Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs/Donau
Predigt
am 6. Sonntag im Jahreskreis
(15. Februar 1998, Lesejahr C)
L 1: Jer 17,5-8; L 2: 1 Kor 15,12.16-20;
Ev: Lk 6,17.20-26
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Der Evangelist Lukas überliefert uns eine sogenannte "Feldrede" Jesu, die er vor einer großen Menschenmenge und seinen Jüngern gehalten hat. Inhaltlich entspricht sie in vielem der "Bergpredigt", die uns Matthäus in seinem Evangelium aufgeschrieben hat.
Jesus richtet "Seligpreisungen" und "Weherufe" an jene Menschen, die ihm nachfolgen, also besonders an seine Jünger.
Wer Jesus wirklich entschlossen nachfolgt und zum Glauben an den Sohn Gottes gefunden hat, an dem erfüllen sich die Seligpreisungen Jesu.
Unser Herr spricht von den "Armen", denen das Reich Gottes gehört. Nicht nur an materielle Armut sollen wir hier denken, sondern es ist vor allem die Aufnahmebereitschaft eines für Gott offenen Herzens gemeint. Das Herz der wahren Jünger Jesu ist frei von jeder ungeordneten Anhänglichkeit an irdische Dinge und somit "arm vor Gott".
Auch wer jetzt hungert, wird satt werden im Reiche Gottes. Der Hunger nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe ist es, den Jesus meint. Dieser Hunger kann auf dieser Welt nicht gestillt werden, findet aber im Reich Gottes seine Erfüllung. Es ist wesentlich für uns, daß wir uns diesen Hunger nach Gott und den geistlichen Werten nicht verschütten lassen durch Vordergründiges und Vorläufiges.
Wer jetzt aus übernatürlichen Beweggründen weint, wird im Reiche Gottes die Seligkeit erlangen. Es ist eine Gnade, Tränen der Reue und des Schmerzes über die eigenen Sünden zu verspüren. Auch wer keine fühlbare Reue hat, kann dennoch in seinem Willen sich abwenden wollen von der Sünde und ist aufgrund dessen bereit für die Gnade Gottes. Im Sakrament der Buße wird uns das Geschenk der Versöhnung mit Gott geschenkt. Dieser Friede ist ein Vorgeschmack der himmlischen Seligkeit, die uns in Gott jubeln lassen wird.
Jesus spricht noch etwas aus, was für uns schwer zu fassen ist. Er sagt, wir seien selig, wenn uns die Menschen wegen unseres Glaubens hassen und uns deswegen vielleicht sogar aus ihrer Gemeinschaft ausschließen. Er spricht davon, daß die Jünger Jesu - die Christen also - in Verruf gebracht werden um des Menschensohnes willen und beschimpft werden. Vieles von dem, was in den letzten Tagen und Wochen wieder auf die Kirche Österreichs zugekommen ist, läßt sich bestimmt in diesem Sinn verstehen und erklären. Wir sollen uns nicht vom Glauben an Jesus abbringen lassen und wollen uns weiterhin bemühen, seine Gebote zu halten und zu verkünden. Denn unser Lohn im Himmel wird groß sein, sagt Jesus, wenn wir nur ausharren in Treue und liebevoller Hingabe an den Willen Gottes.
Für alle jene allerdings, die nicht dem Ruf Jesu zu Glaube und Umkehr Folge leisten, gelten die "Weherufe" als die Kehrseite der frohen Botschaft. Sie zu verschweigen hieße das Wort Gottes verkürzen. Das Evangeliums ist anspruchsvolle Frohbotschaft für alle, die glauben wollen. Wer nicht glauben will, wird von Jesus nicht dazu gewungen, muß aber die traurigen Konsequenzen seiner Entscheidung selber tragen. Jene werden im Reiche Gottes nicht getröstet werden, sie müssen weiterhin hungern, sie werden klagen und weinen.
Beten wir, daß wir den uns anvertrauten Glauben bewahren, und nehmen wir in unser Gebet auch alle jene hinein, die das Wort Gottes noch nicht erkannt haben. Dann wird uns Gott am Ende der Welt aufnehmen in sein himmlisches Reich in die Gemeinschaft aller Heiligen und Seligen des Himmels. Amen.
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