Dr.
Josef Spindelböck
Predigt am Pfingstsonntag
(30. Mai 2004, Lesejahr C)
L 1: Apg
2,1-11; L 2: 1 Kor 12,3b-7.12-13 oder Röm 8,8-17;
Ev: Joh 20,19-23 oder Joh 15,26-27; 16,12-15
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Siehe auch das gemeinsame Hirtenwort der Bischöfe der Länder Mitteleuropas
zum Pfingstsonntag!
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Wenn wir zu Pfingsten das Fest des
Heiligen Geistes feiern, dann mag es uns ein wenig ergehen wie jenen Johannesjüngern, die der Apostel Paulus
auf seiner Missionsreise in Ephesus antraf. Als er sie fragte, ob sie den
Heiligen Geist schon empfangen hätten, antworteten sie: „Wir haben noch nicht einmal gehört, dass es einen Heiligen Geist
gibt.“ Sie waren nämlich nicht mit der christlichen Taufe auf den Namen des
Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft worden, sondern nur mit
der Taufe der Umkehr, welche der Vorläufer Jesu, der Prophet Johannes der
Täufer, verkündet hatte. Obwohl wir gläubige katholische Christen sind und
getauft und in der Mehrzahl auch gefirmt sind, wissen wir doch wenig Bescheid
über den Heiligen Geist.
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Tage nach Ostern kam der Heilige Geist unter dem Zeichen von Feuerzungen und
mit Sturmesbrausen auf die Apostel und Jünger herab, welche sich
zum Gebet versammelt hatten. Mitten unter den Jüngern – auch die Frauen waren
anwesend – befand sich Maria, die Mutter Jesu. Sie hatte in besonderer Weise um
das Kommen des vom Herrn verheißenen Beistandes, des Trösters, gebetet. Die
Frage, wer denn der Heilige Geist
eigentlich ist, bleibt für uns ein Geheimnis
des Glaubens. Ja, wir bekennen ihn als die dritte göttliche Person, als den Hauch der Liebe zwischen Vater und
Sohn, als den Lebensspender, der das Angesicht der Erde erneuert und uns mit
seiner Liebe und Gnade erfüllt.
Auch
sein Wirken ist geheimnisvoll: Er weht, wo er will. Dort, wo niemand
mit dem Wirken des Heiligen Geistes rechnet, macht er sich bemerkbar. Er
stiftet Frieden und Einheit. Es ist der Geist
der Wahrheit, der die Kirche im Glauben und in der Liebe erhält. In den
meisten Fällen ist es uns gar nicht bewusst, dass wir vom Geist Gottes geleitet
und erleuchtet werden, und er wirkt dennoch. In diesem Sinn ist er tatsächlich
der „unbekannte Gott“.
Wir glauben an den einen und einzigen
Gott! Dieser Gott ist ein Geheimnis der
Liebe zwischen drei göttlichen Personen, die am einen göttlichen Wesen
teilhaben. Gott ist über alle menschliche Vorstellungen erhaben. Der Sohn
Gottes jedoch, der Mensch geworden ist, hat uns den Vater offenbart und uns
nach seinem Heimgang zum Vater den Heiligen Geist gesandt. In diesem Heiligen
Geist wirken wir unser Heil. Er steht uns bei auf unserem Weg durch die Zeit
und leitet uns an zu allem Guten.
Wie geben wir dem Heiligen Geist die Ehre?
Wichtig ist das Gebet zum Heiligen
Geist, entweder in ausdrücklicher Form oder einschlussweise immer dann,
wenn wir zu Gott dem Vater beten und uns durch Jesus Christus an ihn wenden.
Denn der Heilige Geist wird – wie es im Großen Glaubensbekenntnis heißt – „mit dem Vater und dem Sohn angebetet und
verherrlicht“. Noch wichtiger aber ist es, dass wir die Gegenwart des
Heiligen Geistes und sein Wirken an uns schätzen. Er wohnt ja als der Geist der Liebe in unseren Herzen, und er seufzt
und betet gleichsam in uns. Er macht unsere Sehnsucht zum Gebet, da wir nicht
wissen, worum wir in rechter Weise beten sollen. „Der Geist selber tritt für
uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können“ (Röm
8,26).
Beleidigen
wir nie den Heiligen Geist! Das würde dann geschehen, wenn wir uns
der Wahrheit und Liebe Gottes verschließen wollten. Wer dies auf endgültige
Weise tut, begeht die „Sünde gegen den
Heiligen Geist“, die nach den Worten Jesu nicht vergeben werden kann, weder
auf dieser Erde noch im anderen Leben (vgl. Mk 3,29).
Es wäre das größte Unglück für den Menschen, diese Sünde der Unbußfertigkeit und Verstocktheit bis ans Ende zu
begehen. Denn Gott ist allezeit barmherzig; wo jedoch der Mensch seine Liebe
nicht annehmen will und sie hartnäckig ablehnt bis zuletzt, kann es nur die ewige Verdammnis geben, welche allein
der Schuld des Menschen zuzuschreiben ist – nicht etwa einem fehlenden Gnadenangebot vonseiten Gottes, der alle Menschen retten will!
Mögen wir also immer in der Liebe
Gottes bleiben! Mögen wir mit Maria,
der Gottesmutter und Braut des Heiligen Geistes, um das Kommen des Geistes in unser Herz beten. Wirken wir allezeit Taten der Liebe und bleiben wir in der
Wahrheit Christi. Dann werden wir vom Heiligen Geist geleitet, der das Antlitz
der Erde erneuert und alles vollendet. Amen.