Dr. Josef Spindelböck

Predigt am Christkönigssonntag C
25. November 2001

L 1: 2 Sam 5,1-3; L 2: Kol 1,12-20; Ev: Lk 23,35-43

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Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Wir Menschen sind von unserer Natur her auf Gemeinschaft angelegt. Keiner kann für sich allein leben; jeder braucht den anderen. Dies liegt im Plan des Schöpfers, der gewollt hat, daß es die Familie gibt und auch die anderen Formen von Freundschaft und Gemeinschaft unter den Menschen.

Ähnlich wie es auf der natürlichen Ebene die staatliche Gemeinschaft gibt, ist auch das „Reich Gottes“ eine Gemeinschaft, zu der uns Gott selbst berufen hat. Der ewige Gott, der uns liebt, hat uns in die Gemeinschaft der Liebe und des Lebens berufen. Wir sind durch Jesus Christus und in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes aufgenommen in das Reich Gottes, dessen Anfang bereits hier auf Erden in der Kirche des lebendigen Gottes gesetzt ist und das sich vollendet in der himmlischen Herrlichkeit.

Am „Christkönigsfest“ blicken wir mit den Augen des Glaubens auf unseren Herrn und Erlöser, den menschgewordenen Sohn Gottes, Jesus Christus. Gott ist einer von uns geworden, weil er uns liebt. Der Sohn Gottes ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen. Im Gegensatz zu den Machthabern dieser Welt, die oft ungerecht herrschen und ihre Macht mißbrauchen, ist unser Herr Jesus Christus der König des Friedens, der Gerechtigkeit und der Liebe. Wer sich ihm im Glauben unterordnet, darf teilhaben an seiner Herrlichkeit. Christus zu dienen bedeutet mit ihm zu herrschen.

Nicht vergessen wollen wir an diesem Festtag, auf welche Weise unser Herr Jesus Christus sein Königtum angetreten hat: Obwohl er als Gott sein Königtum von Ewigkeit her besitzt und ausübt, wollte er doch als Mensch den Weg des Leidens gehen, bis zum Tod am Kreuz. In der Stunde seiner größten Erniedrigung und Schmach hat er auf wahrhaft göttliche Weise triumphiert über alles Böse. In seiner Auferstehung und Himmelfahrt ist dieser Sieg des Herrn offenbar geworden für alle, die glauben.

Auch wenn wir in unserer Zeit andere Namen für die politischen Herrscher in dieser Welt haben, so ist der Begriff eines Königs doch geeignet, die besondere Würde unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus zum Ausdruck zu bringen. Weil er mit dem Vater und dem Heiligen Geist der eine wahre Gott ist, darum lebt und herrscht er von Ewigkeit zu Ewigkeit. Sein Reich geht niemals unter. Mögen auch manche ungerechten Systeme auf dieser Welt ihren Einfluß entfalten, bestehen bleiben wird letztlich nur das Reich der Gerechtigkeit, das Gott selber aufrichtet!

Darin liegt unsere Hoffnung als Christen. Die Sorge für die irdischen Strukturen und auch für das gesellschaftliche und staatliche Wohlergehen muß eingebettet sein in das Bemühen, dem Reich Gottes die Wege zu ebnen. Unser „Stolz“ als Christen darf es sein, daß wir nicht nur Bürger eines irdischen Gemeinwesens, sondern vielmehr Gottes Hausgenossen und Bürger des himmlischen Reiches sind. Das kann uns vor manchen kurzsichtigen Entscheidungen bewahren, wo wir versucht sind, die irdischen Maßstäbe für die einzigen anzusehen und die ewigen Werte aus den Augen zu verlieren.

Die Botschaft des heutigen Festes lautet: Wer Gott dient, der ist kein Knecht oder ein unfreier Mensch. Wer in der Freiheit der Kinder Gottes lebt, hat das Leben in Fülle gefunden. Er darf schon hier auf Erden teilhaben an der Gemeinschaft jenes Reiches, das nicht von dieser Welt ist.

Lassen wir uns von der Fürbitte der Heiligen zu ihrem König führen, zu Christus, dem Herrn. Wenn wir in unserer ständig sich wandelnden Zeit nach Orientierung suchen, so blicken wir auf Jesus Christus, unseren Herrn und König: Sein Reich besteht in Ewigkeit! In Liebe und Treue dürfen wir unseren Weg gehen und uns seiner Barmherzigkeit anvertrauen. Mögen wir auf die Fürbitte seiner Mutter, der heiligen Jungfrau Maria, teilhaben an der himmlischen Herrlichkeit! Amen.

 

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