Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs/Donau
Predigt
bei der Familienmesse in Ybbs
am 7. Sonntag im Jahreskreis
(22. Februar 1998, Lesejahr C)
L 1: 1 Sam 26,2.7-9.12-13.22-23; L 2:
1 Kor 15,45-49; Ev: Lk 6,27-38
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn, liebe Kinder!
Heute am Faschingssonntag steht für viele die Freude im Mittelpunkt. Es gibt Menschen, die in diesen Tagen ausgelassen sind und feiern. Manche vergessen dabei das richtige Maß und lassen sich ganz fortreißen von dieser närrischen Stimmung. Aber auch andere Menschen gibt es, die krank sind oder verzweifelt, die in Not sind und nicht genügend zu essen haben oder die von einem Krieg heimgesucht werden. Natürlich dürfen wir Christen uns freuen. Wir sollen das aber nicht in einer Weise tun, daß wir dabei sozusagen unseren Verstand verlieren und ganz außer Rand und Band geraten.
Ihr, liebe Kinder, habt am Anfang der heiligen Messe sehr schön einige Sätze von Euren Zetteln vorgelesen, die Ihr in der Religionsstunde vorbereitet habt. Darauf war zu lesen: "Lieber Gott, ich danke Dir. Ich freue mich, weil ..." Und da habt Ihr aufgezählt, worüber Ihr Euch freut im Leben und wofür Ihr Gott dankbar seid. Ihr freut Euch darüber, daß Ihr gesund seid, daß Ihr gute Eltern habt, daß Ihr in die Schule gehen und etwas lernen dürft. Ihr freut Euch über gute Freunde und über Eure Geschwister. Manche haben auch geschrieben, sie freuen sich darüber, daß Gott uns liebt, daß sie zur heiligen Kommunion gehen dürfen oder daß sie Ministranten sind. Diese so schön gestalteten und verzierten Zettel sind ja vorne am Seitenaltar aufgehängt und können nach der Messe auch von den Erwachsenen bewundert und gelesen werden.
Wer schenkt uns alles Gute, sodaß wir uns freuen können? Es ist Gott, der uns lieb hat. Er hat uns Jesus, seinen Sohn, in die Welt gesandt. Und Jesus hat uns den Weg gewiesen, wie wir in dieser Welt zum Frieden kommen können und einmal im Himmel für immer bei ihm glücklich sein werden!
Aller Unfriede und alles Böse - das hindert uns daran, glücklich zu sein. Das nimmt uns die Freude aus dem Herzen. Jesus sagt uns daher: Wenn Ihr die wahre Freude haben wollt, die von Gott kommt, dann haltet Frieden miteinander! Tut Gutes! Ja, liebt sogar die, die euch hassen. Liebet Eure Feinde!
So sagt es Jesus. Was glaubt Ihr, liebe Kinder, ist das leicht zu erfüllen? Jemandem Gutes zu tun, der uns Böses tut, jemanden zu lieben, der uns nicht mag? Das ist bestimmt nicht einfach. Doch es ist der einzige Weg, wie wir das Böse durch das Gute überwinden und besiegen können. Wenn wir nicht anfangen, unsere Mitmenschen zu lieben, dann werden wir auch keine Freunde haben. Durch unsere gelebte Nächstenliebe sollen wir auch unsere "Feinde" zu Freunden machen!
Freilich gelingt uns das nicht immer so, wie wir möchten. Wir streiten gern und gehorchen manchmal nicht. So ist es dann notwendig, daß wir uns wieder versöhnen, wenn wir uns "zerkriegt" haben. Denken wir daran, daß uns auch Gott jederzeit die Sünden vergibt, wenn wir sie bereuen! So sollen auch wir allen Menschen als unseren Brüdern und Schwestern vergeben, wenn sie uns Böses getan haben. Jesus hilft uns dabei. Deshalb beten wir ja auch zu ihm, damit wir die Kraft bekommen für das Gute. Deshalb gehen wir auch zur heiligen Kommunion, daß ER in unser Herz kommt und uns mit seiner Liebe erfüllt.
Jesus formuliert dann eine "Goldene Regel". Er sagt: "Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen." Die Erstkommunionkinder haben diese Regel schon in der Schule gelernt. Wenn ich möchte, daß mir jemand hilft, wenn ich in Not bin, dann muß auch ich jederzeit hilfsbereit sein. Daran zeigt sich die Liebe zu unseren Nächsten. Denn das ist das Wichtigste im Leben: Gott und die Menschen zu lieben. Wir sollen Gott lieben aus ganzem Herzen und ganzer Seele, mit allen unseren Kräften. Und wir wollen die Nächsten lieben wie uns selbst!
Wenn wir das tun, wenn wir uns darum bemühen, dann wird Friede in unser Herz einkehren. Dann schenkt uns Gott jene Freude, die mehr ist als die laute Freude der Faschingsnarren. Es ist eine Freude, die bleibt und nicht vergeht. Einmal im Himmel wird sie unser ewiges Glück sein! Amen.
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