisen. "Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, wenn es mit Dank genossen wird" (1 Tim 4,4).
Vielleicht begreifen wir jetzt auch, was es bedeuten kann, wenn der Apostel Paulus uns sagt: "Freuet euch ... zu jeder Zeit!" Für den Christen gibt es keine Zeit des Lebens, in der er nicht von der Liebe Gottes begleitet und getragen wäre. Der Christ glaubt an diese Liebe, auch wenn er nicht immer etwas davon "spürt". Gerade dann ist Gott besonders nahe. Als Jesus am Kreuz die Stunde der Verlassenheit erfuhr, da verzweifelte er nicht, sondern legte voll Vertrauen seinen Geist in die Hände des himmlischen Vaters: "Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist" (Lk 23,46).
Blicken wir also in dieser Adventzeit voll gläubiger Hoffnung auf den kommenden Erlöser. Jesus wird auch in unserem Leben einst das vollenden, was er durch die Taufe in uns begonnen hat. Durch die Menschwerdung des Sohnes Gottes, die wir zu Weihnachten feiern, hat uns Gott als seine geliebten Kinder angenommen, um uns einst zur vollkommenen Freude zu führen (vgl. Joh 15,11).
Räumen wir alles weg, was dem Kommen des Erlösers in unser Herz entgegensteht! Taten der Umkehr und der Buße sollen uns den Weg bereiten zur Freude des Weihnachtsfestes. Dann fürchten wir uns nicht vor dem kommenden Gericht, sondern erwarten voll Zuversicht den Tag unserer Erlösung (vgl. Eph 4,30).
In der Stille wollen wir zur Ruhe kommen und aufmerksam
hören auf das Wort, das Gott uns sagt. Im Frieden des Herzens,
den Jesus uns schenkt, liegt schon ein Anfang der seligen Freude,
die wir im Himmel erfahren werden, wenn wir Gott schauen "von
Angesicht zu Angesicht" (vgl. 1 Kor 13,12). Amen.
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