Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs/Donau
Predigt am 4. Adventsonntag
21. Dezember 1997, Lesejahr C
Lesungen: L 1: Mi 5,1-4a; L 2: Hebr 10,5-10; Ev: Lk 1,39-45
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
In einem Adventslied wird das Geschehen des heutigen Evangeliums besungen: "Als Maria übers Gebirge ging, die Base Elisabeth sie empfing ..."
Die Jungfrau Maria, die eben erst ihr Kind Jesus, den Sohn Gottes, vom Heiligen Geist empfangen hatte, das sie unter ihrem Herzen trug, besucht ihre Verwandte Elisabeth. Auch diese hat ein Kind empfangen, trotz ihres hohen Alters und obwohl sie als unfruchtbar galt. Es ist Johannes, der Jesus vorausgehen und die Menschen auf ihn vorbereiten soll.
Als nun der Gruß der Gottesmutter Maria an das Ohr der Elisabeth drang, da hüpfte Johannes, ihr Kind, vor Freude in ihrem Leib. Gottes Heil und Erlösung gelangte durch den Gruß Mariens über Elisabeth zu Johannes, der im Mutterschoß geheiligt wurde. Und auch Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt. Denn bevor ihr noch Maria das Geheimnis ihrer wunderbaren Erwählung zur Gottesmutter mitteilen oder gar erklären konnte, da erkannte sie durch göttliche Eingebung: Vor ihr steht die Mutter ihres Herrn, die Mutter des kommenden Messias. Und so rief Elisabeth mit lauter Stimme: "Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes." Erinnern wir uns: Dasselbe beten wir täglich im "Ave Maria": "Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus." Gepriesen bist du, Jungfrau Maria, denn du bist gesegnet vom Herrn!
Das wichtigste Wort aber, das Elisabeth zu Maria, ihrer jungen Verwandten spricht, lautet so: "Selig ist die, die geglaubt hat, daß sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ." Der Glaube Mariens wird selig gepriesen. Ohne diesen unbeirrbaren Glauben hätte die Jungfrau Maria niemals ihr Jawort zum Willen Gottes sprechen können, den ihr der Engel verkündet hatte: Du sollst ein Kind empfangen, einen Sohn sollst du gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben. Das alles wird geschehen durch die Überschattung des Heiligen Geistes, ohne daß du deine Jungfräulichkeit verlierst.
Elisabeth weiß, was solcher Glaube bedeutet. Ihr Mann Zacharias hatte gezweifelt, als ihm der Engel Gabriel erschienen war und ihm verheißen hatte, daß seine Frau Elisbeth trotz ihres hohen Alters und ihrer Unfruchbarkeit noch einen Sohn gebären sollte. Ihm war das zu unglaublich erschienen. Maria hingegen fragte zwar: "Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?", aber sie zweifelte nicht, sondern glaubte mit der ganzen Hingabe ihres Herzens. So durfte sie empfangen vom Heiligen Geist und hat der Welt den Erlöser geschenkt.
Auch für uns ist das Geheimnis der Menschwerdung, das wir zu Weihnachten feiern, ein Geheimnis des Glaubens. Nicht anders können wir dem Sohne Gottes, geboren aus der Jungfrau Maria, nahen als im Glauben. Wenn wir diesen Glauben nicht haben, flüchten wir uns in andere Bereiche: Wir lassen uns vom Kaufrausch und der Hektik dieser Tage mitreißen, wir sehen in Weihnachten nur mehr eine Gelegenheit zu Urlaub, Ferien und Erholung, aber nicht mehr das große Fest unseres Glaubens.
Wie können wir wieder einen Zugang finden zur Menschwerdung des Sohnes Gottes aus der Jungfrau Maria? Ich meine, wir sollten uns helfen lassen. Jene Frau, die dem Erlöser eine menschliche Mutter sein durfte, wird uns helfen, wenn wir sie darum bitten. Wir wollen gerade in diesen Tagen vielleicht ab und zu das "Gegrüßet seist du, Maria" oder den "Engel des Herrn" oder einen Teil des Rosenkranzes beten. Lassen wir uns Zeit dabei, vertiefen wir uns ein wenig in den Sinn dieser Worte. Es sind heilige Worte, mit denen wir Maria als die Jungfrau voll der Gnade grüßen, erstmals gesprochen vom Engel Gabriel und von Elisabeth, der Verwandten der Jungfrau Maria.
Bestimmt werden wir durch dieses Gebet hingeführt
zu Jesus, der gebenedeiten Frucht des Leibes der seligen Jungfrau Maria.
Dann wird auch für uns Weihnachten ein Fest des Glaubens. Dieser Glaube
trägt uns durch unser Leben und verheißt uns die Freude des
ewigen Lebens bei Gott. Amen.
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